Barby l „Warum keine der betroffenen Orte der Stadt Barby darüber von der Stadt selbst informiert werden, ist leider ein erneutes Beispiel dafür, dass es dort offenbar keinen interessiert, was im südlichen Teil der Einheitsgemeinde passiert“, schreibt die Breitenhagenerin Sandra Knopf an die Lokalredaktion. In der vergangenen Woche hatten sich die Mitglieder des Bauausschusses über das neue Naturschutzgebiet unterhalten. Dabei gab es vor allem sehr viel Kritik und viele Bedenken.

Die Menschen seien durch die Berichterstattung „aus allen Wolken gefallen“, meint Sandra Knopf. Die Auslegung der Pläne für das neue Naturschutzgebiet habe keiner mitbekommen. „Es hätte sich im Zuge dieser Pläne mehr als angeboten, eine Großversammlung ins Leben zu rufen, um die Bürger von Lödderitz, Breitenhagen und Rosenburg zu informieren und über geeignete Maßnahmen zu sprechen. Früher wäre ein Gemeindediener mit der Glocke in der Hand durchs Dorf gezogen und hätte die Meldung verkündet. Denn heute bezieht nicht mehr jeder Haushalt eine Tageszeitung und somit fallen solche Nachrichten oftmals unter den Tisch. Gelebte Demokratie“, bedauert sie.

Kein Hinweis

Außerdem finde sich auf der Internetseite der Stadt Barby kein Hinweis auf die Auslegung der Unterlagen im Rathaus. Nur wer etwas im Netz stöbert, stoße auf der Internetseite der Stadt Aken auf einen Link, teilt sie mit.

Mitten in der Ferienzeit startete das Landesverwaltungsamt die Beteiligung der Öffentlichkeit. Vom 9. August bis zum 10. September lagen die Unterlagen in den Rathäusern der von dem neuen Naturschutzgebiet betroffenen Städte und Gemeinden aus.

Auf der Internetseite des Landesverwaltungsamtes findet sich zudem ein Hinweis auf das Verfahren. Die Unterlagen selbst sind hier allerdings nicht abrufbar. In der Information für die Öffentlichkeit hatte das Landesverwaltungsamt den Eindruck erweckt, dass es bei dem neuen Naturschutzgebiet mit dem Titel „Mittelelbe zwischen Mulde und Saale“ vor allem um die Zusammenfassung bereits bestehender Naturschutzgebiete gehe. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Flächen an der Elbe bei Dessau-Roßlau unter Schutz gestellt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts setzte sich das fort. Der Lödderitzer Forst erhielt dort einen Schutzstatus. Die Menschen in der Region zwischen Saale und Elbe leben seit Jahrzehnten mit der geschützten Natur. Mit der Ausweisung des neuen Naturschutzgebiets soll der Mensch aus den geschützten Flächen weitgehend verbannt werden. Das haben die Stadträte vor allem aus den Planungsunterlagen entnommen. Betroffen sind Waldwege bei Lödderitz, die die Menschen zum Radfahren nutzen. Werden sie künftig zu Kerngebieten des neuen Naturschutzgebietes erklärt, dürfen sie nicht mehr betreten werden, sagte Stadtrat Ingolf Fietz (CDU/FDP). Die Menschen müssten dann wieder auf der vielbefahrenen Landesstraße mit dem Rad fahren. Dort hatte es in der Vergangenheit schwere Unfälle gegeben, erinnerte er. Außerdem sei der Friedhof von Lödderitz nun im Naturschutzgebiet enthalten. Eine Erklärung habe er dazu in den Unterlagen nicht finden können.

Unklar sei zudem, warum die Flächen auf beiden Seiten der Elbe in dem Naturschutzgebiet nicht mehr betreten werden dürfen, auf der Elbe allerdings jede Freizeitaktivität mit lauten und schnellen Booten weiterhin erlaubt sei, fragte Jutta Röseler (SPD/Grüne/RCV).

Sanfter Tourismus?

„Sollte diese Verordnung so in Kraft treten, muss stattdessen alles zum Biosphärenreservat und der schönen Landschaft von der Webseite gestrichen werden - weil man diese dann nicht mehr betreten darf. Sanfter Tourismus sollte hier gelebt werden“, gibt Sandra Knopf aus Breitenhagen zu bedenken.

Als widersprüchlich haben die Barbyer Stadträte die Naturschutzplanungen zur geplanten touristischen Entwicklung der Saalemündung in die Elbe verstanden. Während die eine Behörde des Landesverwaltungsamt den Tourismus in der Region entwickeln wolle, plane eine andere Abteilung die Unterschutzstellung. „Reden die miteinander“, fragte sich Gudrun Tulinski (Wählergemeinschaft Elbe-Saale-Winkel). Für Sandra Knopf aus Breitenhagen steht fest: „Das ist Naturschutz über die Köpfe von Einwohnern hinweg.“

Auf Nachfrage der Volksstimme erklärt die Pressestelle des Landesverwaltungsamtes, dass der Verordnungsentwurf untereinander abgestimmt sei. Auch zum Friedhof in Lödderitz äußert sich die Behörde. „Die weitere Nutzung des Friedhofes kann nach derzeitiger Regelung abgesichert werden“, teilte Sprecherin Denise Vopel mit. Für den alten Försterfriedhof würde dagegen ein Betretungsverbot gelten, da er in der sogenannten Kernzone liegt. Lediglich die Zuwegung sei nutzbar. Auch die bislang als Radwege genutzten Waldwege bei Lödderitz, teilt die Landesbehörde mit, seien nach dem jetzigen Stand der Planungen weiter nutzbar. Die Wege dürften weiterhin von Radfahrern befahren werden, heißt es. Das gelte für das gesamte Naturschutzgebiet, stellt die Behörde klar.