Schönebeck l „Wir wollen nicht, dass der Baum wegkommt. Aber ausästen und etwas kürzen“, sagt Gabriele Friedrich am Ende des Gesprächs am Lesertelefon. Sie weiß nicht mehr weiter und versteht die ablehnende Haltung der Stadt nicht.

Rückblick: Familie Friedrich wohnt in der Worth. Vor ihrer Haustür steht eine Birke, „die bis in den Himmel gewachsen ist“. In der obersten Wohnung lebt ihr Sohn. „Wenn dolle Wind ist, biegt sich der Baum so sehr, dass er auf Gaube und Dach schlägt“, erzählt sie. Damit die Gefahr bei Sturm gebannt ist, habe sie das Ordnungsamt der Stadt informiert, mit der Bitte, sich die Gegebenheit vor Ort anzuschauen und zu handeln, schildert Gabriele Friedrich. Dieses habe wiederum das Grünflächenamt verständigt. Die Mitarbeiterin habe ein Ausästen und Kürzen abgelehnt, schildert sie am Lesertelefon. „Sie hat gesagt, wenn die Birke beschnitten wird, geht sie ein“, gibt sie wieder.

Das sagt die Stadt

Auf diese Situation angesprochen, teilt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz mit: „Die Birke am kleinen Parkplatz in der Worth ist in einem guten Zustand.“ Vom Baum würden derzeit keine erkennbaren Gefahren ausgehen. Somit seien diesbezüglich keine baumpflegerischen Maßnahmen erforderlich.

Vom Wohngebäude sei die Baumkrone mehrere Meter entfernt. Eine Einkürzung der Krone sei daher weder erforderlich noch fachlich richtig, weil Birken empfindlich auf größere Schnittmaßnahmen reagieren, so Hans-Peter Wannewitz. Fäulnis und Vitalitätsverlust wären die Folge. „Der Erhalt des Baumes, der gerade im dicht bebauten Bereich Worth Sauerstoff und Schatten spendet und das Ortsbild belebt, ist wichtig.“

Das sagt der Nabu

Würde eine Birke nach einem Schnitt eingehen? „Ich kenne einige Birken, die beschnitten wurden und trotzdem wieder austrieben, wenn die Kürzung und der Schnitt fachmännisch durchgeführt wird“, informiert Michael Wunschik, Vorsitzender der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Nach den Arbeiten durch eine qualifizierte Fachfirma sehe der Baum danach auch noch wie ein Baum aus. Er werde schonend mit der richtigen Schnitttechnik behandelt, man beschränke sich auf die notwendigen Kürzungen. Dadurch werde das Verletzungsrisiko und das Eindringen von Krankheitserregern wie Pilzinfektionen gemindert. „Bei unsachgemäßen Schnittarbeiten kann ich mir vorstellen, dass der Baum nach der Behandlung eingehen kann“, so Michael Wunschik.