Schönebeck l Nein, es handelte sich nicht um den letzten Hammerschlag. Denn mit Nägeln musste das neue Dach nicht abgedichtet werden. Und eigentlich sieht Imuset-Präsident Georg Plenikowski das Dach auch nicht etwa als neu an, sondern bezeichnet es als „altes neues Dach“. Denn, so klärt er auf: „So ein Stehfalzdach wie das, was wir jetzt wieder haben, gab es bereits 1907, als das Gebäude gebaut wurde.“

Das Dach hat nach dem Krieg einen neuen Belag bekommen. Die damaligen Hausherren haben die Kapitelle zerstört, um eine simple Dachrinnenführung zu erreichen. Lange Zeit bedeckten Schindeln aus Teerpappe das Dach. Das habe damals Einbußen für den Charakter des Gebäudes gehabt, findet Georg Plenikowski.

Kostenfaktion 500.000 Euro

Doch nicht nur optisch sei es eine nicht ganz so ideale Lösung gewesen, sondern, so erklärt er: „Es hat auch an vielen Stellen durchgeregnet, das Dach war undicht.“ In den vergangenen Jahren hatte sich die Lage noch verschlimmert, da Löcher und Spalten im Dach waren, in die es reingeregnet hat. Es musste also eine Notsanierung her, die eigentlich den kompletten Neubau der Holzkonstruktion sowie des Daches umfasste. Die Kosten dafür, rund 500.000 Euro, werden von Land und Bund getragen.

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Beim Stehfalz handelt es sich um eine Dachdeckung – im Falle des Schönebecker Daches aus Zink, die aus Scharen auf dem Dach zusammengebaut wird. „Nur der Falz ist fähig, das Gebäude hundertprozentig wasserdicht zu halten“, so Plenikowski. Im Frühjahr wird das Dach dann so aussehen, wie es vor 110 Jahren einmal gebaut wurde.

Für die Sanierung mussten dementsprechend Spezialisten her. So waren in den vergangenen Monaten – seit Ende Juli – eine Holzbaufirma aus Schönebeck, eine Gerüstbaufirma aus Biederitz, ein Blitzschutzunternehmen aus Schönebeck und eine Dachdeckerfirma aus Quedlinburg an dem Gebäude zugange. Das alles geschah nach genauer Absprache mit dem Denkmalschutz, schließlich handelt es sich um ein historisches Gebäude.

In Rekordzeit geschafft

Kurz vor Weihnachten ging es für den Präsidenten, den Oberbürgermeister und die Presse nach oben aufs Dach. Denn hier sollte er stattfinden, der letzte Kniff. „Danach ist das Dach dicht, dann haben wir es in Rekordzeit geschafft“, freute sich Georg Plenikowski – nicht wenig Stolz schwang in der Stimme des Imuset-Präsidenten mit. Nachdem einige teils abenteuerliche Kletterhürden überwunden waren, nahmen Knoblauch und Plenikowski zwei breite Zangen in die Hand, um die letzten beiden Falze zusammenzukneifen. Die Dachdecker zeigten, wie‘s geht, der Stadt- und der Imuset-Chef machten es nach.

Wieder unten angekommen, wurde mit einem Glühwein auf das nagelneu sanierte Dach angestoßen. „Dass das Dach ab heute dicht ist, will etwas heißen“, sagte Plenikowski stolz. Und Knoblauch ergänzte: „Der Verein hat hier Visionen realisiert, an die sich so manch einer vielleicht nicht herangetraut hätte.“

Im Frühling ziehen die Geräte wieder in die neu bedachte EMS-Maschinenhalle des Imuset ein. „Wir haben uns das Ziel gestellt, das Museum im Mai wieder komplett zu eröffnen“, so Plenikowski.

Und noch mehr gute Neuigkeiten kurz vor Jahresschluss: Der Oberbürgermeister habe angedeutet, dass der zweite Teil des Förderbescheides vom Land zu erwarten ist. Plenikowski: „Von dem Geld sollen die gesamten Fassaden der drei Imuset-Gebäude und die weiteren Dächer repariert beziehungsweise erneuert werden.“