Förderstedt l Na klar, schick ist dieses altehrwürdige Haus in Förderstedt. Hoch über dem Fenster ist eine Tafel angebracht, auf der das Jahr 1897 eingraviert ist. In diesem Jahr wurde die kleine Villa in der Magdeburg-Leipziger Straße gebaut. Sie hat große Fenster, eine hübsch dekorierte Fassade und bietet allen Autofahrern zwischen Atzendorf und Staßfurt einen netten Anblick.

Die Förderstedter kennen dieses Haus, weil hier seit Jahrzehnten der Hausarzt seine Praxis hat. Bis März 2019 war Dr. Hansgerd Höschel niedergelassen. Nachdem dieser in den Ruhestand ging, übernahm die junge Dr. Anca Leucus die Praxis. Die aus Rumänien stammende Ärztin kam 2010 nach Deutschland, arbeitete dann neun Jahre lang in Krankenhäusern in der Region, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Barrierefreiheit fehlt

Den hat sie nicht bereut. „Ich fühle mich gut aufgenommen in Förderstedt“, sagt sie. Die Förderstedter haben sich an sie gewöhnt. Sie plant schon jetzt auf lange Sicht. „Ich will noch 30 bis 35 Jahre in Förderstedt praktizieren“, so Leucus. Bis sie also selbst in Rente geht.

Bilder

Ein Problem gibt es dabei aber. Die Niederlassung am Ortsausgang Richtung Atzendorf. Dort gibt es keinen barrierefreien Zugang, wenig Parkplätze, keine getrennten Toiletten zwischen Personal und Patienten und keinen richtigen Wartebereich. Der Wartebereich ist der Treppenaufgang des Hauses.

Deswegen hat die Ärztin im April ein Grundstück in der Großen Straße 13 in Förderstedt gekauft, das direkt an der Calbeschen Straße liegt. Das Grundstück ist bereits an Wasser, Gas, Strom und Internet angeschlossen. „Die Fläche ist zentral, die Bushaltestelle nicht weit“, sagt Leucus. Sie braucht eine neue Perspektive. So lautete auch die Überschrift einer Power-Point-Präsentation, mit der die Ärztin ihre Pläne vorstellte.

Mehr Bewegungsflächen

„Die Räume in der alten Praxis sind nicht mehr kompatibel“, erklärt Leucus. Sie wünscht sich größere Räume, Bewegungsflächen außerhalb und innerhalb des Gebäudes mit einer Grünanlage im Parkcharakter und natürlich soll in dem modernen Bau alles barrierefrei sein. Für den Neubau bekommt sie eine Förderung über das Leader-Programm von 50.000 Euro.

Den größten Anteil stemmt die junge Ärztin aber selbst. Derzeit hält sie Ausschau nach einer Firma, die ihre Pläne umsetzt. Was gar nicht so einfach ist. Sie wünscht sich, dass noch in diesem Jahr Baustart ist. „Das Ziel ist es, 2021 in die neue Praxis umzuziehen“, sagt Leucus. Was sicherlich ein sehr ambitioniertes Ziel ist.

Kürzere Wege in neuer Praxis

Am neuen Standort will sie verschiedene Praxisräume besser bündeln, kurze Wege zwischen EKG und Ultraschall haben. Perspektivisch kann Anca Leucus auch mehr Patienten aufnehmen. Derzeit befinden sich etwa 1100 bis 1200 Patienten in ihrer Akte. Doch es werden mehr werden.

In Atzendorf praktiziert der über 80-jährige Dr. Hans-Jürgen Groh noch immer fleißig. Leucus übernimmt seine Urlaubsvertretung. Groh hat schon angekündigt, dass er keinen Nachfolger für seine Praxis sucht. Sollte dieser also in Rente gehen, wird Anca Leucus in Förderstedt dessen Bestand wohl großflächig übernehmen.

Anca Leucus setzt sich die Ziele in Förderstedt, weil sie hier ihr berufliches Glück gefunden hat. „Viele Kollegen haben Angst vor der Verantwortung und scheuen daher die Selbstständigkeit. Ich fühle mich jetzt aber wohler. Es macht großen Spaß, auch wenn es eine sehr große finanzielle Belastung und auch stressig ist“, sagt Leucus.

In Förderstedt und den umliegenden Dörfern schätzt sie die Ruhe und das idyllische Leben. „Ich komme aus einer Großstadt. Dort ist es laut, es gibt kein grün. Hier ist der Rhythmus anders. Die Menschen sind wärmer und höflicher. Es gibt einen anderen Ablauf“, sagt sie. Das klingt nach einer Liebeserklärung an Förderstedt und allgemein an das Dorf. Anca Leucus ist gerne Landärztin.