Großmühlingen/Eickendorf l Im Internet und auf dem sozialen Netzwerk Facebook ging das Thema wie man auf neu-deutsch sagt viral. Das heißt so viel, wie es wurde stark diskutiert. In einer privaten Schönebecker Gruppe, wo Menschen mit verschiedenen Internet-Profilen sich zusammengetan haben, wurde ein Bild geteilt, auf dem eine präparierte Wurst zu sehen ist.

Knapp 50 Kommentar, 100 „Gefällt mir“-Angaben und über 50 Teilungen sprechen eine klare Sprache. Die meisten der Kommentare sind nicht wirklich fähig, um sie in der Zeitung wiederzugeben. Der Umgangston, wenn es um Hundeköder geht, ist ein rauer. Das zeigen auch ältere Beiträge nicht nur in dieser Gruppe. Von „Frechheiten“ und „ekelhaften Menschen“ ist ebenso die Rede wie von „Anzeigen gegen die Schweine“. Ein Nutzer spricht aus, was viele umschreiben: „Muss man jetzt jedes Mal das Grundstück absuchen, bevor der Hund raus darf? Das kann alles nicht mehr normal sein!“

Großer Radius

Der Betroffene ist Fabian Schmidt aus Großmühlingen in der Gemeinde Bördeland. Eine Freundin hatte den Beitrag in die Gruppe gestellt, um einen größeren Radius an Menschen zu erreichen. Auch um diese zu warnen, meint der Großmühlinger.

Bilder

Nach eigenen Angaben verließ Fabian Schmidt um 6 Uhr in der Früh das Haus. Danach muss der Hundehasser aktiv geworden sein und den Köder mit den Schrauben über das große Tor in den Hof geworfen haben. „Erst dachte ich, ein Nachbar wäre das gewesen“, erklärt Fabian Schmidt, der schon lange in dem Haus wohnt. „Das wäre natürlich eine Katastrophe, denn mit allen komme ich eigentlich gut klar, aber auf einen Nachbarschaftsstreit hat wohl keiner Lust“, so Schmidt weiter.

Danach habe der Großmühlinger auch von anderen Fällen aus dem Bördedorf gehört. Auch in Eickendorf soll es weitere Fälle geben. Von insgesamt sieben verschiedenen Geschädigten hat Fabian Schmidt mitbekommen. „Einerseits war ich froh, dass meine Nachbarn diese abscheuliche Tat nicht begangen haben. Auf der anderen Seite fehlen da einem einfach die Worte. Der oder die Täter sind in meinen Augen keine Menschen mehr.“

Präparierte Würstchen

Von Schrauben und Nägeln über Rasierklingen bis hin zu Rattengift sollen die Würstchen präpariert worden sein. Ein Angriff nicht nur auf die Hunde selbst.

Die Polizei aus dem Salzlandkreis hält sich vorerst bedeckt. Marco Kopitz von der Pressestelle in Bernburg sind keine Anzeigen aus der Region bekannt. Auf die Frage, ob es häufig im Salzlandkreis derartige Fälle gibt, antwortet er kurz: „Nicht mehr als in anderen Landkreisen.“ Weiter berichtet er, dass es von Fall zu Fall unterschiedlich ist, wie die Polizei vorgeht. „In der Regel werden Halter und Zeugen befragt, Köder zumindest fotografisch gesichert und ein Abgleich mit anderen Fällen aus der Region erfolgt.“

Auch dem Ordnungsamt der Gemeinde Bördeland sind bisher noch keine weiteren Fälle bekannt. Andreas Plunkte, Leiter des Ordnungsamts der Gemeinde Bördeland, erklärt, was den Tätern blüht: „Eine Einleitung eines Strafverfahrens wegen Tierquälerei und Sachbeschädigung droht. Wer Giftköder auslegt, macht sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar. Eine Geldstrafe kann bis in die Höhe von 25.000 Euro gehen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren wird verhängt.“

Qualvoll verenden

Doch auch diese Strafen bringen die Hunde, die meist qualvoll an den Ködern verenden, nicht zurück. Fabian Schmidt hatte Glück im Unglück. „Ich habe noch einen kleinen Zaun im Hof. Nur deswegen hatten meine drei Hunde nicht die Chance, den Köder zu fressen“, erläutert er.

Wie kann man nun seine liebgewonnen Lieblinge vor den Tierhassern beschützen? Kerstin Kauert, Vorsitzende des Schönebecker Tierschutzvereins, hat keine 100-prozentige Lösung für das Problem. „Leider gibt es immer wieder Menschen, die ohne Hirn und Skrupel Tieren Schaden zufügen. Beim Ausgang ist natürlich eine Leine zu empfehlen. Aber im eigenen Garten kann man sich nie ganz sicher sein, dass doch jemand was über die Mauer wirft.“

„Immer versuchen, alles im Auge zu behalten“, lautet der Tipp von Marco Kopitz. Doch wenn man wie Fabian Schmidt auf der Arbeit ist, fällt dies sicherlich schwer.

Eigentlich auf Montage

Eigentlich müsste er auf Montage arbeiten und dort auch Schlafen. „Jetzt komme ich aber abends immer nach Hause“, so Fabian Schmidt. Er vermutet, dass Einbrecher hinter den Anschlägen stecken könnten, welche den oder die Hunde vorher ausschalten wollten. „Die können ruhig kommen. Ich hab hier keine Wertgegenstände im Haus“, scherzt Fabian Schmidt. „Und an meinen (Wach-) Hunden müssen die auch erstmal vorbei.“