Schönebeck l Anfang Oktober ereignet sich in Magdeburg ein tragisches Unglück: Bei einem Kita-Ausflug verschwindet ein zweijähriger Junge. Wenig später wird er leblos im Neustädter See aufgefunden. „Das ist das Allerschlimmste, was den Eltern und auch den Erziehern passieren kann. Man will sich so etwas gar nicht vorstellen“, sagt Kathleen Dobertin, Leiterin der Schönebecker Kita „Kinderoase“ der Lebenshilfe Bördeland. Die Volksstimme hat bei ihr und Sabine Krause, Leiterin der Johanniter-Kita „Regenbogen“ nachgefragt, wie bei Exkursionen der Kindertageseinrichtungen für die Sicherheit der Kinder gesorgt wird.

Die entscheidende Grundlage bildet dabei die Aufsichts- und Fürsorgepflicht, erklärt Kathleen Dobertin. Alle Erzieherinnen sind demnach dazu verpflichtet, die Kinder in ihrer Obhut vor Schäden zu bewahren. Und das gilt natürlich auch bei Spaziergängen oder Ausflügen. „Wichtig ist dabei immer mögliche Gefahren zu kennen und zu vermeiden. Das geht schon bei der Wahl des Ausflugsziels und beim Weg dorthin los. Im Idealfall kennen die Erzieher das Ausflugsziel schon genau und wissen, was sie und die Kinder dort erwartet “, sagt die Kita-Leiterin. Und dabei gibt es allerhand zu beachten.

Unterschiedliche Gefahren

So lauern bei einem Spaziergang durch die Stadt ganz andere Gefahren, als bei einem Ausflug ins Grüne. Sind innerhalb eines Ortes vor allem Autos und das Verkehrsgeschehen ein mögliches Risiko, so müssen die Erzieher bei einem Ausflug in den Wald verstärkt darauf achten, dass die Kinder zusammen bleiben und sich keines von der Gruppe entfernt.

Zudem kommt es auch immer auf die Anzahl der Erzieher an, betont Sabine Krause von der Kita „Regenbogen“. „Wenn nicht genug Personal vorhanden ist, dann müssen Ausflüge und Spaziergänge auch mal ausfallen“, sagt sie. Und grundsätzlich wird die Kita nie mir nur einem Erzieher verlassen. „Je nach Gruppengröße sind also mindestens zwei Erzieher mit dabei. Und diese verlassen das Gelände auch nicht ohne Handy und Erste-Hilfe-Set“, so Krause. Zudem hebt auch die Leiterin der „Regenbogen“-Kita hervor, dass die Wahl des Ortes ein wichtiger Faktor ist. „Wenn wir beispielsweise eine Ausflug ins Puppentheater Magdeburg machen und mit dem Zug anreisen, dann habe ich lieber einen Erzieher mehr dabei, als einen zu wenig.“

Eintragung in Liste

Außerdem müssen sich die Erzieher bei jedem Ausflug in eine Liste eintragen: Darin wird festgehalten, wo es hin geht und wie viele Kinder und Erzieher unterwegs sind. Bei der Rückkehr werden die Daten wieder abgeglichen. „Unterwegs zählen die Erzieher natürlich auch mehrfach die Kinder durch“, ergänzt Krause.

Daneben gibt es weitere praktische Techniken, mit denen die Gefahr für die Kinder bei einem Ausflug minimiert wird. Kathleen Dobertin erklärt: „Wenn wir zum Beispiel durch die Stadt gehen, dann geht ein Erzieher voran und einer bildet das Ende der Gruppe. Zudem laufen die Kinder immer an der Hauswand entlang, die Erzieher auf der Straßenseite des Weges.“ So sind die Kleinen gewissermaßen von ihren Betreuern umschlossen. Die Erzieher schirmen die Gruppe ab und stehen zwischen ihnen und der potenziell gefährlichen Straße.

Gefahrenquellen meiden

Natürlich gelten auch in den Kitas der Stadt Schönebeck verschiedene Vorsichtsmaßnahmen. So werden die Ausflugsziele unter anderem so gewählt, das sie für den jeweiligen Entwicklungsstand der Kinder geeignet sind. Gefahrenquellen wie Seen oder Orte mit Absturzmöglichkeit werden gemieden, teilt Stadtsprecher Frank Nahrstedt mit. Zudem wird der Betreuungsschlüssel eingehalten, das heißt, dass auf einen Erzieher maximal fünf Krippenkinder beziehungsweise zwölf Kinder aus dem Elementarbereich kommen, so der Stadtsprecher.

Bei allen Einrichtungen werden diese und weitere Vorsichtsmaßnahmen von regelmäßigen Weiterbildungen – beispielsweise Erste-Hilfe-Kursen – ergänzt. Und am allerwichtigsten: „Jeder Erzieher handelt immer nach besten Wissen und Gewissen zum Wohle der Kinder“, sagt Kathleen Dobertin.