Christopher Street Day

Schönebeck im Regenbogen-Rausch

Da haben viele Schönebecker nicht schlecht geguckt als am Sonnabend, 3. Juli 2021, der erste Christopher Street Day durch die Straßen rollte.

Von Bianca Oldekamp 04.07.2021, 14:25
Mehrere hundert Demonstraten sind am Sonnabend, 3. JUli 2021, vom Salzblumenplatz durch einige Wohngebiete, an der Magdeburger Straße entlang und über die Leipziger und die Friedrichstraße zurück zum Salzblumenplatz gezogen. Mit dabei: dutzende Regenbogenflaggen und laute Musik. Kein Wunder also, dass viele Schönebecker auf das bunte Treiben auf der Straße aufmerksam wurde.
Mehrere hundert Demonstraten sind am Sonnabend, 3. JUli 2021, vom Salzblumenplatz durch einige Wohngebiete, an der Magdeburger Straße entlang und über die Leipziger und die Friedrichstraße zurück zum Salzblumenplatz gezogen. Mit dabei: dutzende Regenbogenflaggen und laute Musik. Kein Wunder also, dass viele Schönebecker auf das bunte Treiben auf der Straße aufmerksam wurde. Foto: Bianca Oldekamp

Schönebeck - Es war laut. Es war bunt. Es war der erste Christopher Street Day in Schönebeck. Und zu dem waren am Sonnabend, 3. Juli 2021, Hunderte gekommen. Hunderte, die finden: „Ohne Homophobie ist Schönebeck schöner.“ Und genau diese Aussage stand auf einem Banner, das die Organisatoren, der Verein CSD Magdeburg, auf ein Plakat gedruckt hatten, das den Demonstrationszug, der sich am Sonnabend durch die Straßen Schönebecks bewegte, anführte.

Eine Demonstration, die so laut war, dass gefühlt halb Schönebeck auf das Treiben auf den Straßen aufmerksam werden musste. Die Menschen schauten aus ihren Fenstern und Türen, hielten am Straßenrand an, verließen ihre Kleingärten, um zu sehen, was da los war. Und es war einiges los.

Regenbogenflaggen in Schönebeck

Die Musik des CSD-DJs wummerte durch die Straßen, die Demonstranten bewegten sich tanzenden fort. Überall zu sehen waren Regenbogenflaggen, bunte und ausgefallene Klamotten. Und auch das Schönebecker Rathaus, beziehungsweise die drei Flaggen, die am Sonnabend vor dem Rathaus gehisst waren, erstrahlten in den Farben des Regenbogens. Immerhin war Andrea Alzuro-Lopez als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Schönebeck die Schirmherrin des ersten Schönebecker CSD, und so war sie es, die die Demonstration und das sich anschließende Straßenfest auf dem Salzblumenplatz eröffnete. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, der Demonstration vom Anfang bis zum Ende beizuwohnen. Immerhin rund zwei Stunden führte diese zu Fuß durch die Stadt.

Mit dabei waren auch viele der Künstler, die die Organisatoren Michell Wenzel aus Schönebeck und Falko Jentsch aus Magdeburg vom Magdeburger CSD-Verein zum Straßenfest geladen hatten, darunter „Miss*ter CSD Sachsen-Anhalt und Botschafter*in der Liebe“ Cassia Curiouss und Amy Curiouss, die Wolfsburger Drag Queen Tatjana Taft im eigenen Demo-Cabrio inklusive Chauffeur. Diesen Luxus hatten auch zwei der Schwestern der perpetuellen Indulgenz, einem weltweit agierenden „Orden“, dessen Mitglieder sich selber als queere Nonnen des 21. Jahrhunderts bezeichnen.

Petplayer „Freie Wuffel“ mit dabei

Mit einem eigenen Demowagen dabei waren auch die Mitglieder des Vereins Freie Wuffel aus Hannover, die ihr Kommen spontan angekündigt hatten. Die Freien Wuffel sind sogenannte Petplayer (Tierrollenspieler), da ertönte während der Demo auch das ein oder andere Mal Hundegeheul durch die Straßen Schönebecks – nichts ungewöhnliches, für die Mitglieder der CSD-Community, wohl aber für so manchen Passanten. Doch von bösen Blicken oder gar homophoben Einstellungen war an diesem Tag in Schönebeck nichts zu spüren. Die Stadt, besser gesagt ihre Einwohner, präsentierten sich offen. Da wurde gewunken, mitgetanzt und gemeinsam gelacht.

„Besser hätte es nicht laufen können“, findet das Orga-Duo nach dem Demonstration, während der Demo-Lkw zur Bühne umgebaut wurde. Schließlich stand im Anschluss noch das Straßenfest mit Ständen und Bühnenprogramm aus Gesang und Comedy an.

Zweiter CSD in Schönebeck kann kommen

Und wie steht es um einen zweiten Christopher Street Day in Schönebeck? „Wir können uns das gut vorstellen“, sind sich Michell Wenzel und Falko Jentsch einig. Und auch Gleichstellungsbeauftragte Andrea Alzuro-Lopez hätte nichts dagege

n. Sie sagt: „Es ist alles super gelaufen, das können wir gern wiederholen.“ Und das sehen wohl alle so, die am Sonnabend dabei waren – ob nun nur bei der Demo, nur beim anschließenden Straßenfest oder den ganzen Tag im Zeichen der Toleranz in Schönebeck verbracht haben.