Schönebeck/Staßfurt l Um 20.17 Uhr sind alle 188 Wahllokale ausgezählt: Markus Bauer (SPD) bleibt Landrat. Bei einer Wahlbeteiligung von 22,07 Prozent kommt Bauer auf 65,16 Prozent der Stimmen. Sein Herausforderer Alexander Goebel (CDU) auf 34,84 Prozent der Stimmen. Insgesamt gehen 35 813 Salzländer zur Wahl. Ein klares Ergebnis und ein klarer Auftrag für die kommenden sieben Jahre.

Während das Wahlergebnis kreisweit eine klare Angelegenheit war, fällt es in Staßfurt knapper aus: Hier wählen nur 53,2 Prozent Bauer und 48,6 Prozent Goebel. Die Wahlbeteiligung beträgt 18,49 Prozent. Das dürfte im Zusammenhang mit der heftigen Debatte um den Busverkehr und eine alteingesessene Firma aus Hecklingen ste- hen.

Markus Bauer sagt am Abend nach der Wahl: „Doppelt so viele Stimmen wie der Mitbewerber und deutlich mehr Wahlbeteiligung als 2014 – das ist ein eindeutiges Ergebnis. Ich muss mich bei allen Bürgern bedanken, die zur Wahl gegangen sind.“ Auch die Nicht-Wähler hätten mit ihrer Entscheidung gezeigt, dass es keine Wechselstimmung gäbe.

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Für Bauer ist die Wahl eine themen- und personenbezogene Wahl. Seine bisherige Tätigkeit als Landrat habe sich ausgezahlt. „Ich bin dankbar, dass so viele die Wahl abgesichert haben“, so Bauer. Zu Kritikern meint er: „Nicht Herr Bauer hat beschlossen, dass es eine Wahl gibt, sondern es ist ein demokratischer Prozess, dass Wahlen stattfinden.“

Bauer selbst verbringt den Wahltag „wie einen ganz normalen Sonntag in Familie“ und hat vorher die Briefwahl genutzt. Was das nächste große Projekt für den Salzlandkreis ist? „Die nächsten großen Vorhaben werden im Kreistag und mit den verantwortlichen Akteuren besprochen.“

„Natürlich bin ich ein Stück weit enttäuscht“, räumt Herausforderer Alexander Goebel ein. Ihm sei aber von Anfang an klar gewesen, dass es schwierig werden würde. Vor allem deshalb, weil es pandemiebedingt kaum Möglichkeiten gab, um in der Öffentlichkeit für sich zu werben. „Und die vom Kreis organisierte Kandidatenvorstellung war ja auch leider alles andere als ‚smart‘.“ Den Seitenhieb kann sich Goebel nicht verkneifen, schreibt sich der wiedergewählte Landrat doch die Digitalisierung auf die Fahnen und wirbt für den Salzlandkreis als „Smart Region“. Leider nicht so smart, dass es einen Videostream der Kandidatenvorstellung gegeben hätte, bedauert Goebel.

„Mein Dank gilt aber allen Mitstreitern und natürlich auch den Bürgern, die sich zur Wahl begeben haben“, sagt Alexander Goebel. Stichwort Wähler: Generell hätte sich der Christdemokrat eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht. Gleichzeitig ist er aber auch positiv überrascht, dass die Wahlbeteiligung trotz Pandemie ähnlich hoch ist, wie bei der letzten Landratswahl im Jahr 2014.

Darüber hinaus versichert Goebel, dass er sich weiterhin in der Politik und für den Salzlandkreis einbringen werde. „Das ist meine Heimat, und ich werde ganz genau verfolgen, wie es mit der Region weitergeht.“

Was sagen die Spitzen der Kreisparteien zum Wahlergebnis?

Dass das Ergebnis gegen den Bundes- und Landestrend ist, darauf verweist Roger Stöcker. Der Kreisvorsitzende der SPD macht deutlich, dass die Bürger die gute Arbeit von Markus Bauer zu schätzen wissen. „Wenn 80 Prozent nicht zur Wahl gegangen sind, scheint eine Wechselstimmung auch nicht vorhanden gewesen zu sein“, so Stöcker am Abend zur Volksstimme.

Trotz der Niederlage ist man angesichts des Ergebnisses bei der CDU zufrieden. „Mit so einem Resultat können wir uns sehen lassen“, sagte gestern Abend der Kreisvorsitzende der CDU, Gunnar Schellenberger. Der Kandidat der Christdemokraten, Alexander Goebel, habe in der Kürze der Zeit des Wahlkampfes viele gute Ideen entwickelt. „Damit waren wir auch besser als jene, die sich weggeduckt haben“, so Schellenberger, der damit Kritik an den anderen Parteien übt, die keinen Kandidaten aufgestellt haben. Traurig hingegen ist der Kreisvorsitzende über die Wahlbeteiligung: „Alles um die 20 Prozent ist eine Katastrophe.“

„Markus Bauer war die bessere Wahl“, bewertete der AfD-Kreisvorsitzende Matthias Büttner das Ergebnis am Abend. Er habe sein Amt gut ausgeführt. Von daher habe der Amtsbonus für ihn gesprochen. Der CDU-Herausforderer Alexander Goebel sei in der Region wenig bekannt gewesen. „Und er wohnt nicht mal hier“, listete Büttner einige Nachteile für Goebel auf.

Johann Hauser, Vorsitzender der FDP im Salzlandkreis, hat mit diesem Ergebnis und dem Sieg für Markus Bauer gerechnet. Dass die CDU einen völlig Unbekannten ins Rennen schickte, hält Hauser für einen Fehler. „Wer sollte ihn denn wählen?“ Die schlechte Wahlbeteiligung rechnet der Kreisliberale auch der Pandemie an. „Jetzt wählen zu gehen, ist eben ein Risiko.“

„Wir gratulieren dem Wahlsieger Markus Bauer“, teilte am Abend Andreas Gernegroß, Kreisvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, mit. Die Partei hatte sich im Vorfeld für eine Unterstützung von Bauer ausgesprochen. Damit würde nun der Grundstein für eine weitere gute Zusammenarbeit gelegt. Die Wahlbeteiligung sei aus Sicht der Grünen enttäuschend, wäre aber zu erwarten gewesen, sagte Gernegroß.

„Wir gratulieren Markus Bauer zum Erfolg und deutlichem Ergebnis“, betonte Henriette Krebs, eine der beiden Linken-Kreisvorsitzenden. Alexander Goebel hätte für die CDU als unbekannter Kandidat ein beachtliches Ergebnis erzielt. Bauer hätte jetzt Zeit, weitere Projekte in Angriff zu nehmen. Krebs lobte den Breitbandausbau, den er forciert hätte. „Wir wünschen uns, dass die von ihm schon 2014 versprochene gute Zusammenarbeit im Kreistag nun auch mit uns umgesetzt wird, nicht nur mit der CDU.“