Grünewalde l Die Parzelle neben dem Garten von Ehepaar Iris und Günter Pickahn im Gartenverein Waldesruh ist schon seit Jahren verlassen. „Wir kümmern uns zusammen mit unserem Nachbarn um die Fläche, damit sie nicht verwildert“, sagt die Schönebeckerin, die mit ihrem Mann seit mehr als 40 Jahren Mitglied in der Gartenanlage in Grünewalde ist. Beide sind jetzt 73 Jahre alt und wollen noch möglichst lange Kartoffeln und Bohnen in ihrem Garten anbauen. „Wir bleiben, solange es gesundheitlich geht. Schließlich haben wir uns hier etwas aufgebaut“, sagt Günter Pickahn bestimmt. Auch nach drei Hochwasserereignissen haben die beiden ihren Garten immer wieder auf Vordermann gebracht.

Doch viele andere ehemaligen Mitglieder haben ihre Parzellen inzwischen aufgegeben. Vor allem nach dem Hochwasser 2013 sind viele Gärtner nicht mehr zurückgekehrt. Durch den steigenden Grundwasserspiegel, dem Drängwasser, stand das Wasser in der Anlage einen halben Meter hoch. Mittlerweile sind mehr als ein Drittel der fast 300 Gärten verlassen. Überwucherte Grundstücke und verlassene Gartenhäuser prägen das Bild der Anlage Waldesruh mit.

Ende Oktober im Stadtrat

Und so gelten viele Parzellen in Grünewalde als nicht mehr vermittelbar. Das Kleingartenentwicklungskonzept Schönebeck (Keks) der Stadtverwaltung sieht daher einen Rückbau von rund 40 der fast 300 Parzellen des Vereins vor. Denn neben dem Erhalt von Gärten verfolgt das Konzept das Ziel, Teile der Fläche für eine neue Nutzung vorzubereiten. Möglich sind landwirtschaftliche Flächen, Ausgleichsflächen oder Bauland. Rund 21.000 Quadratmeter der Anlage will die Stadt als Eigentümerin der Fläche umnutzen. Zunächst sollen Streuobstwiesen angelegt werden. Der Finanzausschuss hat dem Vorschlag zuletzt zugestimmt. Ende Oktober soll der Stadtrat entscheiden.

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500 Euro pro Garten

Bei veranschlagten Kosten pro Garten von etwas mehr als 5000 Euro kostet der Rückbau insgesamt 212.000 Euro. Davon kommen 150.000 Euro als Förderung vom Land Sachsen-Anhalt. Den Eigenanteil der Stadt in Höhe von 63.000 Euro übernimmt der Verband der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung. „Bei der Haushaltslage hat die Stadt kein Geld dafür. Und wir legen für den Rückbau Geld zurück“, sagte Manfred Peters, stellvertretender Vorsitzender des Verbandes.

Zwar müssen auch in anderen Gartenvereinen in der Region aufgrund des Leerstandes immer mehr Gärten rückgebaut werden. Aber im Verein Waldesruh ist die Situation besonders dramatisch. „Die Vereine versuchen, möglichst viel in Eigenleistung zu erledigen“, sagte Manfred Peters. Denn der Rückbau ist bei der Aufgabe eines Gartens für die Mitglieder Pflicht. Und gerade die Entsorgung der alten Baustoffe kostet eben auch Geld, das so manche scheidende Mitglieder aber nicht aufbringen könnten. Der Verband der Gartenfreunde würde sich aber immer bemühen, Lösungen für die Mitglieder zu finden, sagt Manfred Peters.

Iris und Günter Pickahn machen ihren Garten in Grünewalde unterdessen langsam winterfest. „Sicherheitshalber dichte ich unser Häuschen auch immer gegen Hochwasser ab“, sagt Iris Pickahn. Denn wenn das Wasser die Laube noch einmal verwüstet, würden die beiden ihren Garten wohl auch aufgeben.