Tourismus

Nasse Füße in Breitenhagen

Inlandstourismus ist beliebter denn je - auch per Boot oder Kanu. Glücklich jene Orte, die Bootsanleger für Kanufahrer haben. In Breitenhagen wurden sie verkauft.

Von Thomas Schäfer 07.06.2021, 18:25
Sportbootanleger Breitenhagen. Touristen und Ausflügler werden in Zukunft nur noch unter komplizierten Bedingungen anlegen können.
Sportbootanleger Breitenhagen. Touristen und Ausflügler werden in Zukunft nur noch unter komplizierten Bedingungen anlegen können. Archivfoto: Thomas Linßner

Breitenhagen/Barby - „Überall wird vom sanften Tourismus gesprochen - aber in Breitenhagen wird das mit Füßen getreten“, machte sich Hans-Georg Buszkowiak (WG ESW) bei der Hauptausschusssitzung in der vergangenen Woche Luft. „Am Mittwoch vor zwei Wochen habe ich einen Anruf aus dem Ordnungsamt bekommen, dass sämtliche Bootsanleger in Breitenhagen verkauft werden. Ich bin bald in Ohnmacht gefallen. Damit ist das Thema sanfter Tourismus in Breitenhagen ad acta gelegt“, so Breitenhagens Ortsbürgermeister.

„Ich bin total ungehalten“

Der Breitenhagener Ortschaftsrat hätte den Verkauf des großen Schiffsanlegers noch eingesehen, so Buszkowiak. „Aber wenn wir jetzt den Kanuanleger zum Spottpreis verscheuern, dann ist Ende Gelände. Den Anruf habe ich Mittwoch Mittag bekommen, dass die Anleger Donnerstag früh abgeholt werden. So geht das nicht. Ich bin total ungehalten“, entlud sich sein Ärger.

Anleger sollte schon seit 2013 verkauft werden

Barbys Bürgermeister Torsten Reinharz erwiderte, dass es seit 2013 immer mal wieder das Ansinnen gab, dass die Anleger durch die Betreiber des Schiffsrestaurants auf der „Marie Gerda“ gekauft werden sollten. „Letztendlich ist es nicht dazu gekommen“, so Reinharz. „Das Interesse schien dann doch nicht so groß gewesen zu sein.“ Nun gab es einen Interessenten, und die reparaturbedürftigen Anleger wurden verkauft. „Es kommen so viele Kanuten und Boote, die in Breitenhagen halten - egal, ob die Gaststätte offen hat oder nicht. Wir schreiben uns den Tourismus auf die Fahnen und dann wird der Kanuanleger verkauft. Das ist ein Frevel“, so Buszkowiak.

Private Reperatur ist nicht möglich

In Breitenhagen hätte sich jemand bereit erklärt, den Kanuanleger zu reparieren. „Seitens der Verwaltung hieß es, dass der Anleger nicht privat repariert werden darf, da der TÜV abgenommen werden müsste und wir Verantwortung gegenüber dem Wasserstraßenamt hätten und Barby selbst kein Geld hätte, ihn instandzusetzen“, setzte Hans-Georg Buszkowiak fort. „Ich höre lieber auf, sonst rede ich mich in Rage.“

Der Verkauf muss noch einmal besprochen werden

Von Hagen Meiling (WG ESW) gab es Unterstützung für Hans-Georg Buszkowiaks Position. Zum Verkauf des Sportbootsanlegers müsse nochmals im Stadtrat debattiert werden. Für Reparaturen hätte man acht Jahre Zeit gehabt, man hätte Sponsoren finden können und auch das Argument, dass das Rein- und Rausheben der Anleger aus dem Wasser Geld kosten würde, gilt so nicht, da sich dazu die Landwirte vor Ort bereit erklärt hätten. Wer jetzt per Boot nach Breitenhagen kommt, würde ohne den Anleger nasse Füße bekommen. Keine gute Werbung. „Gerade jetzt, wo der Inlandstourismus auch aufgrund der Pandemie steigt, hacken wir uns in Breitenhagen die Füße ab“, so Hagen Meiling.

Es gibt Kommunikationsprobleme

Frank Fabian (CDU) äußerte sein Unverständnis, dass sich nun gegenseitig der schwarze Peter zugeschoben wird. „Wenn das Problem schon länger bekannt war, hätte einfach mal Initiative ergriffen werden müssen - seitens des Ortes, vielleicht auch seitens der Stadt. Das Aufschaukeln der Schuldzuweisungen und die Aggression dahinter kann ich gerade nicht nachvollziehen“, versuchte er zu vermitteln. „Es geht wieder um die Kommunikation“, beteiligte sich auch Dirk Trappe (WG ESW) an der Diskussion. „Es ist eine Kritik, die häufig in den Sitzungen angebracht wird. Einen Tag vorher über den Verkauf zu informieren, ist etwas kurzfristig“, so Trappe. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Gline hat es besser gemacht

Dass es auch anders hätte laufen können, machte Bürgermeister Torsten Reinharz am Beispiel von Glinde fest. „Hier wurde seitens eines Vereins Initiative ergriffen und sich um den dortigen Anleger gekümmert. Da wissen wir einerseits, dass es funktioniert, und andererseits wird der Haushalt entlastet.“ Hans-Georg Buszkowiak ließ den Seitenhieb so stehen. Die Anleger sind verkauft. Wer Breitenhagen per Boot besucht, erreicht das Ufer nur noch nassen Fußes. Der Schwarze Peter dafür wurde mehrfach herumgereicht. Die geäußerte Kritik an der mangelnden Kommunikation seitens der Verwaltung schwebte nicht zum ersten Mal über der Diskussion.