Coronavirus

Schönebeck fährt sich erneut runter

Ab Montag ist das öffentliche Leben wieder heruntergefahren. Das bedeutet auch in Schönebeck und der Region Stillstand.

Schönebeck l Zum vorerst letzten Mal stand Humoristin Josefine Lemke am Freitag, 30. Oktober 2020, noch einmal auf der Bühne. Wie so oft in den vergangenen Monaten nach dem ersten Lockdown war sie im Hotel Acamed Resort Neugattersleben zu Gast. Als „Lisbeth“ präsentierte sie den Besuchern Hüttenkabarett – zumindest denen, die noch da waren. Schließlich dürfen auch Hotels aufgrund des Lockdown „light“, der ab heute gilt, keine touristischen Übernachtungen mehr anbieten und Josefine Lemke die geplanten Auftritte in dem Hotel nun nicht mehr wahrnehmen.

Dabei findet die Humoristin aus Eggersdorf: „Die Kultur ist kein Treiber der Infektionszahlen nach oben. Abstand und Hygieneregeln wurden eingehalten.“ Das Kabarett-Angebot für die Hotelgäste habe der Hotelchef nach dem ersten Lockdown geschaffen, berichtet Josefine Lemke. Maximal 30 Hotelgäste konnten sich das Programm der Humoristin ansehen. Für die Eggersdorferin fallen aufgrund der neuen Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus aber nicht nur diese Engagements flach, sondern auch alle anderen, die im November, dem Monat, in dem schon viele Weihnachtsfeiern stattfinden, angestanden hätten. Statt der üblichen 200 Auftritte im Jahr kommt sie 2020 voraussichtlich auf 125. Das sind finanzielle Einbußen, die Josefine Lemke dazu zwingen, an ihr Erspartes zu gehen. Trotzdem sagt sie: „Es ist nunmal so, wie es ist.“

Zwar sollen Künstler von der Bundesregierung finanziell unterstützt werden – konkret ist geplant, ihnen 75 Prozent der Einnahmen vom November vergangenen Jahres als Umsatzausfall zu zahlen – doch steht das noch nicht fest. „Es wäre schön gewesen, wenn da nicht nur ein Produkt in den Raum gestellt wird, sondern dieses auch schon sicher ist“, findet Josefine Lemke.

Massiv eingeschränkt durch den neuerlichen Lockdown sind auch Gastronomen. So muss trotz funktionierendem Hygienekonzept seit heute auch das Restaurant Adria in Schönebeck schließen. Zumindest für Vor-Ort-Gäste. Abgeholt werden dürfen Bestellungen weiterhin. „Ich werde auch diesen Lockdown überstehen“, ist sich Restaurant-Chef Davor Mandic aber sicher.

Seine Gedanken drehen sich aktuell weniger um sich selbst als um sein Personal, das er jetzt teils wieder in Kurzarbeit schicken muss. Dabei war die Kurzarbeit-Phase doch gerade erst überstanden, er wollte sogar einen neuen Koch und eine neue Kellnerin anstellen. Das hat sich mit dem Lockdown „light“ aber vorerst erledigt. Wie während des ersten Lockdowns wird es in seinem Restaurant Speisen zur Abholung geben. Einen Lieferservice will er nicht einrichten. „Der Aufwand wäre zu groß“, sagt Davor Mandic.

Sein Weihnachtsgeschäft wird Davor Mandic auch nicht wie geplant durchführen können. Damals, im Dezember 2019 als Corona noch keine Rolle gespielt hat, hatten schließlich schon viele Leute einen Tisch reserviert – ohne dass Davor Mandic Abstände einplanen musste. Viele Reservierungen kann er aus diesem Grund nicht einhalten, bittet deshalb vor allem die Leute, sich im Restaurant zu melden, die keine Rufnummern hinterlassen hatten.

Stillstand herrscht ab sofort auch bei (Sport-)vereinen. Bereits am Wochenende war der Sportbetrieb bei Union Schönebeck eingestellt, Spiele nach einer Sitzung des Präsidiums am Donnerstag abgesagt worden. „Wir sind total traurig, dass wir zu diesem Schritt erneut gezwungen werden“, sagt Frank Wedekind, Vizepräsident des größten Schönebecker Vereins. „Ich hoffe, dass es bei den angesetzten vier Wochen bleibt, die wir, ohne gemeinsam Sport treiben zu können, überstehen müssen“, hofft Wedekind inständig.

Geschlossen sind ab heute im Zuge des Lockdowns in Sachsen-Anhalt auch Einrichtungen der Freizeitgestaltung wie beispielsweise Museen und Schwimmbäder. So auch das Salzlandmuseum und des Solequell. Veranstaltungen sind untersagt. Und auch Kosmetikstudions, Massagepraxen und Tattoo-Studios müssen schließen. Medizinisch notwendige Behandlungen dürfen aber weiterhin durchgeführt werden.

Im Gegensatz zum Lockdown im Frühjahr dürfen zumindest in Sachsen-Anhalt Tiergärten und Zoos geöffnet bleiben, so auch der Bierer Berg. Und auch Friseursalons sowie Groß- und Einzelhandel, sprich alle Geschäfte, bleiben geöffnet.