Barby l Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) treibt die DIN-gerechte Deichsanierung voran. In den vergangenen Wochen wurden im Bereich Barby auf einer Länge von 340 Metern Spundwände im Abschnitt zwischen dem „45er Bruch“ und dem alten Deichhaus am Jungeswerder bei Glinde gerammt. Sie ragen elf Meter in den Boden. Die Oberkanten der Spundbohlen werden bei Fertigstellung des Deiches mit 30 Zentimetern Kies überdeckt, der mit Mutterboden beschichtet wird.

Diese Art der Deichertüchtigung wurde bereits 2003 zwischen dem Stummeldamm und der Barbyer Eisenbahn-Elbbrücke sowie im Lödderitzer Forst realisiert. Die Technik wird überwiegend immer dann angewendet, wenn Häuser zu dicht hinter dem Deich stehen oder Naturbiotope eine Verbreiterung des Deichfußes erschweren. Letzteres ist bei Glinde der Fall. Hier befindet sich ein Biotop, das in Flurkarten als „Wüstes Schloss zum Hagen“ bezeichnet wird. Es sind besonders mehrere alte Eichen, die landseitig dicht am Deichfuß stehen. Deswegen muss der Deichverteidigungsweg, der normalerweise auf der Berme, also der landseitigen Stützböschung verläuft, auf 340 Meter Länge über die Deichkrone geführt werden. Das geschieht ähnlich wie am besonders gefährdeten Abschnitt am „45er Bruch“, wo 2013 der Deich zu brechen drohte.

Ertüchtigung begann 2017

Im vergangenen Jahr begann die Ertüchtigung des Deiches von der alten „Maisan“ bis zur Überfahrt am Deichwachthaus am Glinder Jungeswerder. Der Abschnitt ist 4,1 Kilometer lang und soll Ende dieses Jahres fertig sein.

Bilder

Wie Flussbereichsleiter Ronald Günther mitteilt, wird dieser Abschnitt nach den gültigen Normen DIN-gerecht saniert, wie man sie vor Jahren am Deich bei Ranies anwendete. Auch die Katastrophenstelle am Breitenhagener Schöpfwerk und im weiteren Verlauf nach Klein Rosenburg wurde auf diese Weise neu aufgebaut. Wesentliches Merkmal ist die Verbreiterung der Berme. Darauf wird in der Regel auch ein Deichverteidigungsweg angelegt.

Alte Burg

Kurz vor der Deichüberfahrt am Jungeswerder am Kilometer 4,1 befindet sich die Gemarkung „Wüstes Schloss zum Hagen“. Die Konturen einer geringen Bodenerhebung, an der noch in den 1970er Jahren Mörtel- und Dachziegelreste gefunden wurden, sind durch Baum- und Buschbewuchs schlecht erkennbar. Besonders am Rande der südlichen Burgstelle fand man jahrzehntelang deutsche und slawische Scherben sowie Ziegelsteinbruch. Sogar ein spätmittelalterliches Hufeisen gab der Boden in den 1960er Jahren frei.

Wann das „Schloss“ wüst wurde und verfiel, ist nicht genau bekannt. In gut einem Kilometer Entfernung liegen die Reste der Burg Glinde, deren Wallanlagen wesentlich imposanter sind. Die Archäologen hatten den Bereich an der Deichbaustelle untersucht, aber nichts gefunden.