Plötzky l Wer in den vergangenen Wochen von Schönebeck über die B246a nach Plötzky gefahren ist, dem ist das Gelände südlich der Ortschaft sicherlich ungewöhnlich kahl vorgekommen. Und das lag nicht nur an der Jahreszeit. Tatsächlich hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) dort auf einer Fläche von 15 Hektar massiv Bäume abholzen lassen. Grund: Im Falle eines zukünftigen Hochwassers soll das Gelände als Umflutkanal die Wassermassen der Elbe verteilen und damit die Pegelstände niedriger halten. Dadurch können elbabwärts gelegene Gebiete besser vor der Flut geschützt werden. Doch dafür braucht das Wasser eben auch eine möglichst freie Fläche, um besser fließen zu können.

Wie sehr darf der Umflutkanal zuwachsen?

Wie der Landesbetrieb auf Nachfrage der Volksstimme mitteilte, hätten die vergangenen Hochwasser – zuletzt im Jahr 2013 – gezeigt, welche Probleme durch den Baumbewuchs im Überschwemmungsgebiet entstehen können. „Ein vollständiges Versagen der Hochwasserschutzanlagen war dabei nicht auszuschließen“, so Ronald Günther, Flussbereichsleiter für Schönebeck beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz. Nur die vielen Helfer, die damals die Deiche mit Sandsäcken erhöht hatten, konnten damals eine Überschwemmung der dahin- ter liegenden Gebiete verhindern.

Wasser muss abfließen

In einem Rahmenplan für die Gewässerunterhaltung hat der Landesbetrieb nun genau festgelegt, wie sehr der Umflutkanal maximal zuwachsen darf. Zudem wurde festgelegt, dass der Bewuchs einmal im Jahr angepasst werden muss, um das Gebiet freizuhalten. Das Vorgehen sei unter anderem auch mit der Stadt Schönebeck, dem Salzlandkreis und dem benachbarten Landkreis Jerichower Land abgestimmt.

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„Durch die jetzt und künftig durchzuführenden Maßnahmen wird die Funktion des Hochwasserschutzsystems der Elbdeiche bei Magdeburg und Schönebeck mit den Umflutkanaldeichen und dem Pretziener Wehr aufrecht erhalten und wieder hergestellt“, teilte Ronald Günther vom Landesamt für Hochwasserschutz mit. Die Arbeiten dienten damit nicht nur dem Schutz von Magdeburg und Schönebeck, sondern auch den östlich des Umflutkanals liegenden Gemeinden von Gommern über Menz, Gübs, Königsborn, Heyrothsberge , Biederitz und Gerwisch.

Die Abholzungsarbeitungen seien nach Angaben des Landesbetriebes für Hochwasserschutzes dringend notwendig gewesen. Würde der Umflutkanal weiter zuwachsen könnte das Wasser bei der nächsten Flut im schlimmsten Fall nicht mehr abfließen. Das gesamte Hochwasserschutzsystems einschließlich des Pretziener Wehrs könnte dann seine Funktion verlieren.

In der Vergangenheit sei der Umflutkanal nicht konsequent freigehalten worden. „Es funktionierte eben immer noch“, so Ronald Günther. „In der jüngeren Geschichte kamen naturschutzfachliche Beschränkungen durch die Ausweisung von Umflutkanal und Alter Elbe Magdeburg als Flora-Fauna-Habitat hinzu.“ Sprich: Durch die Einrichtung eines EU-Umweltschutzgebietes waren die Möglichkeiten zur Abholzung eingeschränkt. Die Hochwasser seit der Jahrtausendwende hätte allerdings gezeigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Der Schutz vor den Fluten hat daher Vorrang. „Insofern sind die aktuellen Gehölzentnahmen und künftigen Pflegemaßnahmen eine neue Qualität in der Unterhaltung der beiden Gewässerabschnitte“, teilte Roland Günther weiter mit.

So viel wie möglich an Bestand erhalten

Die nun abgeholzten Gebieten wurden anhand von Abflussmodellrechnungen festgelegt. „Dabei bestand das Ziel, soviel wie möglich an Bestand zu erhalten, aber den Abfluss von Umflutkanal und Alter Elbe künftig zu sichern“, so Ronald Günther. Zum Ausgleich sollen an anderer Stelle neue Bäume gepflanzt werden. Allein im Umflutkanal im Umflutkanal selbst sollen zwölf Hektar neu bepflanzt werde, allerdings in einem Gebiet, in dem der Abfluss des Hochwasser dadurch nicht eingeschränkt wird. Unter anderem etwa an der Haberlandbrücke zwischen Elbenau und Plötzky im Strömungsschatten. Dort wurden bereits neue Bäume gepflanzt. Hinzu kommen weitere Bepflanzungen an der Umflutehle und Deichschutzpflanzungen im Herbst diesen Jahres.

Doch auch in anderen Gebieten sollen neue Bäume gepflanzt werden. „Da der vollständige Ausgleich nicht im Umflutkanal erfolgen kann, sind weitere Ausgleichsmaßnahmen im Raum Ringfurth an der Elbe umgesetzt und für dieses Jahr noch im Raum Calbe und Groß Rosenburg eingeplant“, so Roland Günther. Insgesamt seien Ausgleichspflanzungen auf 40 Hektar vorgesehen, was mehr als dem Doppelten der gerodeten Fläche entspricht.