Weltfahrradtag

Radwege in Bördeland noch lückenhaft

Die Ortsteile der Gemeinde sind größtenteils miteinander verbunden, aber wichtige Strecken fehlen noch. Ein Blick auf das Radverkehrsnetz von Bördeland am Weltfahrradtag (3. Juni).

Von Robert Gruhne
Was die Radwege angeht, ist sie das Sorgenkind der Gemeinde: die Straße zwischen Großmühlingen und Eggersdorf.
Was die Radwege angeht, ist sie das Sorgenkind der Gemeinde: die Straße zwischen Großmühlingen und Eggersdorf. Foto: Robert Gruhne

Bördeland - „Kreuzgefährlich!“ Dieses Wort hört man häufiger, wenn man Menschen aus Bördeland auf den Radweg zwischen Eggersdorf und Großmühlingen anspricht. Verwunderlich ist das nicht. Es gibt nämlich keinen.

Die Ortsbürgermeisterin von Großmühlingen, Ute Möbius (CDU), verwendet das Wort ebenfalls, um den aktuellen Zustand der Strecke zu beschreiben. „Großmühlingen hat zwei Schulen, hier muss endlich mal was passieren“, fordert Möbius. Schon seit Anfang der 1990er Jahre versuche sie, hier einen Radweg zu bekommen.

Nicht nur für Schüler, die zum Beispiel zum Sportzentrum nach Eggersdorf möchten, wäre die Verbindung wichtig, meint Möbius: „Die Strecke nutzen auch Leute, die nach Salzelmen zum Arbeiten fahren oder nach Eggersdorf zum Einkaufen.“ Großmühlingen selbst hat keinen Lebensmittelladen mehr. Manche Einwohner fahren laut Möbius sogar mit dem Fahrrad bis zu Kaufland nach Schönebeck. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da“, sagt Möbius. Wenn der Radweg einmal gemacht wäre, würden sicher auch weniger Schüler von ihren Eltern mit dem Auto gebracht werden.

Deutschland soll „Fahrradland“ werden

Auch Bürgermeister Bernd Nimmich (SPD) tippt auf der Karte als Allererstes auf die Straße zwischen Eggersdorf und Großmühlingen. „Wir haben zwischen den Ortsteilen schon viele Radwege, aber das Netz ist noch nicht geschlossen“, sagt Nimmich. Ansonsten fehlt nur noch die Verbindung zwischen Kleinmühlingen und Zens, die auch auf der Wunschliste der Gemeinde im Integrierten Gemeindeentwicklungskonzept IGEK steht.

Die Orte sind größtenteils schon miteinander verbunden.
Die Orte sind größtenteils schon miteinander verbunden.
Grafik: prePress Media Mitteldeutschland GmbH

Dass sich die Radwegesituation schnell verbessert, dafür will Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sorgen, der hier Nachholbedarf sieht. Bis 2030 soll Deutschland nun „Fahrradland“ werden, verkündete er im April. Dafür stelle die Bundesregierung bis 2023 etwa 1,5 Milliarden Euro für die Radinfrastruktur von Ländern und Kommunen bereit. „Es ist so viel da wie nie zuvor“, sagte der Minister in Bezug auf die Fördermittel. Bis zu 90 Prozent Förderung sollen finanzschwache Kommunen für ihre Radinfrastruktur erhalten.

Bisher erhielten Länder und Kommunen dafür keine direkten Mittel von der Bundesregierung. Fraglich ist, ob das Geld auch abgerufen wird. Für die Gemeinde sei es auch bei einer hohen Förderung schwierig, die Eigenmittel aufzubringen, sagt Nimmich. Auch der Landkreis hat für Radwege seit Langem kaum Geld. Der Salzlandkreis habe seit Gründung noch keinen Radweg in der Gemeinde gebaut, sagt Nimmich. Noch als es den Landkreis Schönebeck gab, wurden die Radwege von Biere nach Welsleben und Eggersdorf sowie die Achse von Eickendorf über Großmühlingen nach Kleinmühlingen geschaffen.

Den Radweg zwischen Eickendorf und Biere baute die Gemeinde laut Bürgermeister dann auf eigene Faust: „Wir sind eingesprungen, weil das beim Landkreis nicht drin war.“ Der damalige Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre hatte sich persönlich dafür eingesetzt.

Kein Weg aus der Gemeinde heraus

Aus der Gemeinde heraus sieht es schlechter aus, zumindest straßenbegleitend. Zwischen Biere und Schönebeck seien beispielsweise auch viele Radfahrer unterwegs, schildert Nimmich. Zwischendurch müssen diese die Bundesstraße queren. Für Nimmich ein gefährlicher Knoten: „Über die Kreuzung muss ich erstmal drüber mit dem Fahrrad.“ Auch aus Eggersdorf und Welsleben Richtung Schönebeck fehlen Verbindungen, ebenso in südliche und westliche Richtung aus der Gemeinde hinaus.

Gut ausgebaut sind hingegen die landwirtschaftlichen Wege in Bördeland, die auch viele Radfahrer nutzen. Zum Ärger von Nimmich aber auch viele Autofahrer. Für Radfahrer seien die Feldwege aber meist mit Umwegen verbunden. Dass die Radwege an den Straßen entlang führen sollten, ist für Nimmich auch ein Sicherheitsfaktor: „Es ist wichtig, dass gerade Kinder nicht weit abseits der Straße durch die Felder fahren müssen.“

Doch straßenbegleitende Radwege zwischen den Orten sind nicht so einfach umzusetzen. „Das alles sind Wege, die wir schon seit Jahren melden“, seufzt Nimmich. Zum Einen ist die Zuständigkeit ein Problem. Die Straßen verantwortet meist der Kreis oder das Land Sachsen-Anhalt. Zum Anderen muss man entlang der Straßen auch den nötigen Platz zur Seite haben, was Absprachen mit den Eigentümern voraussetzt.

Kreis hat keine ausreichenden Mittel

Vom Salzlandkreis heißt es, dass die Wünsche der Gemeinde Bördeland im Radverkehrskonzept des Kreises berücksichtigt seien. Pressesprecherin Marianne Bothe verweist aber darauf, dass das Kommunale Straßenbaufinanzierungsgesetz nicht fortgeführt wurde: „Somit stehen für die Erneuerung von Kreisstraßen und den Neubau von Radwegen aktuell und absehbar keine ausreichenden finanziellen Mittel zur Verfügung.“

Die Wünsche hat der Kreis aber auch an das Land weitergegeben und dieses ließ sie in das Landesradverkehrsnetz Sachsen-Anhalt, kurz LRVN 2020, einfließen. Das Konzept wurde am 1. Juni durch das Kabinett der Landesregierung beschlossen und soll dem „Ausbau einer flächendeckenden alltagstauglichen Radverkehrsinfrastruktur“ dienen, teilt Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) mit. Hierfür hat die Planungsgruppe festgelegt, dass „alle für den Alltag der Bürgerinnen und Bürger wichtigen Orte“ wie Schulen angebunden werden. Berücksichtigt wurden alle Ortsteile mit mindestens 800 Einwohnern und kleinere Orte, wenn sie auf den Achsen liegen.

Plan der Landesregierung mit vier Wegen in Bördeland

Im LRVN, das frei im Internet zu finden ist, sind für die Gemeinde Bördeland vier Strecken ausgewiesen, die sternförmig von Schönebeck abgehen. Der Weg nach Welsleben, der in der Schönebecker Straße ankommt, wird als schon fast vollständig aufgeführt.

Zwischen Schönebeck und Eggersdorf sollen Radfahrer den parallel zur Bahnstrecke verlaufenden Weg nutzen und damit abseits der Straßen fahren. Die von der Gemeinde gewünschte Radverbindung nach Großmühlingen gilt auch im LRVN als Netzlücke.

Die Verbindung entlang der Landstraße zwischen Biere und Schönebeck ist laut Verkehrsministerium „zu hinterfragen“, da die Radfahrer auch den bahnparallelen Weg bei Eggersdorf nutzen könnten. Laut Salzlandkreis ist die Kfz-Belastung der Landstraße mit 2315 Fahrzeugen täglich auch knapp zu gering für einen eigenen Radweg. Als letzte Verbindung führt das LRVN die Landstraße von Schönebeck nach Calbe als Netzlücke auf.

Dass der Radverkehr wichtig ist, sehen alle für diesen Artikel befragten Personen so: Er führt zu mehr Bewegung, weniger Autofahrten und bringt den Klimaschutz voran. Wie sich das zur Verfügung gestellte Geld aber wirklich in Radwegen vor Ort niederschlägt, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen. Bürgermeister Nimmich wirkt etwas desillusioniert: „Da kommen so viele Schreiben und so wenig Ergebnisse. Man darf es einer kleinen Verwaltung auch nicht so kompliziert machen.“ Um sich mehr Gehör zu verschaffen und zu vernetzen, will Bördeland aktuell Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Kommunen Sachsen-Anhalt (AGFK) werden. Hier haben sich seit Anfang 2020 über 70 Gemeinden zusammengeschlossen.