Schönebeck l Wenn man einigen Frauen von der Stadteilwehr Schönebeck fragt, warum sie bei der Feuerwehr sind, unterscheiden sich die Antwort wenig von denen ihrer männlichen Kameraden. „Es ist schön, in der Gemeinschaft etwas zu schaffen“, sagt die 26-jährige Paula Mai und die 23-jährige Pauline Schmidt pflichtet ihr bei: „Die Kameradschaft bei der Feuerwehr ist etwas besonders.“

Die beiden jungen Frauen haben bereits vor über zehn Jahren über Verwandte und Freunde ihren Weg zur Jugendfeuerwehr gefunden. Und beide haben trotz Ausbildung und Beruf schließlich noch den Sprung zu den Aktiven geschafft. Mit den körperlichen Belastungen kommen sie unterschiedlich gut klar. So haben etwa beide die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger erfolgreich absolviert. „Ich lege die Geräte aber nicht mehr an, weil ich im Notfall meine großen Kameraden nicht tragen könnte“, sagt die zierliche Frau. Paula Mai hingegen geht mit Atemschutzgeräten in den Einsatz. „Ich bis sportlich und gehe viel laufen. Das ist für mich kein Problem“, sagt sie.

Unterstützung ist gegenseitig

Einen unterschiedlichen Umgang unter den Kameraden können die beiden nicht feststellen. „Bei der Feuerwehr sind alle gleichberechtigt“, sagt Paula Mai. „Wir unterstützen uns alle gegenseitig und achten aufeinander, egal ob Frau oder Mann.“

Auch Amely Globisch möchte zu den Einsatzkräften. Die 16-Jährige aus Schönebeck ist seit sechs Jahren bei der Jugendwehr dabei und schnuppert nun zum zweiten Mal beim Dienst der Aktiven rein. „Ich möchte meine Ausbildung zum Truppmann machen und dann mit 18 zu den Aktiven wechseln“, sagt Amely Globisch. „Die Jugendwehr hat schon Spaß gemacht, aber bei den Aktiven geht es doch etwas intensiver zu.“ Zumal dann auch noch die Einsätze dazu kommen. Da stört es sie auch nicht, wenn sie beim Dienst am Dienstagabend mit den „Großen“ das Gerätehaus schrubben musste.

Stadtteilwehrleiter Dirk Dietzmann ist mit den Frauen und Mädchen an der Tischlerstraße. „Sie leisten ihren Dienst wie alle anderen auch“, sagt er. Von den rund 50 Aktiven gibt es sieben Frauen, bei den 25 Nachwuchskräften der Jugendwehr sind es ebenfalls sieben. Macht insgesamt rund ein Fünftel weibliche Einsatzkräfte. Grundsätzlich können Frauen bei der Feuerwehr alle Aufgaben übernehmen. So gibt es an der Tischlerstraße etwa eine Verbandleiterin, die große Einsätze leitet. Zumindest bei der Jugendwehr vermutet Dirk Dietzmann, dass die Mädchen die Jungen ein bisschen Anspornen. „Wenn die Mädchen anpacken, wollen die Jungs nicht mehr faul rumsitzen“, sagt der Stadtteilwehrleiter und lacht.

Jeder Kamerad gebraucht

Auch für den kommissarischen Stadtwehrleiter Daniel Schürmann sind Frauen bei der Feuerwehr nichts Besonderes. „Frauen können bei uns alles machen. Bei uns in Felgeleben fährt eine Kameradin auch Löschfahrzeuge“, sagt Schürmann, der auch Ortswehrleiter in Felgeleben ist. In der Ortswehr sind fünf von 30 Aktiven weiblich. Und es könnten gern mehr werden. „Egal ob Frau oder Mann, wir brauchen jeden Kameraden“, sagt Daniel Schürmann.

Auch die Feuerwehrfrauen von der Tischlerstraße könnten sich durchaus vorstellen, dass sie noch mehr weibliche Unterstützung bekommen. „Wenn sich Frauen und Mädchen für die Feuerwehr interessieren, sollten sie ruhig mal vorbeischauen“, sagt Pauline Schmidt. Zu viele dürften es aber vorerst nicht mehr werden. Denn die Umkleiden für die Frauen seien etwas zu klein und von den 17 Spinden seien auch kaum noch welche frei, sagt die Feuerwehrfrau nicht ganz ernst gemeint und lacht.