Schönebeck l Der Chemiekonzern Schirm in Schönebeck hat in den vergangenen Wochen auf die veränderte Marktlage in Corona-Zeiten reagiert. „Viele Autobauer und Zulieferer haben in den vergangenen Monaten ihre Produktion auf ein Minimum gedrosselt oder sogar ganz eingestellt“, teilte Standortleiter Wolfram Lüneburg auf Nachfrage der Volksstimme mit. Daher seien auch die Aufträge aus der Automobilbranche für verschiedene chemische Produkte bei der Schirm GmbH rückläufig gewesen, die das Unternehmen als Dienstleistung für andere Betriebe herstellt.

Um auf die veränderte Marktlage zu reagieren, hat das Unternehmen in Schönebeck seine Produktion daher in Teilen umgestellt. So wird am hiesigen Standort der Schirm GmbH erstmals auch Des-infektionsmittel hergestellt. „Die Fertigung in Schönebeck wurde neu aufgebaut“, sagte Wolfram Lüneburg. Genaue Angaben über die produzierten Mengen wurden vom Unternehmen zwar nicht gemacht. Allerdings sei die Nachfrage nach Desinfektionsmitteln seit März deutlich angestiegen. Auch werde aufgrund der Corona-Krise in der nächsten Zeit mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage gerechnet.

Desinfektionsmittel an Stadt gespendet

Nach Aufnahme der Produktion hat Schirm 40 Kanister mit insgesamt 200 Liter Desinfektionsmittel an die Stadt Schönebeck gespendet. Nach Angaben der Verwaltung beträgt der Wert der Sachspende 1100 Euro, deren Annahme der Stadtrat bei seiner Sitzung nächste Woche noch offiziell bestätigen muss. Das Unternehmen begründete die Spende auf Nachfrage mit seiner langen Historie in Schönebeck. So reichen die Anfänge des Vorgängerunternehmens Hermania bis 1793 zurück. Damit gilt Schönebeck als ältester Chemiestandort in Deutschland.

„Als zu Beginn der Pandemie die Desinfektionsmittel knapp wurden, haben wir überlegt, wie wir die Gemeinden unserer Standorte in diesen schwierigen Zeiten unterstützen können“, so Lüneburg. So wurde auch Desinfektionsmittel an die Kommunen in anderen deutschen Standorten von Schirm in Wolfenbüttel, Lübeck und Baar-Ebenhausen übergeben. Die Mittel sollen in Schulen, Kitas und bei der Feuerwehr zum Einsatz kommen. „In diesen unruhigen Zeiten setzt die Schirm GmbH mit der Desinfektionsmittelspende ein wichtiges Zeichen der Solidarität gegenüber der Bevölkerung der Stadt Schönebeck“, sagte Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch bei der Übergabe der Spende.

Bisher ist die Schirm GmbH recht gut durch die Corona-Krise gekommen. „Momentan sind wir mit dem aktuellen Geschäftsergebnis zufrieden“, so Lüneburg. So musste etwa keine Kurzarbeit in Anspruch genommen werden. Während die Nachfrage der Automobilbranche rückläufig war, verkaufen sich chemische Produkte für die Landwirtschaft immer noch gut. Jedoch müsse sich erst zeigen, wie sich die Wirtschaft von der Krise erholt.

100 Millionen Euro Umstatz

2019 war der Umsatz der Schirm GmbH leicht auf etwa 100 Millionen Euro zurückgegangen. „In diesem Jahr rechnen wir nach aktuellem Stand wieder mit einer Wachstumsentwicklung“, so Standortleiter Lüneburg.

Seit Beginn der Corona-Krise wurden auch bei der Schirm GmbH verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. So wurde möglichst auf Treffen und Dienstreisen verzichtet. Büroarbeitsplätze sind ins Homeoffice verlegt worden. Das Schichtmodell wurde entzerrt, um Ansteckungen unter den Mitarbeitern zu vermeiden. Angeboten werden im Betrieb auch freiwillige Temperaturmessungen.

Bei der Schirm GmbH in Schönebeck arbeiten 273 Mitarbeiter. An allen deutschen und US-amerikanischen Standorten sind insgesamt 900 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2017 gehört die Schirm GmbH zur südafrikanischen Aktiengesellschaft AECI.