Schönebeck l Manche Ideen brauchen einfach etwas länger zum Reifen. Bereits 2009 kam der damalige Präsident des Schönebecker Sportclubs (SSC), Frank Wedekind, mit dem Vorschlag, die bereits damals leerstehende ehemalige Sporthalle der abgerissenen Bruno-H.-Bürgel-Schule in eine Kaltreithalle zu verwandeln. Denn die Reitsportler der SSC-Abteilung verfügten zwar über einen Reitplatz - doch in der kalten Jahreszeit kann der nur eingeschränkt oder gar nicht genutzt werden.

Die Idee fand 2009 noch nicht das Wohlgefallen der Stadt. Wedekind erinnert sich, dass sowohl der damalige Oberbürgermeister als auch die damalige Chefin des Soleparks nicht mit dem Ansinnen konform gehen wollten. So vergingen zwar nicht zehn, aber doch sieben kalte Winter - und die Halle stand (und steht) nach wie vor leer und ungenutzt herum. Jetzt hat der Stadtrat mehrheitlich entschieden: Wir machen das das doch. Die Reitsportler des Union 1861 (inzwischen sind SSC und SSV zu einem gemeinsamen Verein fusioniert) können das früher für den Schulsport genutzte Gebäude künftig als Reithalle nutzen. Die Stadt Schönebeck setzte eine Rückkaufvereinbarung auf, wie Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) auf Nachfrage der Volksstimme erläutert. Sollte der Sportverein die Halle irgendwann nicht mehr nutzen wollen, werde die Stadt sie für den selben Preis zurückkaufen. Die Höhe des Kaufpreises wird übrigens nicht genannt. Nach Volksstimme-Informationen liegt der Wert der Halle bei etwa 8000 Euro. Nun liegt es beim Union 1861, einen Bauantrag zu stellen, um die Halle entsprechend herzurichten.

Verzwickte Sache

Insgesamt ist die Immobiliensache ein bisschen verzwickt. Eigentlich hätte eine solche Halle an diesem Standort, nämlich im Kurparkbereich, nie gebaut werden dürfen, weil sie nicht in den Kurpark, der als Ensemble unter Denkmalschutz steht, passt. Wohnungsbauunternehmen der Stadt Schönebeck interessierten sich durchaus für den Standort und hätten auch die Abrisskosten übernommen. Gerne hätten sie hier ein Wohngebäude errichten lassen, doch Kurpark soll Kurpark sein. Bereits bestehende Wohngebäude wie das nebenstehende Haus, eine ehemalige Kindertagesstätte, haben wiederum Bestandschutz. Alles in allem: verzwickt halt.

Frank Wedekind ist indes zufrieden. Na ja - fast... Die Kaufsumme muss der Verein auch erst einmal aufbringen. Ist das gelungen, müssen Umbauarbeiten erfolgen. Eine Menge Sand muss her, um den Betonfußboden der Halle ausreichend aufzufüllen, 20 Zentimeter Höhe mindestens. Dann müssen Zugänge geschaffen werden, zudem eine Beplankung, eine Beleuchtung. Wedekind hofft hier auf Sponsoren, die ein Herz für Pferd und Reiter haben. Apropos Pferde: Zwei Tiere musste Union 1861 jüngst abgeben, weil sie das lange Stall-Leben im Winter nicht gut verkraftet haben. Mit der Kaltreithalle soll wieder ein neues Tier angeschafft werden, gegenwärtig stehen der Abteilung fünf Pferde zur Verfügung. Vor allem Kinder nutzen das sportliche Angebot. Bis Ende des Jahres soll die Halle „reitfertig“ sein.