Schönebeck l Seit zehn Jahren ist sie nun schon verschlossen, die gusseiserne, reich verzierte Tür zum Ratskeller. Für einen Vor-Ort-Termin mit Mitarbeitern der Verwaltung wird sie nun geöffnet. Einige Stufen geht es hinunter. Dann noch durch die eigentliche Eingangstür. Dem Ratskeller selbst ist auf den allerersten Blick nicht anzusehen, dass dort ein Jahrzehnt lang nichts passiert ist. Außer ein leichtes Heizen, damit nichts einfriert. Das Gewölbe zeigt sich in einem ordentlichen Weiß, die Wände in Gelb. Die Stühle stehen an oder auf den Tischen. Nur eine dicke Staubschicht macht sich auf dem Mobiliar breit, das nicht gerade das modernste ist. Das ist alles. Keine feuchte Luft, die man im Keller erwartet. Keine Schimmelflecken. Kein Salpeter an den Wänden, kein muffiger Geruch.

Seit zehn Jahren steht der Ratskeller leer. Die Zeiten, in denen es schwierig war, in der dortigen florierenden Gastronomie einen Platz zu bekommen, sind lange vorbei. Die Verwaltung prüft derzeit, ob es von den Räumen und den Kosten her sinnvoll wäre, den Ratskeller wieder zu beleben – und zwar mit der Stadtbibliothek. Doch wie die Stadtmitarbeiter vor Ort unisono betonen: Alles ist erst einmal nur ein Gedankenspiel und alles andere als in greifbarer Nähe.

Keinen Gastronom gefunden

Oberbürgermeiser Bert Knoblauch (CDU) gibt zu, dass er sich damit anfangs schwer getan habe. Er hätte sich gewünscht, dass wieder Gastronomie in den etwa 360 Quadratmeter großen Ratskeller einzieht. Doch es finde sich keiner, das hätten die vergangenen Jahre gezeigt. Gäbe es Interessenten, müsste die Stadt auch Geld in die Hand nehmen, die Räumlichkeiten herrichten und Auflagen erfüllen. Das wiederum müsste sie in Zeiten klammer Kassen und Konsolidierung auf den Mietpreis umlegen. Möglich, aber sehr unwahrscheinlich sei auch, dass ein Privater in eine Immobilie investiert, die ihm nicht gehört.

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Und dann sei da die Stadtbibliothek. Sie ist seit 1975 in Räumen am Stadtfeld untergebracht. Langfristig müsste dort umfangreich investiert werden, die Verwaltung geht von einem größeren sechsstelligen Betrag aus. „Die Kanalisation der Stadtbibliothek bereitet uns schon seit längerer Zeit Probleme, seit zwei, drei Jahren ist es aber akut“, sagt Bert Knoblauch. Und Frank Wedler, Leiter Sachgebiet Hochbau, erklärt, dass die Stadt nur Gebäudeeigentümer für den Bibliotheksbereich sei, links und rechts seien Private. Das Gefälle gehe Richtung Wilhelm-Hellge-Straße. Es komme immer wieder zu Verstopfungen, vor allem im vergangenen Jahr. Doch der Eigentümer, der das Problem abstellen könnte, wenn er für ein stärkeres Gefälle der Leitungen sorgen würde, mache nichts. Sicherlich könne die Stadt selbst tätig werden und auf eigene Rechnung eine Einzelanbindung herstellen lassen. Aufgrund der angespannten Haushaltslage sei das aber mehr als unrealistisch. Zudem sei die Stadtbibliothek „energetisch gesehen ein Luftschloss“, wie Thomas Schulze, Amtsleiter Zentrales Gebäude- und Liegenschaftsmanagement, sagt.

So kam die Idee auf, vielleicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können: Eine städtische Einrichtung – die Stadtbibliothek – zieht in eine städtische Immobilie – den Ratskeller. „Wir fänden das gut. Das Gewölbe hat Charme“, sagt Bibliotheksleiterin Nadin Vietmeyer. Mit ihren Kollegen hatte sie sich den Ratskeller bereits angeschaut. Sie können sich gut vorstellen, hier mit Büchern und Co. einzuziehen, betont sie. Vor allem, weil man dann recht zentral sei. Zwar würde man sich platzmäßig etwas verkleinern, aber das sei machbar, die Regale stehen aktuell ja frei im Raum.

Passen Bücher und Keller zusammen?

Doch passen Bücher und Keller zusammen? Ist die Luftfeuchte nicht zu hoch? Ist es nicht zu dunkel? Kopfschütteln bei den Stadtmitarbeitern. „Es gibt ja auch Magazine, die im Keller sind. Oder die Bibliothek in Halberstadt ist in einer alten Kirche untergebracht“, nennt Nadin Vietmeyer als Beispiel. Stadtchef Knoblauch fügt hinzu: „Die Luftfeuchtigkeit ist hier kein Problem. Das ist ja kein Kartoffelkeller.“ Auch die Lichtverhältnisse seien kein wirkliches Argument. „Vielen fällt das vielleicht gar nicht auf. Aber in den jetzigen Räumen ist es auch nur im unmittelbaren Fensterbereich hell – in etwa so wie hier im Ratskeller in Fensternähe. Würden wir das Licht ausmachen, wäre es dunkel. Wir arbeiten auch jetzt schon viel mit künstlichem Licht“, erklärt die Bibliotheksleiterin. Und Bedenken, dass die Schulen den dann teils weiteren Weg nicht mehr auf sich nehmen, hat sie nicht. Der Oberbürgermeister merkt dazu an, dass es schon lange eine Kooperation mit der Schule Welsleben gebe. Die Anreise erfolge mit dem Bus. „Mit dem neuen Fahrplan ab August gibt es dann vielleicht auch die Haltestelle Breiteweg, die wir uns schon so lange wünschen. Wir arbeiten daran.“

Kurzum: Würde die Stadt mit dem Umzug auf Dauer Kosten einsparen und würde der Stadtrat dem Ansinnen zustimmen, wäre ein Realisieren sowieso erst möglich, wenn der barrierefreie Rathausanbau Markt 2 steht. Denn erst dann ist ein Zugang über Fahrstuhl und Verbindung zum Ratskeller für jedermann möglich.

Doch wie eingangs schon erwähnt: Noch ist alles Zukunftsmusik.