Calbe l Wer sich von Brumby der Stadt Calbe nähert, überquert erst einen Bahnübergang, dann eine Kreuzung und anschließend geht es über ein Feld auf der neuen Ortsumgehung an den Calbenser Stadtrand. Die Ortsumgehung, eigentlich dazu gedacht, die Einwohner der Saalestadt vor Straßenlärm und Abgasen besser zu schützen, bewirkt offenbar bei den Bewohnern der Nienburger Straße, die auf der zur Ortsumgehung zugewandten Seite wohnen, das Gegenteil. 96 Einwohner haben sich in der Vergangenheit bei der Landesstraßenbaubehörde über eine Zunahme des Lärm beklagt.

Nicht nur von der Nienburger Straße komme nun der Lärm, sondern ebenso von der neuen Ortsumgehung. Zwar hat die Landesstraßenbaubehörde in unmittelbarer Nähe der Straße zur Wohnbebauung Lärmschutzwälle errichten lassen. Die Motoren- und Rollgeräusche der Fahrzeuge, die sich aber noch in weiterer Entfernung der Stadt befinden, können ohne auf Hindernisse zu stoßen, die Wohnhäuser erreichen. Vor allem nachts ist dies für die Anwohner der Nienburger Straße eine neue Erfahrung.

Anwohner sammeln Unterschriften

Mit Unterschriftensammlungen wandten sich die betroffenen Anwohner bereits an die Landesstraßenbaubehörde (Volksstimme berichtete) und forderten einen besseren Lärmschutz. Den sieht die Behörde gegeben und verweist auf die Berechnungen und die Planfeststellungen zum Bau der Ortsumgehung.

Allerdings stellen die Berechnungen des zu erwartenden Lärms ein Modell dar. Ob das in der Praxis dann so eintritt, muss abgewartet werden. Die Anwohner haben weiter Zweifel an den Berechnungen. Eine Ursache in der Lärmbelastung sehen wie beispielsweise auch in der Ausschilderung des zulässigen Tempos. Am Bahnübergang und der dahinter liegenden Kreuzung ist Tempo 70 ausgeschildert. Dahinter können die Autofahrer aber wieder Gas geben und 100 Stundenkilometer fahren. Erst am Ortseingangsschild, welches sich nur wenige Meter vor dem Beginn der Wohnbebauung befindet, müssen die Fahrzeuge wieder abbremsen.

Der Wechsel der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der kurzen Strecke sorgt für mehr Lärm, sind die betroffenen Anwohner der Nienburger Straße der Meinung. Sie würden es begrüßen, wenn die gesamte Strecke eine einheitliche Geschwindigkeitsbeschränkung hätte. Dann müssten die Autofahrer weniger beschleunigen und bremsen. Unterm Strich könnte so Lärm vermieden werden.

Da der Wind meistens aus westlicher Richtung kommt, sorgen auch schon Fahrzeuge, die noch weit von der Stadt entfernt sind, für einen entsprechenden Lärmpegel, der die Wohnbebauung erreicht. Für die Anwohner der Nienburger Straße ist fraglich, ob dies bei der Planung der Umgehungsstraße ausreichend berücksichtigt wurde. Der Lärm von zwei Straßen lässt die Anwohner nicht nur um ihre Gesundheit fürchten. Der Straßenlärm sorge auch dafür, dass die Werte ihrer Häuser in der Zukunft sinken werden.

Längst müssen die Eigentümer von Immobilien an der Landesstraße Abstriche machen, wenn sie ihre Immobilie verkaufen wollen. Interessenten verweisen dann auf den Straßenlärm und die damit verbundenen Belastungen, schilderte im vergangenen Jahr ein betroffener Anwohner seine Erfahrung, als ein Nachbar sein Haus verkaufte. Den Bürger geht es aber in erster Linie um eine Verbesserung der Lebensqualität. Sie wollen nicht noch mehr Lärm ausgesetzt sein und fordern weitere Maßnahmen der Landesstraßenbaubehörde, um die Belastung für sie zu verringern. Mit dem stetig wachsenden Verkehrsaufkommen, so die Befürchtung, werden sich die Belastungen in der Zukunft eher erhöhen, anstatt sich zu verringern. Auch darauf müsse das Land bei den Planungen Rücksicht nehmen.