Schönebeck. Eigentlich möchte Jugendwart Dustin Joo es nicht so nennen, aber die Schönebecker Jugendwehr hat ein Luxusproblem. „Wir haben so viele Interessenten, dass wir einen Aufnahmestopp verhängen mussten“, sagt der junge Mann aus Schönebeck. 23 junge Mitglieder zählt die Schönebecker Jugendwehr an der Tischlerstraße, davon immerhin sieben Mädchen. Und mehr können der Jugendwart, sein Stellvertreter Alexander Lange und sechs weitere Helfer derzeit einfach nicht betreuen. Denn es ist ziemlich aufwendig, den Jugendlichen den Umgang mit Feuerwehrtechnik und den Brandschutz altersgerecht zu vermitteln. Dustin Joo ist allen Helfern der Jugendwehr daher für ihr Engagement auch sehr dankbar.

Kein Platz für Nachwuchs

Abgewiesen wird dennoch niemand. „Wenn Kinder und Jugendliche zu uns kommen, verweisen wir sie an die Jugendwehren in den anderen Stadtteilen. Dort herrscht immer noch großer Bedarf an Nachwuchs“, sagt Dustin Joo. Wobei es egal ist, in welchen Stadteilen die jungen Interessenten wohnen. Und im Laufe des kommenden Jahres wechseln fünf Nachwuchskräfte zu den aktiven Einsatzkräften – dann kann auch die Schönebecker Jugendwehr an der Tischlerstraße wieder neue Mitglieder aufnehmen.

Derzeit bereiten sich die jungen Feuerwehrleute auf den Tag der offenen Tür am Gerätehaus am Sonnabend vor. Dann feiert nicht nur die Feuerwehr ihr 145-jähriges Jubiläum, auch die Jugendwehr besteht dann seit 25 Jahre. Und so ist der Jugendwart mit seinen vierundzwanzigeinhalb Jahren im Jahr 1993 geboren, in dem auch die Jugendwehr gegründet wurde.

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Im Alter von 15 Jahren fand Dustin Joo schließlich seinen Weg zur Jugendwehr. „Damit war ich schon verhältnismäßig alt“, sagt er. Vorher war er bei der Malteser Jugend aktiv, zumindest bis die Gruppe aufgelöst wurde. „Ich habe mir verschiedene Hilfsorganisationen angeschaut und mich für die Feuerwehr entschieden“, erzählt er. Denn die Feuerwehr fand er am spannendsten, nicht zuletzt wegen der vielen Einsätze der Aktiven. Über sein Engagement sagt er: „Natürlich spielt da auch ein Helfersyndrom eine Rolle. Aber ich finde die Feuerwehr wichtig, weil jeder Mal ihre Hilfe gebrauchen kann.“ Die Arbeit als Jugendwart bedeutet ihm daher viel. „Schließlich muss auch in Zukunft jemand unsere Aufgaben übernehmen“, sagt Joo. „Außerdem macht es Spaß, den jungen Leuten etwas beizubringen. Sie sind mit Begeisterung dabei und freuen sich, wenn ihnen etwas gelingt.“ Und als Ausbilder bei einem Energieversorger hat er festgestellt, das viele Jugendliche sicherer auftreten, wenn sie sich privat engagieren.

Tochter will zur Feuerwehr

Auch seine sechsjährige Tochter interessiert sich inzwischen schon brennend für die Feuerwehr. „Allerdings ist sie noch zu jung und könnte frühestens mit zehn Jahren in die Jugendwehr eintreten“, sagt Dustin Joo sichtlich stolz. Seine Freundin ist hingegen keine Feuerwehrfrau, da sie beruflich sehr eingespannt ist. „Sie hat aber sehr viel Verständnis und hält mir immer den Rücken frei. Ohne sie würde es gar nicht gehen“, sagt er.

In seiner restlichen Freizeit, die er noch hat, kümmert sich Dustin Joo um seine Familie oder treibt Sport. „Ich gehe dreimal in der Woche schwimmen. Deswegen ist es toll, dass wir Feuerwehrleute die Schwimmhalle kostenlos nutzen dürfen“, sagt Joo, der sich nebenbei auch noch für krebskranke Kinder engagiert. So nimmt er mit einigen Kameraden in voller Feuerwehrmontur an Volksläufen zugunsten der kleinen Patienten teil (Volksstimme berichtete).

Vor dem Tag der offenen Tür trainiert die Jugendwehr den Löschangriff, der vor den Gästen vorgesführt wird. Junge Besucher können dann selbst auch eine Kübelspritze ausprobieren. Und wenn ein Kind bei der Feuerwehr eintreten möchte? „Kein Problem. Die Feuerwehr Bad Salzelmen ist beim Tag der offenen Tür auch dabei. Die freuen sich immer über Nachwuchs“, sagt Jugendwart Dustin Joo. Denn abgewiesen wird bei der Feuerwehr niemand.

145 Jahre Feuerwehr Schönebeck: Tag der offenen Tür am Feuerwehrgerätehaus in der Tischlerstraße 5 am Sonnabend ab 10 Uhr.