Zuchau l Sandsäcke säumen den Eingang des Zuchauer Gotteshauses. Im Innenraum hängen Bilder von Schülern der unteren Klassen des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Calbe. Luftbildaufnahmen und Zeitungsbeiträge zeigen, welche Situation zum Hochwasser 2013 in der Barbyer Region vorgeherrscht haben. Im Eingangsbereich stehen Notfalltragen. Daneben Sand, aus dem ein Rohrstück hervorlugt.

Die Ausstellung zum Hochwasser vor fünf Jahren lockte am Wochenende vorerst das letzte Mal Besucher an. Eigentlich sollte sie längst abgebaut sein. Seit 23. August bereits. Wenn da nicht diese unerwartet hohe Nachfrage gewesen wäre, erklärt Jörn Weinert, Ortsbürgermeister Zuchaus und Mitinitiator der Ausstellung fünf Jahre nach dem verheerenden Hochwasser.

In den Tagen und Wochen nach der Eröffnung am vorletzten Augustwochenende riss der Besucherandrang nicht ab. Jeden weiteren Tag habe er immer noch durchschnittlich zehn bis 15 Menschen registriert, die sich das Ganze angeschaut haben, erzählt Axel Schneider. Er gehört - genau wie Weinert - zum Verein „Wir sind das Dorf“ und hat ebenfalls maßgeblich zum Gelingen des Rückblickes beigetragen. Genauso wie Martin Giesecke, Viola Otto, Ilonka Peterle und viele mehr. Nun aber ist „Schluss“. Vorerst. Nach dem Wochenende nun wird die resonanzstarke Ausstellung mit insgesamt mindestens 300 Besuchern abgebaut. Vielleicht wird es eine weitere zum zehnjährigen Jahrestag geben.

Erinnerungen an Flut 2013

Fast „auf den letzten Drücker“ haben Georg und Antje Felke die Möglichkeit zum Betrachten und Innehalten genutzt. Damals, am 9. Juni 2013, hörten sie von der Evakuierung in Rosenburg und dem Dammbruch. Die Schwester Georg Felkes lebte zu diesem Zeitpunkt in Rosenburg. Sie wollten die heute 92-jährige Hildegard Jirku abholen, aber durch die Sicherheitsvorkehrungen endete die Fahrt häufig in Sackgassen. Ihr erster Hinweis: Turnhalle in Eggersdorf. „Dort sind wir hingefahren, fanden sie aber nicht“, erzählt die Bernburgerin. Aber sie bekommen den richtigen Tipp: Ältere Personen um die 80 Jahre sollen in Zuchau untergebracht worden sein. Hier wird man fündig. Erstaunte Blicke lassen sie den Bildaufnahmen, vor allem aber den Bildern der Schüler zukommen. „Es ist imposant, wie die Kinder das umgesetzt haben“, lobt Antje Felke mit Blick auf die Zeichnungen. Dort wird das Wasser als verschlingendes Etwas, mächtiger Strom dargestellt oder versinnbildlicht.

Dass diese Bilder nun Teil der Ausstellung sind, ist Marlies Krausholz, Kunstlehrkraft am Calbenser Schiller-Gymnasium, zu verdanken. „Sie hatte diese tolle Idee und Mut, das mit den Schülern zu machen, damit sie das Gesehene auf ihre Weise verarbeiten können“, sagt Weinert. Sicherlich gab es auch andere Stimmen à la „Willst du den Kindern noch ein Trauma verpassen“, führt er aus.

Jörn Weinert selbst habe im Juni 2013 insgesamt 25 Personen auf seinem Grundstück aufgenommen. Im großzügigen Nebengelass war das im Hochwasser verschonten Zuchau möglich. Dazu zum Teil Pferde, Schweine, Hunde und anderes Vieh. Axel Schneider nahm eine dreiköpfige Familie auf. Daran erinnert er sich noch heute. Besonders einprägsam: „Zuchau hatte innerhalb eines Tages doppelt so viele Einwohner.“ Daran ist der rund 300-Seelen-Ort gewachsen. Gemeinsam haben die Einwohner mit denen, die in Sicherheit gebracht werden mussten, an einem Strang gezogen.

Die Ausstellung diene auch nicht dem Befriedigen diverser Katastrophenfantasien, sondern soll die Menschen von damals zusammenbringen. Zahlreiche Gespräche mit den Betroffenen habe es gegeben - und mit ihnen zusätzlich (Bild-)Material, das für eine weitere Ausstellung genutzt werden könnte.