Hilfe-Kriterien

Kriterium 1: Das Unternehmen darf maximal 250 Beschäftigte haben und einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro nicht überschreiten.

Kriterium 2: Der Naturalertrag auf Acker und Grünland muss in diesem Jahr im Betriebsdurchschnitt um mehr als 30 Prozent geringer sein als im Schnitt der letzten drei Jahre.

Kriterium 3: Eheleute dürfen die Prosperitätsgrenze von 120 000 Euro nicht überschreiten. Für Einzelpersonen beträgt die Grenze 90 000 Euro.

Kriterium 4: Einkünfte aus gewerblichen nichtlandwirtschaftlichen Betriebszweigen dürfen nicht mehr als 35 Prozent der Gesamteinkünfte ausmachen.

Kriterium 5: Je höher das Privatvermögen, desto geringer die Hilfe. Übersteigt das anrechenbare Privatvermögen das 1,5-fach des finanziellen Dürreschadens, so soll nicht mehr ausgeglichen werden.

Kriterium 6: Eine vorliegende Existenzgefährdung. Diese liegt vor, wenn der Dürreschaden größer ist als der durchschnittliche Cash flow III der letzten drei Jahre.

Kriterium 7: Eine Dürrehilfe ist nur möglich, wenn der Betrieb ohne Dürre nicht existenzgefährdet wäre.

Schönebeck/Calbe l „Das war die schlechteste Zwiebelernte seit 40 Jahren.“ So fasst Reiner Tischler, Aufsichtsratsvorsitzender des Mitteldeutschen Zwiebelkontors in Calbe, die diesjährige Dürre und ihre Folgen zusammen. Tischler rechnet mit einem Ertragsausfall von rund 50 Prozent. „Statt der üblichen 20.000 Tonnen haben wir dieses Jahr nur rund 10.000 Tonnen Zwiebeln gehabt. Hinzu kommt, dass die meisten Händler die Zwiebeln nicht haben wollen, da sie zu klein für den Handel sind“, so Tischler. „Die haben wir dann nur noch als Viehfutter abgeben können.“

Seit Montag können dürrgeschädigte Landwirte, deren Betriebe existenzgefährdet sind, Hilfsgelder beantragen. Das Landwirtschaftsministerium rechnet mit 500 bis 1000 betroffenen Landwirten in Sachsen-Anhalt. Laut dem Statistischen Landesamt liegen die Ertragsausfälle in der Landwirtschaft bei mindestens 30 Prozent.

Um den Bauern zu helfen, haben Bund und Länder ein 340 Millionen Euro schweres Hilfspaket geschnürt. In Sachsen-Anhalt stehen den existenzbedrohten Landwirten rund 51 Millionen Euro zur Verfügung, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt.

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Maximal 500.000 Euro

Wer die Kriterien erfüllt, kann zwischen 2500 und 500.000 Euro Unterstützung aus diesem Topf erhalten. Zudem müssen die Gelder aus der Dürrehilfe nicht zurückgezahlt werden. Wie viele Bauern die Hilfe wirklich in Anspruch nehmen können, bleibt aber abzuwarten. Genaue Zahlen könne man erst nennen, nachdem die Anträge gestellt wurden, heißt es beim Landwirtschaftsministerium.

Jedoch ist nicht jeder Landwirt von der Dürrehilfe überzeugt. So kritisiert zum Beispiel Karin Ostermeyer aus dem Familienbetrieb Hans-Heinrich Ostermeyer in Calbe, die „unfassbar bürokratisch formulierten“ Voraussetzungen. „Der Entwurf ist kompliziert. Da sollen die Landwirte unter anderem den ‚Cash flow III‘ angeben. Da weiß doch keiner, was damit gemeint ist“, sagt Ostermeyer. Für sie steht fest, dass die Dürrehilfe nur ein „großer Fake“ ist.

Grenze zu gering

Auch Jens Küstermann, Prokurist der Agrar GmbH Elbe-Saale & Co. KG in Barby, steht der Dürrehilfe skeptisch gegenüber. „Ich bin sehr gespannt, wer am Ende etwas bekommt und wie viele überhaupt Hilfe beantragen“, sagt Küstermann. Zudem sei die Formulierung der Dürrehilfe-Kriterien ohne Fachberatung für kaum einen Landwirt verständlich.

Marcus Rothbart, Geschäftsführer des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt, sieht neben bürokratischen Formulierungen noch andere Probleme. „Der Zeitraum, in dem die Anträge gestellt werden können, ist schon recht kurz. Besonders bei Genossenschaften mit vielen Gesellschaftern könnte es schwierig werden, fristgerecht alle Daten zusammen zu bekommen“, sagt Rothbart. Hintergrund ist folgender: Da es sich bei den Geldern um Bundesmittel handelt, müssen diese noch innerhalb des aktuellen Jahres ausgegeben werden. Darüber hinaus findet Rothbart die Prosperitätsgrenze, also die Summe der Einkünfte, mit 120.000 Euro zu gering. „Eine Grenze von 150.000 Euro wäre vernünftiger gewesen.“

Einen Image-Schaden für die Bauern befürchtet Ostermeyer. „Es heißt dann wieder nur, dass die Bauern immer nur die Hand aufhalten und dann auch noch Geld bekommen. Dass längst nicht jeder Betrieb die Hilfe beanspruchen kann, verstehen viele dann wieder nicht“, sagt Ostermeyer.

Rücklagen bilden

In einem weiteren Punkt sind sich Ostermeyer und Küstermann einig: In der Agrarwirtschaft müssen die Bauern selbst vorsorgen und Rücklagen bilden. So schaffen sich die Agrarbetriebe ihr eigenes finanzielles Polster, auf das sie in schlechten Zeiten zurückgreifen können.

Andere Kulturen anzubauen, um sich somit dem Klimawandel anzupassen, halten sie nicht für praktikabel. „Jede Pflanze braucht irgendwann Wasser, egal was ich anbaue“, sagt Küstermann. Stattdessen wolle die Agrar GmbH in die Bewässerungsinfrastruktur weiter ausbauen und so Dürreperioden entgegenwirken.