Blutspende

Lebensretter dringend gesucht

Das Blut wird knapp. 15 Prozent unter dem benötigten Bedarf rangiert das Aufkommen an Blutkonserven derzeit in Sachsen-Anhalt.

Von Emily Engels

Schönebeck l Die Lage ist ernst. Mit diesen vier Worten beginnt eine Mitteilung des Blutspendedienstes. Das Aufkommen an Blutspenden ist mit Beginn des Monats Mai dramatisch zurückgegangen. Der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes der Landesverbände Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Oldenburg und Bremen (kurz NSTOB) macht dafür unter anderem das warme Wetter zu Beginn des Monats verantwortlich. „Offenbar sind die Menschen lieber draußen, als im Spenderlokal“, mutmaßt NSTOB-Sprecher Tobias Lüttig. Er führt noch einen weiteren Grund für den deutlichen Rückgang an: „Es ist Heuschnupfenzeit. Viele Menschen fühlen sich einfach nicht fit.“

Nichtsdestoweniger werden vor allem in den Kliniken Deutschlands Blutkonserven gebraucht. Lüttig nennt Zahlen: „In den ersten Wochen dieses Monats fehlen uns schon jetzt mehr als 2500 Blutspenden, damit liegen wir 15 Prozent unter unserem benötigten Bedarf.“

Dieser Einbruch habe bereits dazu geführt, dass klinische Einrichtungen nicht mehr ausreichend mit den wichtigen Blutgruppen 0 Rhesus negativ und 0 Rhesus positiv versorgt werden können. Eine Unterversorgung mit Blutpräparaten führe unmittelbar dazu, dass Therapien und Operationen in Krankenhäusern nicht wie geplant ausgeführt werden können. „In Hinblick auf die bevorstehende Sommer- und Ferienzeit ist das alarmierend“, warnt Lüttig.

Dabei gibt es viele Menschen, die sich das helfen zum Hobby gemacht haben. So auch Hans-Jürgen Reuter, der jetzt seinen 100. Blutspende-Termin hatte. Der Schönebecker hat als junger Soldat aus Solidarität für den Vietnam Blut gespendet und geht seit dem vier Mal im Jahr zur Spende. „Mir persönlich macht es nichts und ich bin froh, wenn ich helfen kann“, meinte er gestern zur Volksstimme, während er routiniert auf der Liege Platz nahm.

Dass er jetzt tatsächlich zum 100. Mal dabei ist, macht ihn schon ein bisschen stolz. Neben der regelmäßigen Blutspende singt der gutgelaunte Rentner im Shanty-Chor und hat einen Nebenjob als Hausmeister. „Ich mach das ganz locker, drei Stunden am Tag“, erzählt er und fügt hinzu: „Den ganzen Tag zuhause rumsitzen bringt schließlich auch nichts. Da fällt einem ja die Decke auf den Kopf.“

Die 24-jährige Schönebeckerin Charleen Kowarschi ist ebenfalls auf dem besten Wege, zur regelmäßigen Spenderin zu werden. Durch die Eltern ist sie vor einiger Zeit darauf gekommen, Blut zu spenden. „Ich habe Blutgruppe 0, die ist gefragt“, erzählt sie.

Hans-Jürgen Reuter und Charleen Kowarschi sind Menschen, die mit gutem Beispiel voraus gehen. Grundsätzlich kann jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahre Blut spenden. Nach oben hin sind allerdings Grenzen gesetzt. Zwar trifft ein Arzt immer eine individuelle entscheidung, doch liegt die Grenze bei einem Lebensalter von 21 Jahren. Frauen können viermal, Männer sogar sechsmal im Jahr (also innerhalb von zwölf Monaten) Blutspenden. Zwischen zwei Spenden muss ein Abstand von mindestens acht Wochen liegen. Mitbringen sollten die Freiwilligen ihren Unfallhilfe- und Blutspenderpass, bei Erstspendern genügt ein amtlicher Lichtbildausweis.

Die nächsten Termine für eine Blutspende im Altkreis Schönebeck sind:

27. Mai (ein Freitag), 16 bis 19 Uhr im Bürgerhaus Eggersdorf, Tränkestraße

27. Juni (ein Montag), 16 bis 19.30 Uhr im Gemeindesaal Welsleben, Krumme Straße 31.

5. Juli (ein Dienstag), 16 bis 20 Uhr in den Räumen der Kreisvolkshochschule Schönebeck, Tischlerstraße 13a.

27. Juli (ein Mittwoch), 16.30 bis 19.30 Uhr in der Friedrich-Loose-Schule Großmühlingen, Breiter Weg 3.