Kleinmühlingen l Draußen wird es langsam aber sicher herbstlich. Im Inneren der St.-Salvator-Kirche in Kleinmühlingen haben sich an diesem Abend zwei Dutzend Musikliebhaber versammelt, um dem Orgel-Konzert von Matthias Müller zu lauschen – einem von mehreren, die er im Rahmen des Rühlmannorgel- Festivals spielt.

„Eine kleine, aber feine Dorforgel“, so Müller, stehe in St. Salvator. Die Tastatur spiele sich gut, allerdings noch längst nicht perfekt, erläutert der Kantor. Macht nichts. Dann müsse man auf einer solchen Dorforgel eben Musik spielen, die für eine solche Orgel gemacht ist. Ein sizilianisches Volkslied, eine biblische Sonate und eine Pastorale kündigt er unter anderem an.

Wenn es um Orgeln geht, kennt sich Müller aus. Er ist nicht nur nur Organist, sondern auch Orgel-Restaurator. Im vergangenen Jahr hat er unzählige Pfeifen der Orgel in St. Salvator gereinigt und ausgewechselt.

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Auftrag ausgeschrieben

Dass der Zuschlag für die weitere Restaurierung der Orgel nicht an ihn, sondern an einen Orgelbauer aus Dingelstedt gegangen ist, hat nichts mit der Qualität von Müllers Arbeit zu tun. Helga Sebon, die Vorsitzende des Kleinmühlinger Kirchbauvereins: „Ein Auftrag dieser Größenordnung wird natürlich in Absprache mit einem Orgelsachverständigen ausgeschrieben. Und Martin Lodahl aus Dingelstedt hat den Zuschlag bekommen.“

Sebon und ihr Verein machen sich seit geraumer Zeit verdient um die Restaurierung des Orgel-Unikats aus dem Hause Rühlmann.

Nach einer vermutlich laienhaften Reinigung in den späten 1960er-Jahren riss der Kirchbauverein das Szepter vor zwei Jahren endgültig an sich.

Die Orgel wurde einer Inspektion unterzogen. Sowohl das Innere als auch das Orgelprospekt erstrahlen seither wieder in neuem Glanz. Als Hauptproblem kristallisierte sich ziemlich schnell der Zustand der Orgelpfeifen heraus: Sie wurden zwar von Müller gereinigt, gerichtet und gegen Holzwurmbefall behandelt. Einige Klanglöcher konnten nur mit den Finanz-Mitteln des Vereins indes nicht geschlossen werden.

Patenschaft für 702 Pfeifen?

Damals entstand die Idee der Orgelpfeifenpaten. Wer zur Rettung des Instruments beitragen wollte, konnte fortan kurzerhand die Patenschaft für eine der insgesamt 702 Pfeifen übernehmen.

Für den Spender gibt es eine Urkunde und, nicht zu vergessen, bei jedem Konzertbesuch in der St.-Salvator-Kirche zu Kleinmühlingen das erhabene Gefühl seinen Teil zum Klangerlebnis beigesteuert zu haben. Und obwohl erst für 27 Pfeifen Paten gefunden werden konnten, zieht Helga Sebon ein positives Zwischenfazit: „Wichtig ist, dass wir bereits Paten für nahezu alle Prospektpfeifen gefunden haben.“

Die Prospektpfeifen schlagen nämlich mit je 100 Euro zu Buche. Gefragt bei den Spendewilligen sind sie, weil sie gut sichtbar und damit ziemlich „prestigeträchtig“ sind.

Ein Tropfen auf den heißen Stein

Doch runderneuerte Prospektpfeifen sind bei einem Projekt dieser Größenordnung lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber der Kirchbauverein wäre nicht der Kirchbauverein, lägen die Pläne für das weitere Vorgehen nicht schon in der Schublade.

Im Dezember soll nun – mit Spendenmitteln finanziert – die vollständige Sanierung der Orgel beginnen. Das Pfeifenwerk soll generalüberholt werden. Zwei Drittel der veranschlagten Mittel kann Sebon bereits auf der Haben-Seite verbuchen. Das freut auch den Gemeindekrichenrat, der als Eigentümer für die Vergabe zuständig ist.

Das erklärte Ziel des Kirchbauvereins und aller Akteure lautet: Die Orgel soll bei Gottesdiensten und Konzerten wieder uneingeschränkt nutzbar sein. Dadurch erhoffen sich die Mitglieder nicht nur eine Bereicherung der Gottesdienste, sondern auch eine Belebung des Gemeindewesens. Zum Ende des Konzertes von Matthias Müller erklingt eine letzte Pastorale, die Besucher sind glücklich über jeden Ton, den die „Dorforgel“ von sich gibt.

Der auf einen warmen und runden Klang ausgerichtete Charakter der Orgel wird auch nach abgeschlossener Restaurierung, passend zum Kirchlein St. Salvator, im Vordergrund stehen. Der Kirchbauverein, Helga Sebon und die Zuhörer wissen, was sie an ihrer Orgel haben. Und das Wichtigste: Es konnten für die Restaurierung auch an diesem Konzertabend wiederum Spenden eingesammelt werden.