Schönebeck l „Wenn ich groß bin, möchte ich in Schönebeck leben“, sagt Anjali (11). Gerade einmal zwei Monate haben die kleine Amerikanerin und ihre Familie hier Station auf ihrer Missionsreise rund um die Welt gemacht. In der Zeit hat nicht nur sie die Elbestadt in ihr Herz geschlossen: Mama Sara und Papa Jeff sowie Anjalis Geschwister David (9) und Lucia (5) wollen hier gar nicht mehr weg. David findet: „Hier ist es viel ruhiger als in Madison“ und meint das durchaus im positiven Sinne. Madison ist die Stadt im US-Bundesstaat Wisconsin, aus der die Familie kommt.

Papa Jeff ist vor allem von den historischen Bauwerken, die Schönebeck zu bieten hat, angetan: „Ich meine, schon alleine die Sankt-Jakobi-Kirche ist älter als Amerika!“ Schönebeck habe auch sonst kulturell viel zu bieten, findet er. Schließlich sei jedes Wochenende etwas los.

Rund um die Uhr

Positive Erfahrungen hat die Familie auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gemacht. Ein solches Bus- und Bahnnetz – das gäbe es in Amerika nicht, erklärt der Familienvater.

Nur an eines konnten sie sich während ihrer Zeit hier nicht so richtig gewöhnen: die Öffnungszeiten der Geschäfte. Die seien ein bisschen „komisch“, findet Jeff. „In Madison haben Supermärkte rund um die Uhr offen.“

Die Familie erinnert sich noch gut an ihre ersten Tage hier. Jeff erzählt: „Am Anfang waren wir ein bisschen ängstlich, weil wir gehört hatten, dass viele Deutsche kein Englisch sprechen.“ Doch die Sorge um die Kommunikation war für ihn unbegründet. „Wir haben es immer geschafft, uns zu verständigen - wenn wir mit Englisch nicht weiterkamen, dann mit Deutsch und umgekehrt.“ Die gute Verständigung habe Saras Meinung nach vor allem an der offenen Art der Schönebecker gelegen, die ihnen gegenüber sehr aufgeschlossen und hilfsbereit waren. „Ganz anders als es die Amerikaner gegenüber Fremden wären“, ergänzt ihr Ehemann lachend.

Zwei Jahre geplant

Eine Missionsreise machen, dabei soziale Projekte unterstützen und verschiedene Länder kennenlernen - das war schon lange ein Traum von Sara und Jeff Hayes, die sich viel in ihrer Kirchengemeinde in Madison engagieren. Vor knapp zwei Jahren begannen sie mit der Planung der Reise.

Und wie kamen sie ausgerechnet auf Schönebeck als eine ihrer Stationen? „Unser Freund Christopher Tabisz hat hier mal am Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium unterrichtet“, erklärt Sara. Der wendete sich dann an Pfarrer Johannes Beyer, den er während seines Deutschland-Aufenthalts kennengelernt hatte und fragte ihn, ob es für die Familie für zwei Monate eine Unterkunft und Arbeit in Schönebeck gäbe. „Mir fiel sofort die Wohnung im Gemeindezentrum St. Jakobi ein“, berichtet Pfarrer Johannes Beyer.

Und so kam eins zum anderen: Jeff konnte in den zwei Monaten verschiedene Arbeiten rund um die Kirche St. Jakobi erledigen. Sara unterrichtete an der Käthe-Kollwitz-Grundschule Englisch. Außerdem halfen sie beim „Kinderbibeltag“ mit. Anjali, David und Lucia besuchten jeweils verschiedene lokale Schulen und wurden dort von Lehrern und Schülern herzlich aufgenommen.

Die zwei Monate vergingen für sie wie im Fluge - jetzt geht es schon weiter. Noch in dieser Woche reisen sie nach Köln, um von dort aus nach Thailand zu fliegen - die zweite von insgesamt sechs Stationen auf ihrer Missionsreise. Eines ist sicher: Der Abschied von Schönebeck fällt ihnen alles andere als leicht. „Wir haben hier viele Freunde gefunden. Es ist wirklich traurig, dass wir schon wieder gehen“, findet Sara.

Nach Thailand geht es für die Fünf noch nach Indien, Sri Lanka, Kenia und Rumänien. Momentan spielen Sara und Jeff allerdings mit dem Gedanken, anschließend eventuell noch eine siebte Station zu machen. Und vielleicht ahnen Sie es schon: Sie möchten noch einmal dorthin zurückkehren, wo es ihnen so gut gefallen hat und die Reise ihren Anfang nahm - nach Schönebeck.

Wie könnte die Stadt in zehn Jahren aussehen? Lesen Sie am Donnerstag nach dem Feiertag in der Serie „Zukunft Schönebeck“ dazu ein Interview mit Stadtplaner Michael Gremmes. In dieser Woche steht das Stadtbild im Mittelpunkt.