Plötzky l War es nur ein dummer Zufall oder ein gezielter Anschlag auf das Auto der frisch gewählten Ortsbürgermeisterin von Plötzky, Jana Reichmann (FDP)? Vor gerade einmal zwei Wochen hat die 43-Jährige das Ehrenamt übernommen, und schon muss sie sich fragen, ob es vielleicht jemand auf sie abgesehen hat.

Am vergangenen Wochenende hatte sie ihren Wagen etwas abseits auf einem Parkplatz in Plötzky abgestellt. „Am Dienstag habe ich dann gemerkt, dass alle vier Reifen zerstochen waren“, sagte Jana Reichmann. Zwei Reifen waren komplett aufgeschlitzt, die anderen beiden immerhin aufgestochen.

Der ADAC hatte ihr daraufhin geholfen und Notreifen auf ihren Wagen aufgezogen. Damit konnte Reichmann zumindest nach Hause fahren, wo sie noch alte Reifen eingelagert hatte. Mit denen konnte sie schließlich zur Werkstatt in Schönebeck fahren, um sich neue Reifen zu bestellen.

Ortsbürgermeisterin bleibt gelassen

Jana Reichmann nimmt den Vorfall relativ gelassen. „Ich werde mich deswegen nicht verrückt machen lassen“, sagte sie. „Am meisten hat mich die ganze Rennerei wegen der neuen Reifen geärgert. Das kostet ja auch Zeit.“

Vielleicht war es ja auch nur ein dummer Zufall, dass der oder die Täter ausgerechnet das Auto der neuen Ortsbürgermeisterin erwischt haben. Der Wagen stand nicht vor ihrem Haus sondern etwas abseits auf einem öffentlichen Parkplatz und ist auch sonst nicht besonders auffällig.

Den Vorfall hat sie bei der Polizei angezeigt. Ähnliche Anzeigen soll es dort nicht gegeben haben. Auf der anderen Seite muss der Täter ziemlich entschlossen gewesen sein, wenn er nicht nur einen, sondern gleich alle vier Reifen zerstochen hat.

Sie hätte allerdings überhaupt kein Verständnis dafür, falls es doch jemand auf sie persönlich abgesehen haben sollte. „Wenn jemand ein Problem mit mir hat, kann er sich doch jederzeit an mich wenden. Es kann mir ja auch jeder anonym einen Zettel in den Briefkasten stecken“, sagte Jana Reichmann. „Aber zerstochene Reifen gehen dann doch zu weit.“

Keine Konflikte in Plötzky bekannt

Feindseligkeiten ihr gegenüber sind Jana Reichmann nach eigenen Angaben nicht bekannt. Bei der Wahl zur Ortsbürgermeisterin im Ortschaftsrat war sie die einzige Kandidatin. Sie habe sich auch nicht unbedingt um das Ehrenamt gerissen. Im Gegenteil: In Plötzky musste sogar eine Nachwahl im Dezember angesetzt werden, weil sich im ersten Wahlgang im Mai nicht einmal ausreichend Kandidaten gemeldet hatten. Der Ortschaftsrat von Plötzky stand damit zeitweise sogar kurz vor der Auflösung. Von einem Streit um politischen Posten sei daher nicht auszugehen. In ihren zwei Wochen als Ortsbürgermeisterin habe sie auch noch gar keine gute oder schlechte Arbeit leisten können, um sich den Groll von Bürgern auf sich zu ziehen.

Zumindest ging von den zerstochenen Reifen keine ernsthaft Gefahr für Jana Reichmann aus, da sie damit nicht losfahren konnte. Trotzdem stellt sie ihren Wagen nun vorsichtshalber nach Möglichkeit nicht mehr an der Straße ab, sondern auf ihrem Grundstück.

Jana Reichmann war noch nicht beim ersten Wahlgang im Mai angetreten. Erst als der Ortschaftsrat von Plötzky kurz vor der Auflösung stand, hat sie sich schließlich doch noch für die Wahlen gemeldet. Bei der Nachwahl im Dezember wurde sie dann mit 186 Stimmen bei den Nachwahlen in den Ortschaftsrat nachgewählt. Die Wahlbeteiligung lag in Plötzky bei 29,2 Prozent. Das entspricht 250 Wählern von insgesamt 857 Wahlberechtigten. Politische Erfahrungen hat sie bisher noch nicht.

Seit November 2018 engagiert sie sich allerdings im neu gegründeten Sport- und Kulturverein von Plötzky. Die gebürtige Magdeburgerin lebt seit zwölf Jahren in Plötzky.

Unabhängig von dem Vorfall möchte sie regelmäßig Bürgersprechstunden anbieten. Die nächste Sprechstunde ist für den 13. Februar von 18.30 bis 20 Uhr im Bürgerhaus Plötzky geplant.