Calbe l Der Schock war groß, als im Sommer durchsickerte, dass der Salzlandkreis kein Geld für die geplante Sanierung des Schillergymnasiums in Calbe bekommen würde. In der Sommerpause des Kreistages wurde eifrig telefoniert, um abzufragen, ob ausreichend Kreistagsmitglieder einer Einladung zu einem Sonderkreistag folgen würden, um das Thema zu besprechen. Erwogen wurde dabei, gegen die Ablehnung der Fördermittel vor Gericht zu ziehen, bestätigten Kreistagsmitglieder. Die Zweifel waren groß, ob sich damit das benötigte Geld für den Umbau beschaffen ließe. Denn in der Regel gibt es für den Antragsteller auf Fördermittel keinen Rechtsanspruch auf die Bewilligung. Der Ausgang eines solchen Verfahrens ist daher höchst ungewiss und führt in der Regel nicht dazu, dass der Kreis in Zukunft zuverlässiger an Fördermittel kommt, lehnte der Kreistag den Gang durch die Justiz ab.

Doch was steckt hinter der Ablehnung des Fördermittelantrages? Offiziell, so heißt es, habe die zuständige Investitionsbank des Landes viel mehr Förderanträge bekommen, als Mittel dafür zur Verfügung stehen. Nicht alle Kreistagsmitglieder wollten dies so glauben und griffen zum Telefonhörer, bestätigt ein Kreistagsmitglied. Inhaltlich, so sickerte anschließend durch, sei der Antrag des Salzlandkreises in der Beurteilung, wer Landesgeld bekomme, durchgefallen. Die Geldgeber hätten sich von dem Projekt nicht überzeugen lassen.

Zurückhaltung

Die sonst schnell reagierende Pressestelle der Kreisverwaltung hält sich bei diesem Thema sehr zurück. Auf konkrete Nachfragen der Volksstimme vom 21. August antwortete die Kreisverwaltung bislang nicht. Gefragt wurde dabei auch nach den konkreten Gründen für die Versagung der Fördermittel. Erst bittet Pressesprecherin Marianne Bothe um mehr Zeit, um dann mitzuteilen, dass „eine Beantwortung Ihres Fragenkataloges zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen ist“.

Längst hat die Verwaltung damit begonnen, einen neuen Anlauf für die Sanierung des Schulstandortes in Trägerschaft des Salzlandkreises zu nehmen. „Derzeit erarbeitet die Verwaltung den neuen Fahr- bzw. (hier passender) Bauplan, wie die Sanierung/Modernisierung des Gymnasiums Calbe erfolgen soll und wie sich das im Haushalt und in der Entwicklung der Schullandschaft insgesamt widerspiegelt“, teilt sie mit. Um die Vertrauensbasis in der Zusammenarbeit mit den Kreistagsmitgliedern zu wahren, wollen die neuen Pläne zunächst im Kreistag vorgestellt werden.

Warum aber die Fragen nach dem gescheiterten Projekt nicht beantwortet werden, lässt die Pressestelle indes offen. Warum darf der Bürger nicht erfahren, welche konkreten Probleme es bei der geplanten Sanierung gibt? Schließlich besuchen Hunderte Schüler täglich die Ganztagsschule an der Saale. Auch Schulleiter Rolf-Uwe Friederichs wird regelmäßig von den Eltern gefragt, ob er etwas wisse, schildert er.

Neue Fenster und Türen

In der Vergangenheit hat das Hauptgebäude schon mal neue Fenster und Türen bekommen. Dennoch ist der Sanierungsstau dem Gymnasium bereits von der Straße aus anzusehen. Die Lehrer parken auf einem unbefestigten Platz vor dem Haupthaus. Um mit der wachsenden Schülerzahl Schritt halten zu können, hat das Gymnasium einen modernen Anbau in der Vergangenheit erhalten. In einem der modernsten Gebäude der Stadt trifft sich auch regelmäßig der Stadtrat für seine öffentlichen Sitzungen. Über ein langgestrecktes Gebäude ist der Neubau mit dem alten Schulhaus verbunden. Hier offenbart sich der Sanierungsstau. Zwar ist der einst lange, durchgehende Flur inzwischen von riesigen Glaswänden unterteilt, um Brandschutzabschnitte herzustellen. Doch die alten Türen zu den Klassenräumen zeigen, dass nur an einigen Stellen investiert und erneuert wurde. Es fehlte bislang ein schlüssiges Konzept.

An diesem Konzept arbeiten die Fachabteilungen der Kreisverwaltung nach den Worten von Kreissprecherin Marianne Bothe aktuell. Wann der Kreistag über die neuen Baupläne informiert wird, lässt sie offen. Interessant ist in diesem Zusammenhang ebenfalls, wie sich die Demografie auf den Standort auswirkt. Zwar steigen die Schülerzahlen entgegen der Landesprognose an und führen zu Engpässen in der Lehrerversorgung in den Grundschulen. Doch wie wirkt sich der demografische Faktor auf das Gymnasium aus? Auch dazu will der Landkreis keine Stellung nehmen. Dabei wäre es für Eltern und Bürger sicherlich interessant zu wissen, mit welchen Schülerzahlen der Kreis in den kommenden zehn Jahren am Standort rechnet und wie sich das heute bereits auf die Planungen zur Sanierung des Gebäudes auswirken könnte.