Schönebeck l Das geplante Kombibad in Schönebeck steht derzeit unter keinem guten Stern. Nachdem die Finanzierung und damit auch die Umsetzung des Vorhabens durch die Stadtwerke vorerst gescheitert ist, wird in dieser Woche doch noch der dazugehörige Finanzplan bei der Stadtratssitzung am Donnerstag auch öffentlich vorgestellt. Und diese Berechnungen des Wirtschaftsprüfungsbüros BBH aus München haben es sich in sich. Denn aus dem Bericht geht hervor, dass das Kombibad ab der bisher geplanten Öffnung 2024 jedes Jahr mindestens 1,4 Millionen Euro Verluste einfahren würde. Tendenz steigend bis knapp 1,9 Millionen Euro im Jahr 2038. Zuviel für die Stadtwerke, wenn die Einnahme aus ihren Netzen in Zukunft sinken werden. Und auch zu viel für die Stadt, die nicht einmal die Investitionen in Höhe von mindestens zwölf Millionen Euro netto stemmen kann.

Zwar ist ein Schwimmbad letztendlich immer ein Zuschussgeschäft für die Kommunen, mit dem sich kein Gewinn machen lässt. Allerdings zahlt die Schönebecker Stadtverwaltung jetzt schon jährlich rund zwei Millionen Euro zum Betrieb des Soleparks und auch zum Solequell-Bades dazu. Daher ist fraglich, wie die Stadt weitere 1,5 Millionen Euro im Jahr zusätzlich für noch ein Bad aufbringen will.

Selbst wenn Schönebeck das Kombibad geschenkt bekäme, was nicht passieren wird, würden die Kosten für den Betrieb den sowieso schon kaum noch vorhandenen finanziellen Spielraum der Stadt weiter einschränken. Das würde wiederum massive Sparmaßnahmen in der Stadt nach sich ziehen. Man könnte sich fast die Frage stellen, ob ein neues Schwimmbad überhaupt so eine gute Idee ist.

Kosten von 12,2 Millionen Euro netto

Bei den Kosten für das Kombibad macht die Finanzplanung der Wirtschaftsprüfer folgende Rechnung auf: 7,8 Millionen Euro für das Hallengebäude, eine Million Euro für den Außenbereich, 3,2 Millionen Euro technische Anlangen und 220 000 Euro für sonstige Ausstattungen. Macht im Ergebnis 12,2 Millionen Euro, was dem Nettobetrag entsprechen würde, den Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) derzeit immer wieder verkündet.

Das Finanzierungsmodell kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis. Vorgesehen ist eine Abzahlung von 850 000 Euro im Jahr, davon 170 000 Euro an Zinsen. Bei einer vorgesehenen Laufzeit von 30 Jahren ergibt das eine Summe von 25,5 Millionen Euro. Das entspräche wiederum genau der Summe, die das Rathaus zu Beginn der Diskussion über das Kombibad genannt hatte. So oder so, die Rechnung ist hinfällig, da weder die Stadt noch die Stadtwerke das Geld haben.

58.700 Besucher werden erwartet

Interessant sind die den Berechnungen zugrunde liegenden Details dennoch. So gehen die Planer davon aus, dass das Kombibad im Jahr 58 700 Besucher haben würde. Diese sollte sich wie folgt aufteilen: Schwimmhalle (33 800 Gäste), Freibad (10 500), Gymnastikraum (8000) und Schulsport (6400). Insgesamt sollten auf dieser Grundlage 320 000 Euro an Eintrittsgeldern eingenommen werden. Wobei der angesetzte Eintritt von sieben Euro für Erwachsene von einigen Stadträten in der Vergangenheit bereits als zu hoch und unrealistisch kritisiert wurde. In der alten Volksschwimmhalle liegt der Eintritt wegen der Corona-Krise bei 2,50 Euro, wobei die Besucher derzeit nur eine Stunde bleiben dürfen.

An Personal sind insgesamt 14 Mitarbeiter für das Kombibad vorgesehen. Die Kosten sollen dafür laut dem Finanzplan bei rund 725 000 Euro liegen.

Beim Thema Fördermittel warnt der Finanzplan der Wirtschaftsprüfer ausdrücklich davor, dass viele Förderperioden der EU im Jahr 2020 auslaufen und dass eine Fortsetzung der jeweiligen Programme ungewiss ist. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Fördermittel vor Beginn eines Verfahrens mit Ausschreibungen beantragt werden müssen.

Dass der Kombibad-Finanzplan bei der Stadtratssitzung am Donnerstag in der öffentlichen Sitzung vorgestellt wird, geht auf einen Antrag der Bunten-Fraktion aus FDP/Grüne/ Below/Kowolik zurück. Die Fraktion hatte bereits Anfang Mai beantragt, dass der Finanzplan auf die Tagesordnung der Stadtratssitzung am 14. Mai in öffentlicher Sitzung gesetzt wird. Für Donnerstag hat es nun geklappt, dass der Finanzplan in der Stadtratssitzung vorgestellt wird. Begründung: „Das Kombibad ist ein Projekt, das für das öffentliche Leben in Schönebeck wichtig ist. Deshalb soll auch die Diskussion über die Stadt betreffende Aspekte des Kombibades grundsätzlich öffentlich geführt werden“, teilte Fraktionsvorsitzender Thoralf Winkler (Grüne) in einem Schreiben an die Stadtverwaltung mit.

Dass die Präsentation des Finanzplans zunächst nur „im nichtöffentlichen Teil erfolgen soll, kam überraschend“, so Thoralf Winkler. Sollten von dem Plan auch nichtöffentliche geschäftliche Belange der Stadtwerke betroffen sein, könnten diese wiederum in den nicht-öffentlichen Teil der Sitzung verlegt werden.

Bei der Staatsratssitzung will Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) öffentlichen über den Finanzplan für das Kombibad informieren. Auch zwei Mitarbeiter des Wirtschafprüfungsbüros BBH, das den Plan aufgestellt hat, werden sich dazu äußern.

Öffentliche Sitzung des Stadtrates. Kurpark, Dr.-Tolberg-Saal. am Donnerstag, 17 Uhr.