Salzlandkreis l Kriminaloberrat Steffen Kuse ist zufrieden mit seiner neuen Stelle als Leiter des Polizeireviers Salzlandkreis. „Ich sage unseren Praktikanten, dass wir hier das beste Revier in ganz Sachsen-Anhalt haben“, erzählt der 51-Jährige aus Hecklingen, nicht ganz ernst gemeint. Mit dieser Aussage will er vor allem einen Dialog eröffnen. „Und wenn wir in manchen Punkten nur die Zweitbesten sind, dann sollten wir darüber reden, um noch besser zu werden.“ Offen reden und besser werden, das hat sich Steffen Kuse vorgenommen.

Bei der Aufklärungsquote im Salzlandkreis von 54 Prozent ist beispielsweise noch etwas Luft nach oben – der Bundesdurchschnitt liegt bei rund 57 Prozent. Immerhin: Baulich sind die Beamten gut ausgestattet, das Gebäude in der Franzstraße in Bernburg ist in einem soliden Zustand. „Davon können manch andere Reviere nur träumen“, sagt der neue Polizeichef, der in Dessau aufgewachsen ist. Den Salzlandkreis kennt er bereits gut. Auch früher hat er schon in den Revieren in Bernburg, Staßfurt und Aschersleben gearbeitet.

Leiter in Bernburg ist Kuse seit Anfang des Jahres – offiziell lautet sein Titel ‚Revierleiter des Polizeireviers Salzlandkreis‘. Den Wechsel verdankte er der jüngsten Polizeistrukturreform, die auch für eine Rotation in den Führungsetagen der Beamten gesorgt hat. „Von den Führungskräften wird auch erwartet, dass sie immer wieder mal neue Aufgaben übernehmen“, erklärt Steffen Kuse. So war er in den vergangenen Jahren Leiter der Kriminalpolizei in Magdeburg. Sein Vorgänger in Bernburg, Volker Stamer, wechselte hingegen in den Stabsbereich nach Magdeburg.

Zufällig zur Polizei

Zur Polizei ist Steffen Kuse tatsächlich eher zufällig gekommen. „Da stehe ich auch zu“, meint er. Denn eigentlich war er in den 1990er Jahren nach dem Studium bereits kurz davor, Lehrer zu werden. Doch Referendariatsstellen waren damals rar gesät und auch die Berufsaussichten für Mathe- und Physiklehrer ziemlich schlecht – wie es heute kaum noch vorstellbar ist. Und so bewarb er sich schließlich für alle möglichen Stellen. Angenommen wurde er dann nach einem harten Auswahlverfahren bei der Polizeischule in Aschersleben. Eine glückliche Fügung, wie sich im Nachhinein herausstelle. Denn schon bald konnte er sich gar nichts anderes mehr vorstellen.

„Es gibt keinen besseren Beruf“, sagt Steffen Kuse über die Polizeiarbeit. Zumindest, wenn man dafür gemacht ist. „Bei der Polizei kann man so ziemlich alles machen.“ Egal ob Streifendienst, Hubschrauber fliegen, Öffentlichkeitsarbeit oder die Arbeit mit Hunden – es sei für jeden etwas dabei. „Man muss es nur wirklich wollen und hart dafür arbeiten“, findet der Revierleiter. Und im richtigen Moment auch auf sich aufmerksam machen.

Kriminalpolizei

So hat er sich bereits als Schutzpolizist so sehr für die Arbeit der Kriminalpolizei interessiert, dass die Kollegen ihn dort irgendwann gefragt haben, warum er noch nicht bei ihnen sei. „Eine Woche später habe ich bei der Kriminalpolizei in Halberstadt angefangen“, erzählt Steffen Kuse. Dort gelang es ihm gemeinsam mit seinen Kollegen, eine Serie von 18 spektakulären Banküberfällen aufzuklären, bei denen sich die Täter in den Banken einschließen ließen. Und bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland koordinierte er die Polizei im Innenministerium in Magdeburg.

Was die Kriminalität betrifft, würde es im Salzlandkreis eher ruhig und durchschnittlich zugehen. „Mancher würde langweilig sagen“, so Kuse. Besondere Schwerpunkte bei bestimmten Delikten gebe es nicht. Die Drogenkriminalität halte sich trotz aller Probleme im Rahmen, die Polizei hat vor allem mit Eigentumsdelikten zu tun.

Mehr Personal

In Zukunft kann die Polizei erstmals wieder mit mehr Personal rechnen. In den vergangenen Jahren wurde immer weiter eingespart. „Inzwischen hat das Thema Sicherheit aber wieder einen höheren Stellenwert bekommen“, sagt der neue Polizeichef. In den nächsten Jahren kriegt daher auch das Polizeirevier Salzlandkreis 20 Stellen zusätzlich zu den aktuell 240 Beamten. Dies bedeute zwar auch zusätzliche Aufgaben, trotzdem sei es besser, als immer Personal einzusparen.

Privat ist Steffen Kuse gern sportlich unterwegs. So spielt er etwa Squash und ist mit einer Freizeit-Gruppe mit dem Rennrad unterwegs. „Das ist nur ein Hobby, aber wir haben immerhin eigene Trikots“, sagt er. Im vergangenen Jahr ist er etwa 4000 Kilometer geradelt. Das sind durchschnittlich etwa 80 Kilometer in der Woche.