Schönebeck l So viel Kritik hat Boris Krmela selten erlebt. Als das Bauprojekt „Neubau Reederei Süßenbach“ vom 6. Juni bis 14. Juli im Schönebecker Stadtplanungsamt öffentlich auslag, hagelte es Bedenken. Und zwar ausschließlich von privater Seite. Darüber informierte der Mitarbeiter des Dessauer Büros für „Stadtplanung Dr. W. Schwerdt“ am Montagabend im Rathaus während der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates. Während die Träger öffentlicher Belange und die zuständigen Behörden das Vorhaben ohne weitere Vorgaben passieren ließen, zeigten sich Anwohner kritisch. „Es gab eine erhebliche Anzahl an Stellungnahmen. Das hatten wir so nicht erwartet“, sagte Krmela.

So sei Unverständnis darüber geäußert worden, dass die Stadt dieses Grundstück am Elbufer (direkt neben Weltrad) überhaupt veräußert hat und dann für diesen Zweck.

600 Quadratmeter Nutzfläche

Die Reederei Süßenbach will hier ein Wohn- und Geschäftshaus errichten lassen, inklusive Nebenanlagen. Das Erdgeschoss des Gebäudes soll ausschließlich für Reederei-, die erste Etage hingegen für Wohnzwecke genutzt werden, vier Wohneinheiten sollen maximal entstehen. Die gesamte Nutzfläche soll 600 Quadratmeter messen, die Nutzfläche im Haus 450 Quadratmeter.

Bedenken gab es von Bürgern auch dahingehend, dass die Parkplatzsituation vor Ort angespannter als bislang sein werde und dass von der Reederei zusätzliche Lärmemissionen ausgehen würden. Außerdem stünde das Haus (im Vorentwurf) zu weit vorn, also zu nah zur Elbe, es müsste sich vielmehr an der vorhandenen Bebauung ausrichten. Beklagt wurde auch das Fällen von Robinien auf dem vorgesehenen Grundstück im Dezember 2016.

Einen Verhinderungsgrund sieht Boris Krmela in den geäußerten Bedenken zwar nicht, er sagte aber, dass sie erstens zur Kenntnis genommen wurden und das ihnen zweitens zum Teil entsprochen wurde im jetzt vorliegenden Entwurf. So finde sich das Gebäude im Plan weiter zurückgesetzt.

Ausgleichmaßnahme nötig

Der Planentwurf beinhaltet den Hinweis auf die Baumschutzsatzung der Stadt. Deshalb argwöhnte Stadtrat Udo Simon (Die Linke): „Soll die Einarbeitung der Baumschutzsatzung die illegal erfolgte Rodung der Robinien nachträglich legitimieren?“

„Nein“, antwortete Baudezernent Guido Schmidt. Nötig werde hier, also bei Umsetzung des Projektes, ganz klar eine Ausgleichsmaßnahme. „Es ist eine ganz normale Festlegung, dass aufgrund der Eingriffe dort eine Ersatzmaßnahme erfolgen muss.“ Heißt: Der Vorhabenträger wird verpflichtet, neue Bäume auf seinem Grundstück zu pflanzen. Da das dann aber quasi zugepflanzt wäre, müssen andernorts Baumpflanzungen erfolgen.

Die Mitglieder des Bauausschusses stimmten nach der Auseinandersetzung mit dem Bauplan einstimmig für dessen Umsetzung.

Der, wie es im Amtsdeutsch heißt, Entwurf zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan soll nun noch einmal für einen Monat im Stadtplanungsamt ausliegen, zusätzlich erfolge eine Information auf der Hompage der Stadt. Ort und Zeit der Auslage werden im Amtsblatt der Stadt bekannt gemacht, heißt es in der Beschlussvorlage. Gibt es noch einmal Bedenken und Hinweise, sollen sie den Stadträten vorgelegt werden. Der Stadtrat als Gremium entscheidet schließlich über ja oder nein zum Bauprojekt.