Groß Rosenburg l Wenn Michael Pietschker, der Ortsbürgermeister von Groß Rosenburg zur Stadtverwaltung nach Barby fahren muss, braucht er jede Menge Geduld. Eigentlich liegt sein Ortsteil nur fünf Kilometer von Barby entfernt. Um dahin zu kommen, muss er allerdings rund 35 Kilometer mit dem Auto fahren. „Ich brauche eine halbe Stunde für die fünf Kilometer“, sagt er.

Denn zum großen Hindernis ist wieder einmal die Saale geworden. In der Einheitsgemeinde Barby trennt der Fluss das Gemeindegebiet in zwei Hälften. Eine Brücke gibt es nicht. Nur eine Fähre betreibt die Stadt. Die Saale führt seit Wochen aber so wenig Wasser, dass die Fähre nicht verkehren kann. Die nächste Brücke gibt es erst bei Calbe. Doch das Bauwerk ist seit gut zwei Monaten für den Verkehr gesperrt. Wichtige Bauarbeiten mussten durchgeführt werden. Eigentlich sollte die Saalebrücke mit Beginn der Schulzeit wieder geöffnet werden. Die Schäden an dem Bauwerk waren aber größer, als zunächst angenommen. Nun soll die Brücke noch bis zum 6. September komplett gesperrt bleiben. Anschließend soll sie halbseitig befahrbar werden.

Die Situation sei unmöglich, sagt Michael Pietschker. Die ausgewiesene Umleitungsstrecke bis zur nächsten Saalebrücke bei Nienburg sei unzumutbar, empört er sich. „Es fehlen einfach Brücken über die Flüsse“, sagt er. Es betreffe ja nicht nur die Saale, sondern ebenso die Elbe. Von einer vernünftigen Infrastruktur sei die Region auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch weit entfernt, schätzt er ein.

Fähren fahren nicht

Im zweiten Jahr in Folge liegen viele Fähren wegen des Wassermangels in den Flüssen an der Kette. „Die Fährverbindung bei Groß Rosenburg könnten wir jetzt sehr gut gebrauchen“, sagt er.

Holger Goldschmidt, Bauamtsleiter in der Stadtverwaltung, hatte sich den Sommer auch anders vorgestellt, was den Einsatz der Fähren angeht. Lange war auch den Barbyern bekannt, dass die Calbenser Saalebrücke für Bauarbeiten mehrere Wochen gesperrt werden muss. In dieser Zeit sollte die Saalefähre den fehlenden Flussübergang ersetzen. Zumindest für die Pkw. Barby hat darin Erfahrung. Als es vor Jahren schon einmal zu einer wochenlangen Vollsperrung kam, weil am Ortseingang von Calbe ein Kreisverkehr errichtet wurde, wichen viele Bürger, die täglich zur Arbeit pendeln, auf die Fähre aus. Morgens und nachmittags bildeten sich lange Schlangen an den Zufahrten.

Überschuss erwirtschaftet

Die Nachfrage machte sich auch bei den Einnahmen bemerkbar. Erstmals seit langer Zeit fuhr die Saalefähre die Unkosten ein und erwirtschaftete ein Überschuss. Das gelingt sonst regelmäßig von den drei kommunalen Fähren nur dem Barbyer Schiff auf der Elbe.

Es sei schon bitter, dass die Fähre nicht fahren könne, meint Holger Goldschmidt. Seit Monaten liegen zwei der drei Fährschiffe an Land, weil der Wasserstand in Elbe und Saale unzureichend ist. „Das wird Spuren im Haushalt hinterlassen“, ist der Bauamtsleiter überzeugt. Die Einnahmen werden der Stadt fehlen, um die Kosten zu decken. Denn das Personal für die Schiffe muss auch bezahlt werden, wenn die Fähren nicht fahren.

Zweigeteilt

Für Michael Pietschker stellt die Saale mitten durch die Einheitsgemeinde wie für viele andere Bürger vor allem eine recht wirksame Grenze dar. „Wir sind zweigeteilt“, sagt er. Ohne eine dauerhaft nutzbare Verbindung wachsen die Orte südlich der Saale kaum in der Zukunft mit dem nördlich davon gelegenen Teil zusammen.

Bereits vor Jahren hat er sich für den Bau einer Brücke über den Fluss stark gemacht. „Damals haben mich alle ausgelacht“, denkt er bitter zurück. Nun gibt es einen neuen Anlauf. Über jede Unterstützung, die zu einer Brücke über die Saale führen könnte, freut er sich. Schließlich sei es für die Bürger kaum mehr nachvollziehbar, dass sie zu Barby gehörten, es aber nur sehr schwer erreichen können.

Die Infrastruktur müsse an die Verwaltungsstruktur angepasst werden. Außerdem sei es auch eine Frage der Gleichbehandlung gegenüber den Bürgern in gut erschlossenen und vernetzten Gebieten. Ohne Brücken, die das ganze Jahr über genutzt werden können, sei die Region auch wirtschaftlich sehr uninteressant, schätzt er ein. Wer wolle schon eine Firma gründen, die nur schwer erreichbar ist, fragt er. In Zukunft müsse die Region viel besser an das Straßennetz angebunden sein. Die Fähren sollten bald der Vergangenheit angehören, an die man sich später einmal liebevoll erinnert, wünscht er sich eine feste Verbindung am Ort über die Saale.