Geschichte

Radsportmuseum „Course de la Paix“: Ein Vermächtnis mit Geschichte

Das Friedensfahrtmuseum bekommt zwei neue Exponate aus den 1950er Jahren.

Von Jan Dahms
Fabian Rehfeld übergibt Diamant-Rennrad seines verstorbenen Vaters Peter Müller an den Leiter des Friedensfahrt-Radsportmuseum  Kleinmühlingen.
Fabian Rehfeld übergibt Diamant-Rennrad seines verstorbenen Vaters Peter Müller an den Leiter des Friedensfahrt-Radsportmuseum Kleinmühlingen. Foto: Friedensfahrtmuseum

Kleinmühlingen - Das Radsportmuseum „Course de la Paix“ – besser bekannt als Friedensfahrtmuseum in Kleinmühlingen, hat am dem vergangenem Wochenende (25.07.2021) zwei neue Exponate bekommen. Diese haben wahrscheinlich keinen hohen materiellen Wert, dafür aber einen umso höheren emotionalen Wert. Letzten Sonntag wurde dem Museumsleiter Horst Schäfer ein grünes Rennrad aus der DDR-Fabrikation Elite-Diamant übergeben. Das Fahrrad aus den 1950er Jahren gehörte Peter Müller, einem Amateur-Rennradsportler aus der Nähe von Potsdam.

Wunsch des Vaters erfüllt

„Sein Wunsch war es, dass sein Rennrad nach seinem Tod hier im Museum zwischen all den Trophäen der Friedensfahrt steht“, erklärt Schäfer. Der Besitzer des Fahrrads ist zu Lebzeiten großer Fan der Internationalen Friedensfahrt, einem bedeutenden Amateur-Radrennen zu DDR-Zeiten. Zwei Jahre nach dem Ableben von Peter Müller übergab nun sein Sohn Fabian Rehfeld das Diamant-Rennrad dem Kleinmühlingener Friedensfahrtmuseum. „Er hat einen brennenden Wunsch seines Vaters erfüllt“, so Horst Schäfer.

Rennrad von Elite-Diamant

Um die Bedeutung des Fahrrads vom DDR-Hersteller Elite-Diamant und der Friedensfahrt zu erfassen, muss man einen Blick zurück in die Vergangenheit werfen. Ab 1952 baute der VEB Fahrradwerke Elite Diamant in Karl-Marx-Stadt Rennräder. Sie waren damals begehrt, weil viele Radsportler die Räder dieses Fabrikats fuhren. „Solch ein Rennrad war der Traum der jungen Männer“, weiß Museumsleiter Horst Schäfer. „Das hat man sich mühsam angespart.“ Wenn man das Geld für die Anschaffung zusammengekratzt hatte, musste man teilweise noch lange auf sein Diamant-Rad warten, so Schäfer. Bis 1961, also so lange es möglich gewesen sei, hätten einige Rennradbesitzer West-Berlin besucht, um sich beispielsweise Sattel und andere Teile in einer besseren Qualität zu besorgen, erinnert sich der Museumsleiter.

Sportliches Idol: Gustaf Adolf Schur

Spätestens ab 1955 wollten einige ihrem sportlichen Idol Gustaf Adolf Schur nacheifern. Der gewann in dem Jahr als erster DDR-Bürger die Internationale Friedensfahrt. „Dieser sportliche Erfolge hat viele Stolz gemacht“, erzählt der Museumsleiter. In dieser Zeit, müsste auch Peter Müller, der ehemalige Besitzer des Diamant-Rennrads, ein Fan des traditionellen Etappenrennens geworden sein. „Er hat mir immer sehr viel davon erzählt“, sagt sein Sohn Fabian Rehfeld.

Internationale Friedensfahrt

Die Amateur-Rennserie geht zurück auf das Jahr 1948, in dem die sportliche Veranstaltung zum ersten Mal ausgetragen wurde. „Die Routen der ersten Friedensfahrten führten im Wechsel von Warschau nach Prag. Ab 1952 wurde auch durch die DDR geradelt“, erzählt Horst Schäfer. Die Besonderheit: Obwohl die Etappen durch die ehemaligen Ostblock-Staaten führten, nahmen auch immer wieder Teams aus „dem Westen“ teil, wie zur Friedensfahrt im Jahr 1984 beispielsweise Spanien, Dänemark und die Bundesrepublik. Das vermachte Rennrad aus den 1950er Jahren vom Radsportfan Peter Müller wird jetzt in dem Kleinmühlingener Museum ausgestellt. „Das ist meine moralische Pflicht“, betont Leiter Horst Schäfer.

Blumen für Engländer

Genau wie damals Peter Müller ist Helga Möbius ein Radrennsportfan. Von ihr kommt das zweite Exponat, dass vor wenigen Tagen dem Radsportmuseum übergeben wurde. Schon als kleines Kind stand Helga Möbius an der Strecke, als die Friedensfahrt im Mai 1958 das Etappenziel Karl-Marx-Stadt erreichte. Ihr Vater überredete sie damals, einem Teilnehmer der sportlichen Veranstaltung aus dem englischen Team ihr Halstuch umzubinden. Der Sportler Stan Brittain stand gerade etwas traurig am Straßenrand, erinnert sich Möbius, die heute in der sächsischen Stadt Hohenstein-Ernstthal wohnt.

Friedensfahrt 1958: Helga Möbius überreicht dem  Engländer  Stan Brittain Blumen. Der Beginn einer Freundschaft.
Friedensfahrt 1958: Helga Möbius überreicht dem Engländer Stan Brittain Blumen. Der Beginn einer Freundschaft.
Archivfoto: Helga Möbius

Beginn einer Freundschaft

„Dort habe ich ihm und später auch seinem Teamkollegen Bill Bradley mein Halstuch umgebunden und Blumen überreicht.“ Aus dieser kurzen Begegnung wurde eine feste Freundschaft, erzählt Helga Möbius. „Auch zum Ruhetag haben wir uns im Hotel Chemnitzer Hof getroffen. Da hat mir Bill Bradley sein Gelbes Trikot geschenkt.“ Das hatte der Radsportler zuvor bei der England-Rundfahrt gewonnen. „Auf das Trikot war ich sehr stolz und habe es immer in Ehren gehalten“, erklärt Helga Möbius „Nun möchte ich es aber dem Friedensfahrtmuseum schenken.“

Schöne Plätze im Museum reserviert

Das Exponat mit dieser außergewöhnliche Geschichte passe perfekt in sein Museum, findet Leiter Horst Schäfer. Hier werde das Trikot einen schönen Platz finden. Gleiches gilt auch für das Diamant-Rennrad vom verstorbenen Friedensfahrt-Freund Peter Müller. Es wird jetzt zwischen den Erinnerungsstücken der Rennserie stehen, so wie es sein Wunsch gewesen ist.