Musik

Marlene Holzwarth ist die neue Chorleiterin des Schönebecker Shanty-Chores

Marlene Holzwarth ist die erste Frau, die den Männern des Schönebecker Shanty-Chores sagt, wo die Reise musikalisch hingeht – schließlich ist sie die neue Chorleiterin. Sie ist schon nach kurzer Zeit mit vollem Einsatz bei der Sache – genauso wie der Rest des Chores.

Von Paul Schulz
Marlene Holzwarth ist die neue Chorleiterin des Schönebecker Shanty-Chores.
Marlene Holzwarth ist die neue Chorleiterin des Schönebecker Shanty-Chores. Foto: Paul Schulz

Schönebeck - „Bis die alten Herren zum Einsingen aufgestanden sind, hat das immer ein bisschen gedauert. Bei Marlene stehen die förmlich schlagartig auf“, sagt Michael Kalkowski lachend. Der Shanty-Chor steht nämlich nun zum ersten Mal seit seinem Bestehen unter der Leitung einer weiblichen Chorleiterin: der 30-jährigen Marlene Holzwarth.

Seit dem 16. Juli leitet sie die Proben und somit die musikalischen und gesanglichen Geschicke des Shanty-Chores. Damit hat sie Michael Kalkowski abgelöst, der diese Funktion nach dem Tod des ehemaligen Chorleiters Hans-Jürgen Klitta Ende vergangenen Jahres zwischenzeitlich übernommen hatte.

Doch wie sind die studierte Chorleiterin und freiberufliche Konzertsängerin und die „alten Herren“ des Shanty-Chores überhaupt zusammengekommen? „Ich bin im April nach Magdeburg gezogen und habe mich dann im Internet umgesehen, was mich in der Region musikalisch erwartet“, erklärt Marlene Holzwarth. Und auf der Website des Deutschen Chorverbandes wird sie fündig. Dort hat Karl-Heinz Riemer, Vorsitzender des Shanty-Chores, nämlich darauf aufmerksam gemacht, dass die Schönebecker auf der Suche nach einem Chorleiter sind. „Ich habe das gelesen und dachte, das ist doch mal was Anderes. Und auch dass der Shanty-Chor so viele Auftritte absolviert, hat mich beeindruckt und begeistert“, sagt die neue Chorleiterin.

Übungen zur Stimmbildung

Die Leitung von Chören ist für Holzwarth indes nichts Neues. Jedoch sind die Schönebecker der erste Shanty-Chor, den sie anleitet. Und für den Chor ist es das erste Mal, dass eine Frau den Ton angibt. Und die gemeinsame Arbeit läuft bestens. Das merkt man natürlich vor allem bei der Probe. Da macht die Frau den gestandenen Herren schon mal ordentlich Dampf unterm Kessel: Bevor gesungen wird, absolviert Holzwarth mit den Chormitgliedern nämlich erst noch Übungen zur Stimmbildung und zur Atemtechnik. Neben Lockerungsübungen für den Körper werden so auch die Stimmen vorbereitet. Dabei setzt sich Holzwarth schon mal eben auf ein imaginäres Motorrad und gibt brummende Motorengeräusche von sich – und die Männer machen ohne Zögern mit. Kurz darauf hört es sich im Haus Luise, wo der Chor derzeit seine Proben durchführt, an, als würde dort ein Harley-Treffen stattfinden.

Zu Beginn der Probe des Schönebecker Shanty-Chores werden Stimme und Körper gelockert.
Zu Beginn der Probe des Schönebecker Shanty-Chores werden Stimme und Körper gelockert.
Paul Schulz

Auch wenn der Shanty-Chor etwas ganz Neues für die Musikerin ist, so ist sie generell mit der Leitung von Gesangsgruppen schon vertraut. „Schon als Studentin habe ich Chöre geleitet, das macht mir einfach wahnsinnig viel Spaß. Und während des Studiums war es auch eine schöne Art, sich nebenbei was dazuzuverdienen“, sagt sie.

Nach den ersten Proben ist die 30-Jährige auch schon voller Lob für die Chorsänger. „Allein das Repertoire ist schon überwältigend. Die Jungs haben mehr als 160 Lieder drauf.“ Die nächsten Tage und Wochen werde sie unter anderem dafür nutzen, erst mal alle Stücke des Chores kennenzulernen. Wenn das geschafft ist, wolle sie sich auch um Literatur für neue Lieder bemühen.

Solisten mit tollen Stimmen

Doch auch gesanglich ist sie schon sehr zufrieden. „Es sind viele Solisten mit tollen Stimmen dabei – und die wollen das auch gerne zeigen. So macht das richtig Spaß“, freut sich Marlene Holzwarth. Eine weitere Besonderheit des Shanty-Chores sei die Vielzahl der verschiedenen Instrumente. Bei Akkordeon, Mundharmonika, Geige oder Bassgitarre könne man schon fast von einer Chor-Band sprechen, so Holzwarth.

Aber auch Pläne und Ziele hat die neue Chorleiterin schon im Sinn. „Ich sehe noch großes Potenzial in Sachen Mehrstimmigkeit. Aktuell sind wir vor allem noch ein- bis zweistimmig unterwegs, aber da könnte man noch mehr machen.“

Darüber hinaus möchte sie den Chor in den sozialen Medien bekannter machen. „Wir sind schon auf YouTube, das ist klasse, aber da kann man sich noch breiter aufstellen.“ Und der Hintergedanke dabei ist klar: Auch bei jüngeren Menschen soll Interesse für die Musik des Shanty-Chores geweckt werden.

Suche nach neuen Mitgliedern

Damit spricht sie dem Vereinsvorsitzenden Karl-Heinz Riemer aus der Seele. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. Wir haben unsere Proben extra auf 18 Uhr gelegt, damit beispielsweise auch Berufstätige die Chance haben, bei uns mitzumachen“, so Riemer. Jeder Interessierte könne spontan zu den Proben kommen. Diese sind immer montags um 18 Uhr im „Haus Luise“ (Moskauer Straße 23). Im Übrigen eine Win-win-Situation für Chor und die Bewohner des „Haus Luise“, wie Chor-Moderator und Hausherr Frank Schiwek weiß. „Viele unserer Bewohner sind Fans des Chores und hören gerne den Proben zu“, so Schiwek.

Michael Kalkowski ergänzt: „Auch Instrumentalisten sind jederzeit willkommen. Ebenso Technikinteressierte. Denn ich kann versprechen: Unsere Tontechnik macht so manchen Chor etwas neidisch.“

Schon im September dürfte der Shanty-Chor – wenn die Corona-Auflagen es erlauben – mehrere Auftritte absolvieren. Aber man kann sich schon sicher sein, dass die neue Chorleiterin ihre „alten Herren“ darauf bestens vorbereiten wird.