Barby l Als die Volksstimme vor knapp zwei Jahren schon mal über Dirk Trappe und sein ungewolltes Hobby berichtete, meldeten sich einige Leser, die in ihrem Leben auch schon mal eine Flaschenpost fanden. Die Betonung liegt auf „eine“. Merkwürdigerweise auch unterhalb der Barbyer Elbbrücke an deren Westufer.

Was der Barbyer Trappe allerdings seit Jahren auftut, scheint nicht mehr normal zu sein. Sein Bekanntenkreis riet ihm bereits, unter die Gold- oder zumindest Meteoritensammler zu gehen, wo die Funde gut bezahlt werden. Vermutlich resultiert die Häufung unweit des Barbyer Stadthafens an einer leichten Krümmung der Elbe, die allerlei Treibgut ans Ufer „schiebt“.

In einer Saftflasche schimmerte ein Papier

Vor drei Jahren hatte der heute 48-Jährige seine flusspostalische Premiere: In einer verschlossenen Saftflasche schimmerte ein Papier. Schnell stand fest, dass es sich um eine Flaschenpost handelte. „Ich hatte vorher noch nie so etwas gefunden“, gesteht Dirk Trappe. Eine Patientin der Barbyer Reha-Klinik hatte sie zuvor in die Elbe geworfen. Die 65-Jährige beschrieb ihre Anschlussheilbehandlung und tat kund, einen Briefpartner zu suchen.

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Zwei Monate später wurde der Barbyer erneut fündig. Wieder am Westufer der Elbe, wieder zwischen Elbbrücke und Hafenspitze. Die Flasche war am 24. September 2017 „abgeschickt“ und am 12. November gefunden worden. Dieses Mal waren es die Eltern des achtjährigen Lorenz, die anlässlich des Kindergeburtstages die Flaschenpost bei Rosslau aufgaben. Vermutlich handelte es sich um eine lustige Kinderrunde, die großen Spaß an dem „Abenteuer“ hatte. „Die Knirpse sind ja in diesem Alter noch mit einer großen Portion Begeisterungsfähigkeit ausgestattet, um an den Erfolg ihrer Mission zu glauben“, lächelt Trappe. Und sie wurden nicht enttäuscht, denn sie bekamen wie alle anderen Absender Post aus Barby.

Berührender Fund aus Dessau

Berührend war jener Fund vom 25. Februar 2018. Ein Dessauer Brautpaar hatte sich die Arbeit gemacht und seine Flaschenpost sorgfältig versiegelt. Dirk Trappe bekam über das Sozialnetzwerk Facebook heraus, dass Christina im Rollstuhl saß, als sie ihren Patrick heiratete.

"Aufgegeben" im Dezember 2017

Der jüngste Elbefund stammt aus Wettin und wurde am 27. Dezember 2017 der Saale übergeben. Der Absender wohnte zu diesem Zeitpunkt im Ortsteil Dobis. Das 180-Seelen-Dorf liegt an der Saale und gehört zur Stadt Wettin-Löbejün. Merkwürdig in dieser Flaschenpost sind die kryptischen Zeichen, die offenbar mit Faserstift geschrieben worden.

Dirk Trappe wird sich auch mit diesem Absender in Verbindung setzen, um das Geheimnis zu lüften.

Wissenschaftler erforschen Strömung

Das Versenden von Flaschenpost ist keine Mode unserer Tage. 2017 sorgte eine kleine Sensation für weltweites Aufsehen: Die Flaschenpost eines deutschen Seefahrers war 131 Jahre unterwegs. Eine Spaziergängerin fand am Strand von Australien eine Buddel, die vom Kapitän eines deutschen Segelschiffs verfasst worden war. Im Juni 1886 warf er die Glasflasche ins Meer, mit der freundlichen Bitte, der Finder möge sich melden. Nun witzelt man ja gerne über die Leistungen der deutschen Zustellfachbetriebe: Doch die Erfüllung dieses Wunsches sollte etwas länger dauern.

Die Australier mussten vor drei Jahren erstmal einen Übersetzer bemühen, um die verblichene Handschrift zu entziffern: „Diese Flasche wurde über Bord geworfen am 12ten Juni 1886 In 32° 49’ Breite Süd Und 105° 25’ Länge Süd Greenwich Ost. Vom: Bark Schiffe: Paula Heimath: Elsfleth“.

Höflich aber bestimmt fügte der Absender 1886 hinzu: „Der Finder wird ersucht den darin befindlichen Zettel, nachdem die auf umstehender Seite gewünschten Angaben vervollständigt sind, an die Deutsche Seewarte in Hamburg zu senden oder auch an das nächste Konsulat zur Beförderung an jene Behörde abzugeben.“

Es geht bei dieser Art des Nachrichtenversandes aber nicht nur um Romantik. Tatsächlich dienten viele Flaschenposten der Wissenschaft als Strömungsmesser. Bereits in der Antike warfen die Menschen wasserdichte und unsinkbare Gefäße ins Meer und warteten ab, wohin die Strömung sie treiben würde. Hierauf besann sich der Polarforscher Balthasar von Neumayer, als er 1864 das Flaschenpost-Experiment zur Strömungsforschung ins Leben rief.