Schönebeck l Der Maler Werner Tübke wäre am 30. Juli 90 Jahre alt geworden. Das Industrie- und Kunstmuseum Schönebeck hat deshalb Originalwerke gezeigt, um den großen Sohn der Stadt zu würdigen. An sieben Wochenenden ist die Ausstellung zu sehen gewesen. Immer waren drei, vier Mitglieder im Einsatz. „Eine wunderschöne Sache, aber anstrengend“, gibt Imuset-Chef Georg Plenikowski ehrlich zu. Doch alle hätten gern mitgezogen und sich über die nicht selten 50 Besucher am Tag gefreut. Schätzungsweise 500 Gäste seien es gewesen, genau registriert habe man das nicht.

Und dann seien da ja auch noch die zwei Glanzpunkte gewesen: Bärbel Täuber erkennt sich auf einer Zeichnung von Tübke – die gebürtige Schönebeckerin lebt jetzt in Friedrichroda. Und der Magdeburger Künstler Rudolf Pötzsch findet im Industriemuseum sein verschollen geglaubtes Bild – ein Gemälde vom Reformator Thomas Müntzer aus dem Jahr 1989. „Das waren wunderbare Sachen“, schwärmt Plenikowski. „Schade, dass die Tübke-Expertin Annika Michalski zur Finissage nicht kommen konnte. Vielleicht klappt es zu einem späteren Zeitpunkt.“

Hochkarätige Ausstellungen

Aber dann müsse das Imuset noch mehr Werbung machen. Zwar hätten sich bekannte Künstler und Kunst- interessierte der Region die Schau angesehen, aber ansonsten „sind es mehr Auswärtige als Schönebecker gewesen. Das ist traurig“, sagt Plenikowski offen. „Wenn die Schönebecker wüssten, was sie hier haben, würden sie mit geschwellter Brust überall davon erzählen.“ Können sie aber nicht, weil viele die Ausstellung nicht besucht haben. Enttäuscht sei das Imuset-Team auch von der Resonanz der Schulen. Es seien sechs Schulen angeschrieben worden, dass auf Wunsch Sonderöffnungszeiten in der Woche möglich seien. Nur eine Schule – das Gymnasium Schönebeck – habe das Angebot genutzt. „Ich schwanke zwischen traurig und entsetzt“, so der Imuset-Chef. „Die Schulen fahren zum Beispiel nach Wolfsburg und schauen sich die Autostadt an, aber ihre eigene Geschichte ...“ Da bleibt ihm nur ein Kopfschütteln.

Wenn er ein Fazit ziehen soll, ist er dennoch zufrieden. „Die Ausstellung war ein super Erfolg für Imuset. Aber nicht nur. Auch für Schönebeck, für den Salzlandkreis, für Sachsen-Anhalt.“ Die Besucher seien aus ganz Deutschland gekommen, wissen die Mitstreiter aus zufälligen Gespräche. Kiel, Frankfurt/Main, Worms, Leipzig ... Die meisten seien wohl aus Sachsen-Anhalt und Thüringen angereist, schätzt Georg Plenikowski ein. Drei seien sogar aus Frankreich gewesen. Einer von ihnen hätte ein Stück Geschichte in Schönebeck: Hier geboren, dann weggegangen und nun seit zig Jahren in Westfrankreich. Der Besuch in der Elbestadt hätte zwei Beweggründe gehabt: die familiären Wurzeln und die Tübke-Schau.

Nach der Ausstellung ist vor der Ausstellung. Die nächste steht schon in den Startlöchern. Ab 14. September gibt es Werke von Ewald Blankenburg (1920-2000) zu sehen, Leihgaben seiner Familie.

Der Maler und Zeichner lebte eine Zeitlang in Schönebeck. Er habe viele Heimatmotive gemalt. Da er in Frohse sein Atelier hatte, zeigen viele Bilder auch das dortige einstige Leben: das Elbufer, die Dampfmühle, das Silo, die Badeanstalt. „Sehr schöne Motive“, betont Hans-Günther Zick. Blankenburg sei oft mit Malblock und Stift umhergezogen. 1960 sei er als Kunsterzieher nach Bremen gegangen.