Welsleben l Motorengeräusche liegen in der Luft und in regelmäßigen Abständen rauschen Autos von der Bundesstraße 246a nach Welsleben rein. Abbremsen: von 100 auf 50 km/h. Nicht jeder schafft es, dass auf der leuchtenden Anzeige am Ortseingang eine glatte 50 und ein lächelnder Smiley stehen. Das ist ein Problem: Denn am Ortseingang befindet sich eine Verkehrsinsel, die den Fußgängern das Überqueren der Straße erleichtern soll. Früher stand an dieser Stelle eine Ampel. Für die Bewohner Welslebens eine deutlich bessere Alternative: „Man schafft es kaum, mit einem Mal über die Straße zu kommen. Aber da müssen Kinder und ältere Menschen drüber, weil auf der anderen Straßenseite die Einkaufsmöglichkeiten sind“, sagte ein Ortschaftsratsmitglied bei der Sitzung vergangenen Monat. Auch der Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Korn bestätigt die Relevanz des Themas: „Es ist uns im Ortschaftsrat sehr wichtig, dass eine Lösung für diese Stelle gefunden werden kann. Die Stelle ist viel befahren und Schüler überqueren die Straße, um zur Bushaltestelle zu kommen. Und zum Einkaufen muss man die Straße auch passieren“, schildert er die Situation.

Die Diskussion um die Ampel ist nicht neu, die Volksstimme berichtete mehrfach über die Situation. Doch die Wichtigkeit des Themas bliebe laut dem Ortsbürgermeister bestehen: „Deswegen war es auch wieder Thema bei der Ortschaftsratssitzung“, so Korn.

Neu an der Situation ist allerdings, dass die Stelle in diesem Jahr als Unfallschwerpunkt gelten könnte. Dann könnte eine neue Bewertung der Verkehrslage stattfinden, wenn ein entsprechender Antrag beim Salzlandkreis eingereicht wird. Ein Unfallschwerpunkt kann festgestellt werden, wenn an einer Stelle mehr als fünf registrierte Unfälle im Jahr auftreten, teilt Marianne Bothe vom Salzlandkreis mit. Auf Nachfrage bei der Polizei ergab sich, dass in diesem Jahr bereits vier Unfälle an dieser Stelle registriert wurden: „Zweimal Vorfahrt - mit einer leicht verletzten Person, einmal Abbiegen, einmal ein sonstiger Unfall unter Alleinbeteiligung mit einer leicht verletzten Person“, teilt Marco Kopitz vom Polizeirevier Salzlandkreis mit.

Damit liegen die Unfallzahlen deutlich höher als in den vergangenen Jahren: Laut Kopitz gab es 2019 einen Unfall mit einer schwer verletzten Person, 2018 einen Unfall unter Alleinbeteiligung und 2017 auch einen Unfall unter Alleinbeteiligung mit einer schwer verletzten Person.

Dass es erst Unfälle geben muss, damit für Sicherheit gesorgt werde, sieht der Ortsbürgermeister kritisch. „Muss denn wirklich erst noch ein fünfter Unfall passieren?“, fragt er etwas resigniert.

Doch natürlich kann der Bedarf für eine Ampel an dieser Stelle auch anders festgestellt werden. Marianne Bothe nennt weitere Kriterien, die dafür sprächen, die Situation an dieser Stelle neu zu bewerten: „Das würde vor allem dann zutreffen, wenn das Verkehrsaufkommen gravierend erhöht und/oder das Fußgängeraufkommen erhöht ist. Solche Angaben müssen begründet und belegt werden für eine Entscheidung, die am Ende alle Beteiligten tragen.“

Eine Entscheidung, die alle tragen, war der Abbau der einst vorhandenen Ampel allerdings nicht. Bernd Nimmich (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Bördeland, sagte der Volksstimme im vergangenen Jahr dazu: „Damals war schon für ein paar Jahre eine Ampel in-stalliert. Aber es hieß, dass diese uneffektiv sei und nicht mehr gebraucht wird. Das haben wir aber nicht entschieden, das kam vom Kreis.“

Der Kreis hingegen betont: „Bei der B 246a – Ortsausgang Welsleben in Richtung Schönebeck – gibt es in der Fahrbahnmitte eine Verkehrsinsel, die Fußgängern das Überqueren der Straße in diesem Bereich erleichtern soll und zur Sicherheit beiträgt. Bei der Beurteilung der Verkehrssituation waren sich die Gemeinde Bördeland, Landesstraßenbaubehörde als Baulastträger, Polizei und Straßenverkehrsbehörde einig.“

Die Ampel wurde 1997 errichtet, da zu diesem Zeitpunkt die A 14 bei Welsleben endete und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen vorhanden war. Bei einer späteren Beurteilung wurde festgestellt, dass sie nicht mehr benötigt werde. Somit wurde am 13. März 2009 die Anordnung ausgesprochen, die Ampel abzustellen, fünf Tage später wurde diese Anordnung umgesetzt. 2011 wurde sie dann zurückgebaut.

Ob und wie sich die Situation verändert, bleibt abzuwarten. Doch die erhöhten Unfallzahlen in diesem Jahr geben dem Gefühl der Bürger recht.