Schönebeck l Nach der Bombendrohung im Schönebecker Jobcenter am Dienstag arbeiten jetzt Experten vom Kompetenzzentrum Cyberkriminalität des LKA Magdeburg an dem Fall.

„Die Abteilung ist auf schwere Internetkriminalität spezialisiert“, sagt Polizeisprecher Marco Kopitz auf Anfrage der Volksstimme. Auch im Polizeirevier Bernburg werden Fälle zur Internetkriminalität behandelt. Allerdings eher, wenn es um Dinge wie Betrug auf privaten Online-Verkaufsplattformen gehe. Sobald es sich aber um schwerere Straftaten wie Drogenhandel, Kinderpornografie und/oder Dinge, die sich im Darknet abspielen (ein verschlüsselter Teil des Internets, in dem sich Straftäter schwerer identifizieren lassen) handelt, kümmert sich die Spezialabteilung aus Magdeburg darum.

Massive Drohung

Bei der Bombendrohung im Schönebecker Jobcenter handelt es sich um solch einen Fall. Denn der Absender verstößt gegen Paragraph 126 des Strafgesetzbuches (StGB): Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Den Täter erwartet laut StGB eine Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

In Schönebeck kam am vergangenen Dienstag um 9.38 Uhr per E-Mail die anonyme Bombendrohung. Laut Jobcenter-Chef Thomas Holz sei die darin enthaltene Drohung „recht massiv und deutlich“ beschrieben worden.

20 Einsatzkräfte vor Ort

Das Jobcenter-Gebäude wurde daraufhin sofort evakuiert. Zu dem Zeitpunkt waren etwa 80 Personen – Angestellte sowie Kunden – vor Ort. Etwa 20 Einsatzkräfte der Polizei durchsuchten das Gebäude, auch Sprengstoffsuchhunde kamen laut Marco Kopitz zum Einsatz.

Und mit vor Ort waren eben auch Mitarbeiter des Kompetenzzentrums für Cyberkriminalität. „Das war nötig, um zu schauen, ob die E-Mail das System angegriffen hat“, beschreibt LKA-Sprecher Andreas von Koß. Ein weiterer wichtiger Grund: Die für die Ermittlungen nötigen Daten von den Rechnern der Jobcenter-Mitarbeiter haben die Spezialkräfte auf die mitgebrachten Polizei-Laptops gezogen. Für die aufwendigen Ermittlungen reiche es nicht, die E-Mail einfach weiterzuleiten.

Stunden später Entwarnung

Doch wie wahrscheinlich ist es, dass der anonyme Absender gefunden wird? Dabei komme es ganz drauf an, wie gut sich die Person auskennt. „Wird zum Beispiel ein Tor-Browser (der häufigste Zugang ins Darknet) verwendet, kann es unter Umständen schwierig werden, Ansatzpunkte zu finden“, so von Koß. Doch auch das gelinge der Abteilung für Cyberkriminalität durchaus in vielen Fällen. Nämlich unter anderem dann, wenn selbst einem erfahrenen Täter Fehler passieren. „Genau das prüft die Abteilung jetzt: ob der Täter digitale Spuren hinterlassen hat“, so von Koß.

Erst Stunden später gab es in Schönebeck Entwarnung: Es wurde keine Bombe gefunden.

Drohungen häufig

Bombendrohungen kommen in Jobcentern bundesweit immer wieder vor, genauso wie die direkte Beleidigung und Bedrohung von Mitarbeitern – etwa durch unzufriedene Kunden – bestätigt Marco Kopitz auf Anfrage der Volksstimme.

In Schönebeck sei eine solche Drohung für die Mitarbeiter eine außergewöhnliche Situation gewesen, so Thomas Holz. Schon seit vergangenem Mittwoch biete das Jobcenter jedoch seine Dienste wieder wie gewohnt an. Für die Mitarbeiter gebe es jedoch eine interne Nachbereitung über Gespräche, so Holz.