Schönebeck l Schönebeck möchte Raser im Stadtgebiet künftig selbst zur Kasse bitten. In einem einjährigen Projekt will die Stadtverwaltung für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen und eine Anschaffung von eigenen Messgeräten prüfen – dabei soll selbst die Geschwindigkeit der Autos kontrolliert werden. Darüber informierte Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) auf der jüngsten Bürgerversammlung im Stadtwerkehaus.

„In Versammlungen und Sprechstunden wird sich immer wieder wegen Rasern in der Stadt beschwert“, erklärt Knoblauch vor den anwesenden Bürgern. Das will das Stadtoberhaupt nicht mehr länger so hinnehmen: „ Jetzt wollen wir die Kontrolle selbst übernehmen und nicht nur der Polizei überlassen.“

Einjähriges Projekt

Daher hat sich die Stadtverwaltung auf eigene Initiative für ein einjähriges Verkehrssicherheitsprojekt entschieden, das ab Juni dieses Jahres starten soll. „In dieser Zeit sollen umfangreiche Statistiken unter anderem zur Messtechnik und Verkehrssicherheit erhoben werden“, erklärt Stadtsprecher Matthias Zander auf Nachfrage der Volksstimme. Anschließend will man die Daten mit dem Stadtrat auswerten und entscheiden, ob weiter gemessen werden soll oder nicht. Erst dann müsste auch ein weiterer Kostenplan erstellt werden.

Denn die Messtechnik leiht sich Schönebeck in dieser Testphase zunächst von einer Firma, die auf Geschwindigkeitsmessungen spezialisiert ist. Dazu gab es im Vorfeld mehrere Anbieter, von denen sich die Stadt für einen entschieden hat, erklärt Matthias Zander weiter. Parallel dazu wurden Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Schönebeck fachlich von der Firma wie auch vom Technischen Polizeiamt geschult, um die Messungen durchführen zu können.

Vorerst keine Kosten

Eine kostspielige Geschichte für das ohnehin schon klamme Stadtsäckl? Nein, denn dieses Verkehrssicherheitsprojekt kostet der Stadt erstmal nichts, bestätigt Matthias Zander im Gespräch. Die mobile Messtechnik, also zum Beispiel im Auto oder als aufstellbare Anlage aber ohne Handmessgeräte, ist kostenfrei gemietet und rentiert sich vereinfacht gesagt durch die Einnahmen, die die Kontrollen mit sich bringen. Ein Prozentsatz davon gehe an das Unternehmen, ein anderer wird für die Unkosten bereitgestellt, so Zander im Gespräch. Denn natürlich gibt es auch Kosten zu decken, zum Beispiel für die Mitarbeiter oder dem Verwaltungsaufwand zum Zustellen der Bescheide und Verwarnungen. Aber erst nach der Testphase entscheidet sich dann, ob Schönebeck auch eigene Messanlagen kaufen wird.

Um das Geld der Raser gehe es der Stadt nicht, betont der Stadtsprecher weiter. Ziel sei es, „die Verkehrsteilnehmer zu verkehrsgerechtem und rücksichtsvollem Verhalten“ anzuregen und damit für mehr Sicherheit im Stadtgebiet zu sorgen. Wo genau die Messstellen sein werden, bleibt offen. Dahingehend wird sich die Polizei mit der Stadt abstimmen. Schwerpunkte sind laut Zander aber unter anderem an Schulen, Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen sowie verkehrsberuhigten Bereichen. Letzteres ist zum Beispiel der neu gestaltete Marktplatz, der nach dem sogenannten „Shared-Space“-Prinzip von Autofahrern und Fußgängern gleichermaßen genutzt wird. Dass es hier regelmäßig Ärger gibt, wurde auf der Versammlung klar.

Im gesamten Stadtgebiet

Möglich ist auch eine Messung auf einer Landesstraße, zum Beispiel die Magdeburger Straße. „Die Stadt hat grundsätzlich in Bereichen innerhalb geschlossener Ortschaften das Recht, dies durchzuführen. Damit sind Messungen im gesamten Stadtgebiet inklusive der Ortschaften möglich“, erklärt Zander die rechtliche Grundlage des Projektes. Das könnte demnach auch Befürworter unter den Bürgern in den Ortschaften wie Pretzien, Plötzky oder Ranies finden.

Das Landesverwaltungsamt und das Technische Polizeiamt geben auch grünes Licht.