Schönebeck l Wenn etwas zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist es das in der Regel auch. Und so war es wohl auch in diesem Fall. Vor einem Monat tauchte eine vermeintliche Ausschreibung im Internet auf, der zufolge Bauunternehmen für die Sanierung des geschlossenen Schönebecker Freibades gesucht werden. Als Auftragsvolumen wurden 1,5 Millionen Euro angegeben, auch konkrete Arbeiten wurden bereits erwähnt.

Obwohl das eigentlich eine gute Nachricht hätte sein können, witterten einige Stadträte bereits eine Verschwörung, wonach die Stadtverwaltung eine vermeintliche Lösung für das leere Becken verschweigen würde. Warum auch immer die Verwaltung das tun sollte. Beim Thema Bäderlandschaft wird der Stadt mittlerweile offenbar von einigen alles (oder wahlweise nichts) zugetraut.

Stadtwerke geschockt

Noch absurder wurde das Ganze, da als angeblicher Bauherr in der Ausschreibung – die streng genommen auch nur eine Projektinformation oder Bauabsichtserklärung war – die Stadtwerke Schönebeck angegeben waren. Das kommunale Unternehmen ist zwar trotz Rückschläge immer noch für den Neubau einer Schwimmhalle im Gespräch. Von einer Sanierung des Freibades hält man bei den Stadtwerken aber eher weniger, um es vorsichtig auszudrücken. In der dortigen Pressestelle reagierte man auf eine Anfrage der Volksstimme zu dem angeblichen Auftrag auch dementsprechend offensichtlich geschockt. Stadtwerkechef Friedrich Husemann musste sogar aus dem Urlaub klarstellen: Alles Blödsinn!

Sowohl Stadtverwaltung als auch Stadtwerke dementierten also heftig, irgendetwas mit dieser vermeintlichen Ausschreibung zu tun zu haben. Doch was konnte nur dahinter stecken? Egal, ob irgendjemand die Unwahrheit sagen oder noch ein anderer irgendjemand bewusst Falschmeldungen verbreiten sollte: Jede nur denkbare oder undenkbare Erklärung schien einigermaßen verstörend zu sein.

Zumal der Betreiber der Internet-Plattform, auf der der Auftrag aufgetaucht war, die DTAD 360 aus Berlin, den Auftrag mit der Nummer 16499733 für das Freibad auf Nachfrage von Schönebecker Stadträten und von der Volksstimme auch noch ausdrücklich als authentisch bestätigte. Zudem versicherte das Unternehmen, dass nur angemeldete Kunden Aufträge in das kostenpflichtige Portal einstellen könnten.

Zumindest am Anfang. Nachdem die Stadtwerke den Betreibern des Internet-Portals höflich, aber bestimmt, mit juristischen Schritten gedroht hatten, wurde die vermeintliche Ausschreibung umgehend aus dem Internet gelöscht.

Wer ist der "externe Rechercheur"?

Bei der Internet-Firma in Berlin setzte nun eine hektische Fehlersuche ein. Auf erneute Nachfrage der Volksstimme teilte eine Unternehmenssprecherin vielsagend nichtssagend mit: „Da uns die Qualität und korrekte Abbildung von Daten in unserer Vertriebsplattform DTAD 360 enorm wichtig sind, prüfen wir aktuell intensiv, auf welcher Basis diese Meldung entstanden ist.“ Und weil die Stadtwerke offenbar Ernst machten, wurde die nächste Rückmeldung noch einsilbiger: „Mit Blick auf ein mögliches Einleiten rechtlicher Schritte können wir derzeit keine weiteren Informationen hierzu geben.“

Seitdem äußert sich das Unternehmen nicht mehr öffentlich. Doch die Auseinandersetzung mit Stadtwerken und Stadtverwaltung dauert an. Bei der Sitzung des Stadtrates am Donnerstag teilte Oberbürgermeister Bert Knoblauch mit, dass der Betreiber des Internet-Portals nach eigenen Angaben die Ursache für das Problem gefunden habe.

Demnach habe also ein „externer Rechercheur“, der für das Internet-Portal tätig sein soll, einen Fehler gemacht. Diese Person soll aus einem Zeitungsartikel der Volksstimme einen Text verfasst haben. Das Unternehmen könne sich noch nicht erklären, warum das Qualitätsmanagement dieses Vorgehen nicht verhindert hat.

Offenbar werden bei diesem Portal doch nicht nur Beiträge von zahlenden und registrierten Kunden eingestellt, sondern eben auch aktiv durch Mitarbeiter des Unternehmens eingeholt. Und zwar ohne die beteiligten Akteure zu informieren; weder die Stadtwerke noch die Stadtverwaltung noch die Volksstimme, der diese Informationen entnommen worden sein sollen.

Angeblich handelt es sich um einen Volksstimme-Bericht vom 10. Juni 2020, Titel: „Kombibad: Baurecht ohne Geld?“ Das Problem: Konkrete Angaben zum Freibad werden im Artikel gar nicht gemacht. Sieht so aus, als wäre das Rätsel doch noch nicht ganz gelöst.