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Umweltprojekt Entschlammung für den Artenschutz

Die Auengewässer zwischen Schönebeck und Magdeburg verschlammen und verlanden zusehends. Das soll sich ändern.

Von Paul Schulz 13.09.2020, 01:01

Schönebeck/Elbenau l Satte 740.000 Euro werden für ein Naturschutzprojekt vor den Toren Schönebecks, konkret an den Elbauen bei Elbenau, aufgebracht. Ziel ist es die Dornburger Alte Elbe zu reaktivieren, den Lebensraum zahlreicher Insekten, Amphibien und Pflanzen zu retten. Finanziert wird das Projekt, das von August dieses Jahres bis Juni 2022 läuft, aus europäischen Mitteln und mit Zuschüssen vom Land Sachsen-Anhalt. 75 Prozent, das sind 555.000 Euro, stammen demnach aus dem europäischen ELER-Fonds. Die restlichen 185.000 Euro schießt das Land dazu.

Wie die Projektkoordinatoren Ralf Meyer und Christian Kunz vom Trägerverbund Burg Lenzen e.V. betonen, wird es dringend Zeit, etwas zu unternehmen. Die Dringlichkeit spiegelt sich darin wider, dass Arten wie die Grüne Mosaikjungfer (Libelle) – die jahrelang an der Alten Elbe nachgewiesen werden konnte – bei der letzten Untersuchung im Jahr 2019 nicht mehr entdeckt wurde. Hauptursache dafür ist der massive Rückgang der Krebsschere, erklärt Christian Kunz. Das Schicksal der Grünen Mosaikjungfer ist nämlich eng mit dem Bestand der Wasserpflanze verwoben, da diese der Libelle zur Eiablage dienen und sich die Larven dort entwickeln und schlüpfen.

Doch das Vorkommen dieser bedrohten Wasserpflanze ist stark rückläufig. Laut Ralf Beyer wurde östlich der Straße Elbenau-Calenberge (K1297) keine Krebsschere mehr festgestellt. Schuld sind die vergangenen Dürrejahre und die damit verbundene Verschlammung des Altwassers. Die Krebsschere treibt nämlich dichte Büschel langer, unverzweigter Wasserwurzeln nach unten, um Nährstoffe aus dem freien Wasser aufnehmen. Dafür sind die Gewässer aber mittlerweile zu flach. „Das Verschwinden der Krebsschere geht verdammt schnell“, fasst Christian Kunz zusammen.

Um die Dornburger Alte Elbe wieder in einen geeigneten Lebensraum zu verwandeln, sollen im Rahmen des Projekts zwei Teilbereiche entschlammt werden. Dafür müssen nun aber zunächst Genehmigungs- und Ausführungsplanungen erarbeitet werden, bevor die bauliche Ausführung starten kann.

Neben Krebsschere und Mosaikjungfer würde auch ein kleiner Froschlurch – die Rotbauchunke – von der Maßnahme profitieren. Die Elbauen werden von dieser Amphibienart nämlich als Laichgewässer genutzt. Die Rotbauchunke mit ihrem charakteristischen Paarungsruf steht in Deutschland bereits auf der Roten Liste und ist demnach stark gefährdet. Ihr Lebensraum, und der anderer Amphibien, wird aufgrund von Verlandung, immer kleiner. Mit der Revitalisierung der Gewässer der Alten Elbe wird also ein Beitrag zum Schutz dieser und weiterer Arten geleistet.

Ralf Meyer wagt die Prognose, dass im Sommer 2023 die ersten positiven Effekte feststellbar werden könnten.

Neben direkten Maßnahmen wie der Entschlammung stellt auch die Förderung des Umweltbewusstseins einen zentralen Bestandteil des Projekts dar. So soll die Öffentlichkeit über das Projekt unterrichtet werden, indem Flyer erstellt und Informationstafeln aufgestellt werden, informiert das Umweltministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Zudem sollen naturkundliche Führungen durchgeführt werden, zum Beispiel für Schulklassen.

Das ist übrigens nicht das erste Vorhaben des Trägerverbund Burg Lenzen, das mit europäischen Geldern gefördert wurde. Vor der nun anstehenden Maßnahme hat der Verbund ein naturschutzfachliches Gesamtkonzept zur Entwicklung der Dornburger Alten Elbe erstellt. Das von Mai 2017 bis Dezember 2019 andauernde Projekt wurde mit rund 327.000 Euro unterstützt. Und in diesem Konzept wurden die Voraussetzungen zur Umsetzung des nun bewilligten Projekts geschaffen.

Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) sagt über das Projekt: „Wir müssen das Artensterben stoppen – auch hier an der Elbe. Mit dem Engagement des Bunds mit seinem Verein ‚Burg Lenzen‘ sichern wir an der Dornburger Alten Elbe die wertvolle Auenlandschaft.“