Schönebeck l Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis bei der Straßenplanung nicht mehr nur Ampeln, sondern auch Kreisverkehre in die Planungen Einzug hielten. In Schönebeck sind bereits mehrere dieser runden Kreuzungen entstanden. Doch sehen sie meist trist aus. Wer schon einmal im europäischen Ausland war, weiß, dass dort schon länger auf den Kreisverkehr gesetzt wird. In manchen Ländern sind sie sogar liebevoll gestaltet oder bepflanzt.

Daran will nun auch Schönebeck anknüpfen. In einem gemeinsamen Projekt wird jetzt der Kreisel in Grünewalde dekoriert. Der Magdeburger Künstler Matthias Trott hat sich Gedanken über die Gestaltung gemacht. Herausgekommen ist dabei eine Metallskulptur, die ein Schiff darstellen soll. Zwei hölzerne Pfähle stehen für die Masten.

Pfähle von Ausgrabungen

„Die Pfähle sind etwas ganz Besonderes“, sagt er. Sie wurden bei Ausgrabungen im Jerichower Land entdeckt und sind mehrere Hundert Jahre alt.

Engagiert hat sich für die Kunst im öffentlichen Raum Gunnar Schellenberger (CDU). Der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung der CDU hat nach eigenem Bekunden das Projekt schon vor mehr als einem Jahr angeschoben. Mit der künstlerischen Gestaltung der Kreisverkehre werde die Region lebenswerter. Vor allem aber unterstreicht die Aktion die zunehmende touristische Bedeutung der Region.

In der Praxis, sagte Gunnar Schellenberger, sei es gar nicht so einfach gewesen, die Aktion durchzuführen. An dem Kreisverkehr treffen sich Gemeindestraßen der Stadt Schönebeck und auch eine Kreisstraße. Die öffentliche Hand hat für die Verschönerung des Kreisverkehrs allerdings kein Geld gegeben, sagte er. Vor allem durch Spenden haben die Unterstützer der Aktion das Kunstwerk finanziert.

Finanzspritze vieler Beteiligten

Dabei hat Gunnar Schellenberger den Schönebecker Elbufer Förderverein mit ins Boot geholt. Seine Mitglieder seien von der Idee angetan, bestätigte der Vorsitzende Martin Hennig. Ebenso sponsern die Schönebecker Stadtwerke ebenfalls einen Betrag, erklärt deren Geschäftsführer Friedrich Husemann.

In Tornitz haben die Mitarbeiter von Eckhard Henschel die Skulptur mit erschaffen. Auch Unternehmer Henschel beteiligt sich an dem Projekt, längst nicht alles wolle er bezahlt haben, versichert er.

Vier Themenkomplexe hatte der Künstler bei seinem Entwurf zu berücksichtigen, erklärt Gunnar Schellenberger. Schönebeck werde unter anderem mit dem Salz, der Schifffahrt, der Munitionsherstellung und den Brücken in Verbindung gebracht. Nicht alle Themen hätten bei dem Projekt gleichermaßen berücksichtigt werden können, schätzt er ein. Er halte das Kunstwerk aber für gelungen. Das Schiff sei gut zu erkennen und die Art der Konstruktion lasse auch das Thema Brücken erkennen. Einen kleinen Ordner hat er bei dem Termin an der Werkhalle in Tornitz dabei. „Das ist die Baugenehmigung“, sagt er. Ohne umfängliche Bürokratie geht in der Republik nichts. Ein Mitglied des Elbufer-Fördervereins hatte kostenlos die statischen Berechnungen erledigt. Ohne die hätte es die Genehmigung nicht gegeben.

Gute Plannung vorausgesetzt

Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch freut sich schon auf die Bereicherung des öffentlichen Straßenraumes. In den kommenden Wochen soll die Skulptur ihren Platz erhalten. „Erst aber muss der Kreisel noch etwas hergerichtet werden“, sagt Eckhard Henschel. Die Aktion solle vorher gut geplant werden, um die Straße nicht lange sperren zu müssen, schlägt er vor. Schließlich muss ein Kran die rund fünf Tonnen schwere Konstruktion auf den vorbestimmten Platz heben. Ganz mittig kann sie außerdem nicht aufgebaut werden. Denn in der Mitte befindet sich eine Straßenlampe, die den Kreisverkehr nachts erleuchtet. Eine Umverlegung der Laterne wäre zu aufwändig gewesen. Deshalb bleibt sie stehen und das Kunstwerk wird davor aufgebaut.

Nach dem Projekt ist aber zugleich vor dem nächsten Projekt. Ein Kreisverkehr gibt es noch am Ortsausgang nach Barby. Dort will Gunnar Schellenberger ebenfalls ein Kunststück installieren. Anbieten würde sich hier schon wegen der Nähe eine kleine Fassung des Ringheiligtums, sagt er. Schließlich sei dies der touristische Magnet der Zukunft in Sachsen-Anhalt, wirbt er weltweit für die Stätte.