Parkinson: Gruppe Schönebeck

Parkinson-Kranke leiden unter Corona

Von Andre Schneider

Schönebeck. Wenn Hella Richter in ihrem kleinen Büro sitzt, wirkt sie traurig. Schon seit Monaten hat sie die Mitglieder ihrer Parkinson-Regionalgruppe nicht mehr gesehen. Sie wünscht sich zum Welt-Parkinsontag am Sonntag, 11. April 2021 mehr Beachtung für die schwere Krankheit.

Auf den ersten Blick wirkt der kleine Raum nicht besonders spektakulär: ein Schreibtisch, ein Bildschirm, ein Schrank und ein paar Bilder. Aber das Büro im Wohnhaus von Hella Richter ist die „Schaltzentrale“ für die Parkinson-Regionalgruppe in Schönebeck. Sie ist wichtig für Betroffene.

Corona-Pandemie beeinträchtigt Parkinson-Gruppe

Das beschreibt Hella Richter eindrücklich: „Wir leiden darunter, dass wir alleine sind.“ Die 43 Mitglieder der Gruppe befinden sich in der zweiten Lebenshälfte. Viele von ihnen sind allein. Die Corona-Pandemie hat das überaus aktive Gruppenleben weitestgehend lahm gelegt. Sportveranstaltungen, Spielenachmittag – das alles ist aktuell nicht möglich. „Traurig“, wie Richter findet. Die Leitung der Regionalgruppe ist für sie zu einer wertvollen Aufgabe, zu einem Stückchen Lebensinhalt geworden.

Sie spricht für die Erkrankten – sie selbst leidet seit 1994 an Parkinson – aus, was ihnen auf der Seele liegt: „Es tut schon sehr weh, zumal wir Betroffenen uns die Krankheit nicht ausgesucht haben. Es hat sich gezeigt, dass die, die sich zu ihrer Krankheit bekennen, besser mit der Belastung fertig werden.“ Damit meint sie die Begegnung, den Austausch und „Betätigungen zu suchen, die den vorhandenen Fähigkeiten angepasst sind.“ Das hilft, sich aus der Isolation zu lösen und der Lebensmut wird gestärkt, sagt die Regionalgruppenleiterin.

Deutsche Parkinsonvereinigung: Kranke leiden

Wie wichtig es für die Betroffenen wäre, endlich wieder zur Normalität zurückzukehren, verdeutlich auch Friedrich-Wilhelm Mehrhoff. Zu den Risikopatienten in Bezug auf eine Coronainfketion zählten viele der rund 450?000 Parkinson-Erkrankten in Deutschland, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Parkinsonvereinigung (DPV), der Mehrhoff vorsteht. So liege der Altersschnitt der DPV-Mitglieder bei 73 Jahren, die allermeisten wiesen weitere Erkrankungen auf, viele seien darüber hinaus bereits pflegebedürftig. Gerade diese Menschen litten besonders unter den aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens: „Wenn die gewohnten Gruppentreffen, die Krankengymnastik und die Logopädie nicht stattfinden, wenn Helfer ausfallen und jeder Gang nach draußen mit einem Infektionsrisiko verbunden ist, können viele dieser mehrfach eingeschränkten Menschen ihren ohnehin schwierigen Alltag kaum noch bewältigen“, so Mehrhoff.

Das kann Hella Richter nur bestätigen. Ihr seien, wie sie selbst sagt, einfach „die Hände gebunden“. Sie hält so gut es eben geht Kontakt zu ihren Mitgliedern. Das funktioniert zurzeit aber nur per Telefon. Zu besonderen Anlässen, wie dem zurückliegenden Osterfest, versendet Richter auch per Post Grüße.

Doch das alles ersetzt die Treffen der Gruppen nicht. Ihren Optimismus hat Hella Richter aber noch lange nicht verloren. Die Gruppe gibt ihr auch Halt. „Jeder ist für den anderen da. Das ist heutzutage selten geworden“, sagt sie, während sie in ihrem kleinen Büro sitzt. Das zumindest stimmt sie positiv.