Schönebeck l „Als ich davon gehört habe, dass ich den Landesmusikpreis bekommen werde, bin ich aus allen Wolken gefallen“, sagt Zsolt-Tihamér Visontay. Und dann nimmt der 35-Jährige seine Guarneri-Violine, ein wertvolles Modell aus dem Jahr 1730, in die Hand und sorgt dafür, dass auch das Publikum aus allen Wolken fällt. Denn dann spielt er die Violinsonate von César Franck mit Pianistin Oksana Andriyenko so, wie nur ganz wenige es können. Dann zeigt er nicht nur, dass er sein Instrument technisch perfekt beherrscht. Sondern dann schafft er es, durch seine außergewöhnliche Musikalität und den warmen Klang, den er seiner Guarneri-Violine entlockt, die Zuhörer mitzureißen.

„Diesen erstaunlichen Werdegang und das besondere Engagement eines Künstlers, für den in Schönebeck und Magdeburg die musikalische Ausbildung anfing, ehren wir heute“, sagte Kulturminister Rainer Robra am Dienstagabend. Deshalb sei Zsolt-Tihamér Visontay ein mehr als würdiger Träger des mit 10.000 Euro dotierten Landesmusikpreises.

Ein Blick in seine Biografie zeigt, dass hinter einer solchen Karriere nicht nur ein besonderes Talent, sondern auch die richtige Mischung aus harter Arbeit und der idealen Förderung steckt. Und die fängt in Magdeburg an: Von seinem fünften Lebensjahr an bekommt der Schönebecker hier Geigenunterricht bei Hannelore Gericke. „Ihr habe ich meine Technik zu verdanken“, sagt Zsolt-Tihamér Visontay heute. Mit ihr habe er damals jedes Musikstück – Takt für Takt und Note für Note – „durchgeackert“.

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Magdeburgerin erkennt das außergewöhnliche Ta

Die Geigenlehrerin aus Magdeburg erkennt das außergewöhnliche Talent von Zsolt-Tihamér Visontay sofort. Neun Jahre lang bekommt der Geiger Unterricht bei ihr. Dann geht es für den damals 14-Jährigen weiter nach Weimar – auf das Musikgymnasium Schloss Belvedere. Das Internat gilt in Deutschland als eine der Elite-Schmieden für junge Musiker.

Nach seinem Studium wird Zsolt-Tihamér Visontay mit 23 Jahren Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera. Nur ein Jahr später folgt das Angebot vom Philharmonia Orchestra im Mekka der klassischen Musik: in London. „Mit 24 Jahren eine solche Stelle in einem Orchester wie dem Philharmonia zu bekommen, das ist wirklich ganz außergewöhnlich“, sagt Hannelore Gericke.

Sigrid Hansen, die Vorsitzende des Tonkünstlerverbandes Sachsen-Anhalt, hebt in ihrer Laudatio nicht nur die besonderen künstlerischen Fähigkeiten des Geigers hervor. Sie betont auch sein Engagement für die nächste Generation – vor allem in der Region. Denn in Schönebeck ist er Mitglied des Fördervereins der Musikschule, gibt trotz seines vollen Terminkalenders – der Geiger spielt etwa 160 Konzerte im Jahr – Benefizkonzerte in seiner Heimat. Und so oft es geht, besucht Zsolt-Tihamér Visontay seine Mutter in Schönebeck, die dort Geigerin bei der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie ist.

Bodenständigkeit trotz Jetsetter-Leben

Doch viel Zeit bleibt ihm selten in seiner Heimat. Denn für die Auftritte als Konzertmeister und Solist bereist er die ganze Welt. Abgehoben ist der Schönebecker jedoch trotz des Jetsetter-Lebens kein bisschen. Wer mit ihm spricht, merkt das sofort. „Ich spiele zwar in verschiedenen Ländern – meistens natürlich in London“, sagt er, „trotzdem werde ich meine Wurzeln niemals vergessen.“

Wenn man den Lebenslauf von Zsolt-Tihamér Visontay betrachtet, könnte man meinen, dass der Geiger längst am Ziel ist. Der Künstler selbst fühlt sich unglaublich geehrt und glücklich darüber, dass er den Landesmusikpreis erhalten hat. Aber am Ziel angelangt sei er noch lange nicht. „Ich bin eher auf dem Weg dorthin“, sagt er bei der Verleihung in der Staatskanzlei in Magdeburg. „Aber“, so sagt er weiter, „jedes Mal, wenn ich auf der Bühne stehe und es schaffe, das Publikum zu bewegen, komme ich diesem Ziel ein Stückchen näher.“