Schönebeck/Staßfurt l Einen neuen Chef haben die Regionalbereichsbeamten (RBB) im Salzlandkreis. Jens Galetzka hat diese Aufgabe von seinem Vorgänger Dirk Kost übernommen, der in den Ruhestand ging. Der Kriminalrat ist damit nach 14 Jahren als leitender Sachbearbeiter im Landesinnenministerium zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, nämlich zur Polizeiarbeit. Der 46-Jährige kümmert sich jedoch nicht nur um die RBB. Auch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Präventionsarbeit und die Aus- und Fortbildung der Kollegen liegen als abzuarbeitende Aufgaben bei ihm auf dem Schreibtisch. Galetzka gehört in seiner Funktion als Leiter Zentrale Aufgaben neben dem Revierleiter, dem Leiter Kriminalpolizei und der Leiterin Schutzpolizei zur Führungsriege des Polizeireviers Salzlandkreis mit Sitz in Bernburg.

Straftaten sind rückläufig

Im Gespräch mit der Volksstimme betont er, dass ihm die Arbeit mit den Regionalbereichsbeamten besonders am Herzen liegt. Dazu muss gesagt werden, dass in Sachsen-Anhalt und somit auch im Salzlandkreis jeder Stadt, jeder Einheits- beziehungsweise jeder Verbandsgemeinde zwei RBB, größere Städte wie Bernburg und Schönebeck drei RBB zugeordnet sind. Über den Daumen gerechnet kommt auf 10.000 Einwohner ein Regionalbereichsbeamter. Die Idee, einige Polizeibeamte intensiver in der Gesellschaft zu verankern, ist 2014 umgesetzt worden. Eine Struktur, die sich bewährt hat, ist sich Galetzka sicher. Und nicht nur er. Auch Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Straftaten im Lande auch dank der Arbeit der RBB rückläufig sind, nämlich weil sie Präventionsarbeit leisten. Die Beamten klären zum Beispiel in Einrichtungen sozialer Träger wie der Volkssolidarität oder der Arbeiterwohlfahrt darüber auf, was unbescholtene Bürger auf jeden Fall vermeiden sollten. Als da wäre? „Keine Taschen, Rucksäcke oder Handys im Auto oder im Fahrradkorb liegen lassen“, nennt Galetzka Beispiele. Was sich offenbar auch schon rentiert hat, sind die allgemeinen Infos der RBB zur Sicherung von Wohnungen. Knapp die Hälfte der Einbrüche bleibt laut Statistik im Versuch stecken. Die Ganoven müssen aufgeben, weil die Fenster und Türen gut gesichert sind.

Zeit selbst einteilen

Zu den Aufgaben eines Regionalbereichsbeamten gehören zudem die Aufnahme von Anzeigen und Verkehrsunfällen sowie die Vollstreckung von Haftbefehlen. So werde der Einsatzdienst unterstützt. „Der Vorteil für die RBB ist, dass sie ihr eigener Herr sind. Das ist bei der Schutzpolizei nicht so. Regionalbereichsbeamte können ihre Termine selbst vereinbaren, können ihre eigenen Schwerpunkte setzen um zum Beispiel Fahrradprüfungen an Schulen durchzuführen“, erläutert Galetzka. „In der Zeit von 6 bis 21 Uhr können sie sich alles selbst einteilen. Was darüber hinaus geht, muss vom Revierleiter oder von mir bestätigt werden.“ Und das kommt durchaus vor, schließlich gehen viele Veranstaltungen wie Heimat- oder Schützenfeste länger als 21 Uhr. Manchmal bitten Mitarbeiter von Ordnungsämtern auch spät abends um eine Begleitung beim Streife gehen. Weiterhin ist es zumeist nach 21 Uhr, wenn es gilt, den Jugendschutz in Kneipen und Gaststätten zu kontrollieren.

Bei Verwaltungen und beim Bürger sind die RBB hoch angesehen. Das geht auch aus vielen Meinungsäußerungen gegenüber der Volksstimme hervor. Auch Galetzka bestätigt: „Bürgermeister und Mitarbeiter der Ordnungsämter loben die RBB in den höchsten Tönen für die gute Zusammenarbeit mit ihnen. Sie machen ihre Arbeit oft über das geforderte Maß hinaus.“ Doch wie ist es mit dem Renommé innerhalb der Polizei bestellt? Galetzka äußert sich diplomatisch: „Alle haben denselben Stellenwert.“ Natürlich sagt er, versuche jeder Bereich, der beste zu sein. „Auf jeden Fall wollen viele Kollegen Regionalbereichsbeamte werden“, versichert der Kriminalrat. Dass seit 2014 kein RBB befördert worden ist, hänge schlicht und einfach mit der definierten Struktur im Polizeibereich zusammen. Das sei allerdings eine Frage, die das Revier in Bernburg nicht lösen könne, das sei ein landesweites Problem.

Der gute und der böse Polizist

Übrigens: Allen Bürgern rät der 46-Jährige, im Notfall die 110 zu rufen. „Diese Anrufe landen im Lage- und Führungszentrum in Magdeburg, die haben dort auch die Übersicht, wo sich welcher Funkwagen gerade befindet. Es ist von uns jedenfalls noch niemand kritisiert worden, weil er in einem Notfall die 110 gewählt hat.“

Jens Galetzka ist gebürtiger Bernburger. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Als Kind war er Verkehrshelfer und ein ABV, also ein Abschnittsbevollmächtigter (eine Art Vorläufer der RBB) leitete diese Helfer an. „Damals hatte ich den Wunsch, später einmal Polizist zu werden. Diesen Wunsch habe ich dann aber wieder aus den Augen verloren“, sagt Galetzka. Stattdessen erlernte er einen landwirtschaftlichen Beruf und zwar in der Tierzucht. Doch mit der Wende gerieten in Ostdeutschland viele Branchen ins Trudeln. Auch die Landwirtschaft. Bei der Frage „was nun“, erinnerte sich Galetzka an seinen Kindheitswunsch. Im Jahr 1991 gehörte er zum ersten Grundausbildungslehrgang an der Landespolizeischule Aschersleben, der heutigen Fachhochschule Polizei.

Ist Polizist ein Traumberuf, der Jugendlichen empfohlen werden kann? Jens Galetzka wägt ab: „Mal sind wir der gute Polizist, wenn wir behilflich sein können. Mal der böse, wenn wir Verkehrssünder anhalten. Wie schnell eine Lage umschlagen kann, haben wir jetzt in Magdeburg gesehen. Erst große Freude über den Aufstieg des 1. FCM – dann plötzlich die Ausschreitungen. Es ist auf jeden Fall ein abwechslungsreicher Beruf.“