Zuchau l Im Eingangsbereich der Kirche stehen DRK-Liegen, Sandsäcke und andere Original-Utensilien erinnern an das Katastrophen-Equipment vom Sommer 2013. Vor dem Altar laufen in Endlosschleife Fotos, die den Deichbruch, überflutete Straßen und Häuser oder jene Evakuierten zeigen, die vor fünf Jahren in Zuchau unterkamen. Der Zuchauer Axel Schneider hatte sie kurz nach der Flut aufgetrieben und nun wirkungsvoll zusammen gestellt. Alles wird untermalt von schwermütig-melancholischen Liedern der Sängerin Enya. Allein diese Art der Präsentation greift den Besuchern ans Herz.

Die Kirche ist voll. Nicht jeder hat einen Sitzplatz. Ortsbürgermeister Jörn Weinert begrüßt die Leute „im ältesten Dorfgemeinschaftshaus von Zuchau“. „Deutschland ist ein gutes Land“, sagt er und vergleicht den Wiederaufbau „trotz langsamer Mühlen der Verwaltung“ mit anderen Orten auf der Welt.

Erinnerungen an 2013

Er erinnert an Szenen von damals. An jenen älteren Herren, der Rasen mähte, damit er was zu tun hatte, an „kleine Räuberbanden“ von Kindern, die die Evakuierung als Abenteuer empfanden, an die Rolle von Feuerwehr und jene starke Frauentruppe, die Kinder beaufsichtigte, Wäsche wusch, das Open Air-Frühstück bereitete. Und immer wieder Trost spendete. „Wir lebten damals im Matriarchat“, würdigt der promovierte Germanist. Landrat Markus Bauer vergleicht die übervolle Kirche mit dem damaligen Schulterschluss, den die gastgebenden Zuchauer mit den Evakuierten aus Breitenhagen, Groß Rosenburg und Lödderitz praktizierten.

Bilder

Den Ortsbürgermeistern der betroffenen Dörfer merkt man die Emotionen an. Hans-Georg Buszkowiak (Breitenhagen) und Michael Kromer (Lödderitz) müssen den Kloß im Hals überwinden, als sie reden. Buszkowiak verurteilt zuweilen aufkommende Neiddebatten, weil Breitenhagen viele Ersatzneubauten bekommt. „Wir haben viel Liebgewonnenes aufgeben müssen“, sagt er. Michael Pietschker lobt die Zuchauer: „Bei Euch gingen Türen und Tore auf, um Menschen aufzunehmen“. Dies sei „selbstverständliche Solidarität gewesen“. Auch Landwirt Helmut Wienecke aus Rosenburg erzählt, wie er seine Rinder evakuieren musste und bedankt sich herzlich.

Am Ende tritt der Rosenburger Bernd Wehling vor. Er überreicht Pietschker ein selbst gestaltetes Bild, das den Titel trägt „Die große Flut“. Zum Dank, weil sich „sein Ortsbürgermeister“ täglich gekümmert hatte.

Ausstellung noch bis Donnerstag

Nun haben alle wieder ein Lächeln im Gesicht. Emotionen pur liest man auch in den Gesichtern der Besucher. Ungehalten ist man allerdings, weil kein Offizieller aus Barby den Weg zu dieser Veranstaltung fand.

Bis Donnerstag kann die Ausstellung in der Zuchauer Kirche besichtigt werden. Geöffnet ist von 17.30 bis 20.30 Uhr.