Schönebeck l Die Kalkulation sei auf neue Füße gestellt worden. Im Baukasten-System. So könne das Paket zusammengestellt werden, das wirklich gebraucht und genutzt werde, erklärt Finanz-Dezernentin Ina-Babette Barann im Gremium Finanzen, als es um die neue Entgeltordnung für die Nutzung der Freilichtbühne Bierer Berg geht. Grund für die Überarbeitung sei die Haushaltskonsolidierung und der erhöhte Arbeitsaufwand bezüglich der Vermietung, heißt es in der Begründung zur Beschlussvorlage.

Bis dato wird allgemein nach Veranstaltungstagen abgerechnet: Die Freilichtbühne mit Orchestergraben mit 720 Besucherplätzen und fünf Rollstuhlplätzen kostet bei einer Ein-Tages-Veranstaltung 100 Euro sowie bei einer Mehr-Tages-Veranstaltung pro Veranstaltung 100 Euro. Für die Nutzung der zwei Garderobenräume und zwei sanitären Anlagen sind pro Tag 2,10 Euro dazugekommen. Auf- und Abbauzeiten, Vor- und Nachbereitungszeiten sind nicht entgeltpflichtig.

Neue Satzung

Das soll sich nun ändern, so der Vorschlag der Verwaltung: Die neue Satzung sieht für die Nutzung der Freilichtbühne pro Tag ein Entgelt von 6,67 Euro vor. Werden die zwei Garderobenräume inklusive der zwei sanitären Anlagen sowie der Schulungsraum mit genutzt, kommen 2,65 Euro pro Tag dazu. Der Stundensatz eines Verwaltungsmitarbeiters wird mit 34,32 Euro festgelegt.

Bislang erfolgt die Reinigung durch den Nutzer. Das soll dann immer nach der Wintersaison durch die Stadt passieren. Für die Grundreinigung von Bühne und Garderobenhaus sowie des Umfeldes sowie der Räume inklusive Sanitärbereich rechnet die Verwaltung mit Kosten von etwa 800 Euro für den städtischen Bauhof.

Finanzielle Auswirkung

Stadtrat Roland Claus (Die Linke) fragt an, ob die neue Satzung finanzielle Auswirkungen für den Schönebecker Operettensommer (SOS) haben wird. Das bejaht Dezernentin Ina-Babette Barann. Jetzt seien es 700 Euro, dann werden es 1800 Euro mehr sein. Insgesamt wird die Kammerphilharmonie dann um die 2500 Euro pro SOS-Saison an die Stadt zahlen müssen.

Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) sieht den alles andere als erfreuten Gesichtsausdruck von Roland Claus und merkt deshalb an, dass Schönebeck gut eine Million Euro mehr an den Gesellschafter zahlen müsse. Damit spielt er auf den Salzlandkreis und die Kreisumlage an. Da der Kreishaushalt vom Land beanstandet worden ist, gilt weiterhin der Hebesatz von 2018. Die Stadt plant in diesem Jahr mit einer Umlage von 15,4 Millionen Euro. „Dem gegenüber stehen die Mehrkosten, die auf das Orchester durch unsere Satzungsänderung zukommen würden, in keinem Verhältnis“, findet das Stadtoberhaupt. Zumal die Kommunalaufsicht als genehmigende Behörde auch auf die Satzungsänderung als Konsolidierungsmaßnahme hingewiesen habe. Eine gewisse Förderung passiere ja auch über die Kulturförderrichtlinie der Stadt, so Bert Knoblauch.

Keine Zuschüsse mehr

„Es entsteht über die vergangenen Jahre der Eindruck, wir konsolidieren uns an der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie“, merkt Stadtrat Steffen Behm (SPD) an. Seit 2019 zahlt die Stadt den jährlichen 80.000-Euro-Zuschuss nicht mehr. Nun soll das Entgelt für die Freilichtbühne, auf der einen Monat lang der SOS gespielt wird, erhöht werden.

„Wenig Gewinn – viel Negativ-Image, Herr Oberbürgermeister“, befindet Roland Claus. Er könne ihn verstehen, räumt der Stadtchef ein. Umgekehrt seien zum Beispiel die Sportstätten eine Konsolidierungsmaßnahme des Kreises. Die Entgelte für die kreislichen Einrichtungen würden nach der Änderung höher als die der städtischen liegen. Deshalb seien die Stadt-Sportstätten viel mehr frequentiert. „Anders herum wird auf das Image seitens des Kreises keine Rücksicht genommen“, ärgert sich Bert Knoblauch und sagt, dass die Rücksicht nicht immer nur einseitig sein könne. Die Satzungsänderung sei nur ein Vorschlag der Verwaltung, der Stadtrat – am 7. Februar ab 17 Uhr im Dr.-Tolberg-Saal – könne auch anders entscheiden.

Vierstelliger Betrag

Nach wie vor stehe die Stadt im Rahmen ihrer derzeitigen Möglichkeiten zur Spielstätte auf dem Bierer Berg. Ein vierstelliger Betrag komme gut und gerne zusammen – über Zuschüsse aus der Kulturförderrichtlinie, Unterstützung durch die Stadttochter Stadtwerke und dem Vorhalten der Wiese als Parkmöglichkeit. „Wir ziehen uns als Stadt nicht zurück, auch wenn wir aufgrund der angespannten Haushaltslage nicht mehr den 80.000-Euro-Zuschuss zahlen können“, so das Stadtoberhaupt.

Er stehe aber mit Anita Bader, Geschäftsführerin der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, in Kontakt und wisse daher, dass die derzeitige Finanzierung gesichert sei. Man werde im Gespräch bleiben. Die Mitglieder des Gremiums Finanzen empfahlen dem Stadtrat mit drei Ja- und zwei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung, der neuen Entgeltordnung zuzustimmen.