Schönebeck | Es geht um rund 70.000 Euro jährlich. Geld, das die Stadt nicht übrig hat. Geld, das der Kreis nicht übrig hat. Und nicht zuletzt Geld, dass dem Verein „Rückenwind“ fehlt, um das „Piranha“ auch im Jahr 2021 zu betreiben. Hintergrund ist die Haushaltskonsolidierung der Stadt, denn schon 2017 wurde beschlossen, das Kinder- und Jugendbüro nur noch für die Jahre 2018, 2019 und 2020 zu bezuschussen. Ohne diese Förderung wird man die Einrichtung nicht annährend so betreiben können, wie es derzeit der Fall ist, sagt Jana Dosdall, Geschäftsführerin von „Rückenwind“. Stefan Meier, Chef des „Piranha“, ergänzt: „Vielleicht wird es das Piranha noch irgendwie weiterhin geben, aber ein Großteil der Angebote wird wegfallen.“

Diese Sorge treibt auch Anne Schönemann, Stadträtin und Vorsitzende des Sozialausschusses, um. „Ich habe das Thema jetzt schon angesprochen, um genug Zeit für Ideensammlung und Überlegungen für mögliche Fördermittel zu sammeln, bevor es im Dezember 2020 dann heißt: ‚Da hätten wir früher drüber reden müssen.‘“, sagt Schönemann in der Sitzung des Sozialausschusses Ende Oktober. Sie bittet die Ausschussmitglieder, sich Gedanken zu machen, damit die Finanzierung des „Piranha“ vielleicht doch noch gesichert werden kann. Was die Einrichtung für die Stadt bedeutet, umschreibt Schönemann so: „Ich halte das ,Piranha‘ als einen Anlaufpunkt für die Altstadtkinder und aufgrund der langen Tradition für außerordentlich wichtig. Auch das Konzept als Kinder- und Jugendbüro hebt sich von anderen Kinder und Jugendfreizeiteinrichtungen ab.“

Dramatische Folgen

Bei „Rückenwind“ sind sich Dosdall und Meier einig, dass der Entschluss der Stadt zwar dramatische Folgen für das „Piranha“ hat, aber dennoch sei die Entscheidung nachvollziehbar. Zudem fördert die Stadt nach wie vor zu 100 Prozent den Jugendklub „Young Generation“ und zu rund 65 Prozent den Jugendklub „Future“.

Stattdessen sehen Dosdall und Meier den Kreis in der Pflicht. „Wir stellen jedes Jahr Anträge, um finanzielle Zuschüsse für die Betriebskosten zu erhalten“, sagt Dosdall. Doch Geld habe das „Piranha“ nie erhalten. Zu diesem Thema hat die Volksstimme am Montag beim Kreis angefragt, doch bislang steht die Antwort aus.

Petition für Jugendclub

Überdies waren die Jugendclubs der Stadt in der jüngeren Vergangenheit bereits im Fokus der Gesellschaft. So musste erst im Sommer diesen Jahres der Jugendclub „Rainbow“ der Arbeiterwohlfahrt (Awo) seine Pforten schließen, weil die Fördergelder des Kreises ausblieben. Daraufhin haben rund ein Dutzend Unternehmer aus der Region Schönebeck einen Brandbrief an Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) geschrieben. Darüber hinaus haben sich mehrere Jugendclubs der Petition „Zukunft sichern: Jugendarbeit vor Ort retten“ angeschlossen. Auch Mitglieder von „Rückenwind“ haben mit ihrer Unterschrift die Petition unterstützt. Diese fordert die Mitglieder des Landtages und die Landesregierung auf, sich aktiv zur Kinder- und Jugendarbeit auf kommunaler Ebene zu bekennen und langfristige Investitionen in die Jugendförderung zu tätigen.

„Die Situation der Kinder- und Jugendarbeit in den Landkreisen und kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt hat sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Einrichtungen wurden geschlossen, wie zuletzt im Salzlandkreis, oder stehen kurz vor der Schließung“, heißt es in der Petitionsbeschreibung.

Probleme darlegen

Bei der Übergabe der rund 8000 Unterschriften umfassenden Petition in Magdeburg Ende September kamen zum Beispiel Vertreter der Awo auch mit den Landtagsabgeordneten ins Gespräch. Ines Grimm-Hübner, Chefin der Awo im Salzlandkreis, konnte die Probleme der Jugendarbeit darlegen. Doch die Hoffnung, dass zusätzliche Gelder vom Land bereitgestellt werden, sei sehr gering. Seitens des Landtages wird mitgeteilt, dass die Petition derzeit noch geprüft wird und dass Informationen eingeholt werden. Im Januar wird die Petition dann aller Wahrscheinlichkeit nach im Petitionsausschuss ein Thema sein.

Unabhängig davon, ob doch noch irgendwie Gelder für die Jugendarbeit aufgetrieben werden können, wollen Jana Dosdall und Stefan Meier das Jahr 2020 im „Piranha“ intensiv nutzen. „Es wird herausfordernd, aber wir werden das nächste Jahr entschlossen angehen. Wir werden weiterhin Augen und Ohren nach möglichen Fördermitteln offenhalten. Wir sehen es aber auch realistisch und wissen, dass die Chancen dafür sehr begrenzt sind“, so Dosdall.