Das ist „Magdalena“

„Magdalena“ ist das Beratungsangebot der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für Sexarbeiter.

Die Sozialarbeiter der Awo stehen den Menschen aus dem sexuellen Dienstleistungsgewerbe zur Seite, beraten zu Sozial-leistungen, Anmeldeverfahren und Krankenversicherung und helfen beim Ausstieg, der beruflichen Neuorien- tierung und in Krisensituationen.

So erreichen Sexarbeiter das Team von „Magdalena“:

Kontakt:

Telefon: 0391 99977 860

Mobiles Telefon: 0176 16279072

oder 0176 16279073

E-Mail: magdalena@awo-sachsenanhalt.de

Schönebeck/Staßfurt. Das älteste Gewerbe der Welt, die Prostitution, ist auch heutzutage noch ein Tabu-Thema. In der Gesellschaft werden Probleme und Risiken der Sexarbeiter kaum thematisiert. Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen aus dem erotischen Dienstleistungsgewerbe an eine Stelle wenden können, wo sie unabhängige Beratung finden.

Diese Möglichkeit gibt es jetzt auch im Salzlandkreis. „Magdalena“ heißt das anonyme Beratungsangebot der Arbeiterwohlfahrt (Awo), welches es bis vor rund zwei Monaten nur in Magdeburg gab. Mit einem Zuwendungsbescheid des Landes hat die Awo das Angebot nun aber auch auf den Salzlandkreis und die Landkreise Harz, Börde, Jerichower Land, Stendal, und den Altmarkkreis-Salzwedel ausweiten können.

Hilfe beim Ausstieg

Doch was genau umfasst dieses Beratungsangebot? Cathleen Paech, Pressesprecherin der Awo Sachsen-Anhalt, erklärt: „Die zwei Sozialarbeiterinnen beraten und informieren zu Anmeldeverfahren nach dem Prostituiertenschutzgesetz, zu Krankenversicherung, Sozialleistungen sowie Aufenthaltsbestimmungen. Die Sozialarbeiterinnen begleiten und unterstützen beim Ausstieg, bei beruflicher Neuorientierung, bei Behördengängen und bei persönlichen Krisen.“

Doch vor der Beratung steht die Recherche. So informieren sich die Awo-Mitarbeiter über die Milieus und die Anmeldestrukturen in den neu hinzugekommenen Landkreisen. „Die Recherche wird kontinuierlich fortgeführt. Angebote an sexuellen Dienstleistungen als auch Anmeldestrukturen werden fortlaufend aktualisiert. Die Rechercheergebnisse bilden die Grundlage für die aufsuchende Arbeit in den Landkreisen“, teilt Cathleen Paech mit.

Vielfältige Milieus

Eines der Rechercheergebnisse: Die Milieus sind vielfältig. Neben Bordellen, Laufhäusern, Lovemobilen und Angeboten auf Parkplätzen ist vor allem die Wohnungsprostitution verbreitet. Darüber hinaus stammen die Sexarbeiter meist aus dem Süden und Osten Europas, also aus Ländern wie Ungarn, Polen oder Rumänien.

Die Beratung selbst findet zum Großteil vor Ort statt, sagt Paech. Das bedeutet, dass die Sozialarbeiterinnen die Sexarbeiter aufsuchen und sich und ihre Arbeit vorstellen. Bei Bedarf, können Gespräche geführt oder Termine vereinbart werden. Zudem können sich Sexarbeiter auch bei „Magdalena“ melden, um Beratungen in Anspruch zu nehmen. Das geht via Mail, Telefon oder über die Website magdalena.awo-sachsenanhalt.de.

Keine konkreten Zahlen

Wie viele Sexarbeiter in der Region tätig sind, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Laut Detlef Thiel, Pressesprecher vom Ministerium für Justiz und Gleichstellung, waren im ersten Quartal 2019 in Sachsen-Anhalt 72 Sexarbeiter gemeldet. Im Salzlandkreis verzeichnet das Landesverwaltungsamt, von dem die Zahlen stammen, drei angemeldete Personen. Zudem teilt Thiel mit: „Die Zahlen wurden damals dem Landesverwaltungsamt auf Anfrage übermittelt, das heißt die konkreten aktuellen Zahlen liegen stets den Landkreisen und kreisfreien Städten vor. Eine automatisierte Zusammenstellung gibt es demnach auch beim Landesverwaltungsamt nicht.“

Kreissprecherin Marianne Bothe teilt auf Nachfrage jedoch mit: „Dem Salzlandkreis liegen keine Erkenntnisse über die Anzahl der hier tätigen Personen vor. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass zwar eine grundsätzliche Anmeldepflicht besteht, die Anmeldungen nach Prostitutionsschutzgesetz aber örtlich unbeschränkt, das heißt deutschlandweit, gültig sind. Eine gesonderte Meldepflicht am Ort der Tätigkeit gibt es nicht.“

Gebührenhöhe variiert deutschlandweit

Zudem würden die Anmeldungen in den Bundesländern erfolgen, die keine oder nur geringe Gebühren für eine Anmeldung erheben, so Bothe weiter. In Sachsen-Anhalt liegt die Anmeldegebühr zwischen zehn und 50 Euro. Innerhalb dieses Rahmens können die Landkreise und kreisfreie Städte selbst die Höhe festlegen. Kreissprecherin Marianne Bothe sagt dazu: „Je nach Verwaltungsaufwand wird der Betrag festgelegt. Erfahrungswerte, welche Gebühr angemessen ist, haben wir bislang nicht.“

Überdies stehen die Anmeldekosten auch in der Kritik. Berufsverbände von Sexarbeitern argumentieren, dass diese Gebühr dazu beitrage, Sexarbeiter in die Illegalität zu drängen, weil sie sich nicht anmelden und auch noch dafür bezahlen wollen.

830 Beratungen in Magdeburg

Auch die Awo kann keine konkrete Zahl liefern, wie viele Prostituierte im Salzlandkreis tätig sind. Um halbwegs eine Dimension darstellen zu können teilt Cathleen Paech mit: „Seit Aufnahme der Beratungstätigkeit von Magdalena im Spätsommer 2016 gab es rund 830 Beratungen in Magdeburg und Umgebung.“ Dazu, wie viele Beratungen innerhalb der zwei Monate im Salzlandkreis durchgeführt worden sind, liegen noch keine Zahlen vor, so Paech.

Die Polizei im Salzlandkreis muss sich laut Polizeisprecher Marco Kopitz „nicht tiefgreifend" mit dem Thema Prostitution beschäftigen. „Zwangsprostitution beziehungsweise Menschenhandel wurden hier in den letzten Jahren nicht oder sehr selten zur Anzeige gebracht. Die Sachbearbeitung im Zusammenhang mit Menschenhandel und damit verbundener Zwangsprostitution liegt regelmäßig in der Zuständigkeit der Fachkommissariate der Polizeiinspektionen", teilt Kopitz mit.

Örtliche Polizei kaum involviert

Aus diesem Grund würden auch Durchsuchungsmaßnahmen und ähnliches in deren Aufgabenbereich fallen und die örtliche Polizei nur selten tangieren. Und auch Beschwerden über Bordelle und ähnliche Anliegen sind laut Kopitz nicht bei der Polizei eingegangen.

Zudem bestätigt der Polizeisprecher die Rechercheergebnisse der Awo-Sozialarbeiter, was den Hintergrund der meisten Prostituierten angeht. Demnach würden die meisten Sexarbeiter aus Süd- und Osteuropa kommen. „Ergänzend kann nur angemerkt werden, dass gerade im Bereich der Prostitution ausländische Bürgerinnen aus der Europäischen Union dieser Arbeit nachgehen. Eventuelle Verstöße ergeben sich dadurch in einigen Fällen wegen Verstößen gegen Ausreise- und Aufenthaltspflichten, welche in gesonderten Verfahren verfolgt werden", informiert Marco Kopitz. Ein statistische Aufstellung sei dazu jedoch nicht möglich.