Sicherheit

Werden zu viele Kameraden alarmiert?

Pretziens Wehrleiter Michael Vorwerk dringt auf eine rasche Überarbeitung der Alarmierungsordnung.

Von Jan Iven

Schönebeck l Der Pretziener Ortswehrleiter Michael Vorwerk hält mit seiner Meinung selten hinter dem Berg. Selbst Themen, die manch andere Kameraden vielleicht lieber intern klären möchten, spricht er deutlich an, wenn er es für notwendig hält. Und so forderte er bei der jüngsten Jahreshauptversammlung vor den Pretziener Kameraden und Vertretern der Verwaltung: „Wir müssen die Alarmierungsordnung der Stadt Schönebeck dringend überarbeiten.“ Und der Pretziener Wehrleiter spitzte weiter zu: „Sonst kommt es wegen jeder brennenden Mülltonne zu einem mitteldeutschen Feuerwehrtreffen in Ostelbien.“ Demnach würden bei Einsätzen in der Region jenseits der Elbe immer wieder zu viele Wehren alarmiert.

Mit der Alarmierungsordnung regelt die Leitstelle des Kreises, welche Feuerwehren bei welchen Einsatz in welcher Region und zu welcher Tageszeit alarmiert werden. Das ist grundsätzlich festgelegt, damit die Mitarbeiter der Leitstelle bei einem Notruf nicht entscheiden müssen, welche Feuerwehr sie alarmieren.

Das Regelwerk wird derzeit von den Schönebeckern Wehrleitern überarbeitet. Aber aus Sicht des Pretziener Ortswehrleiters Vorwerk eben nicht schnell genug. Zumal einige Vorschläge mit der Auflösung der Wehren Frohse und Plötzky bereits überholt sein dürften.

Vorwerk kritisiert vor allem, dass bei Einsätzen in Ostelbien immer wieder zu viele Wehren aus dem Stadtgebiet anrücken. Grundsätzlich sei es zwar besser, wenn mehr Einsatzkräfte als zu wenige vor Ort sind.

Das Problem: Vorwerk hat das Gefühl, dass es bei Schönebecker Kameraden verständlicherweise gelegentlich zu Frust führt, wenn sie aus der Stadt bis nach Pretzien fahren und der Einsatz schon beendet ist. Der Wehrleiter möchte vermeiden, dass dadurch Spannungen zwischen den Wehren entstehen. Die Alarmierungsordnung müsste daher überarbeitet werden, damit die Schönebecker Einsatzkräfte nur nach Ostelbien fahren, wenn es wirklich notwendig ist.

Demnach würde in manchen Fällen eine Alarmierung der Wehren in Gommern und Dannigkow für Ostelbien als Unterstützung für Pretzien ausreichen. Denn Gommern liegt gerade einmal fünf Kilometer von Pretzien entfernt. Von der Stadtteilwehr Schönebeck an der Tischlerstraße ist es immerhin doppelt so weit. „Wir kooperieren heute schon intensiv mit den Nachbarwehren“, sagt Ortswehrleiter Vorwerk. So gebe es immer wieder gemeinsame Übungen mit den Feuerwehren aus Gommern und Dannigkow. „Und wenn wir im Einsatz eine Drehleiter brauchen, dann kommt die auch aus Gommern und nicht von der Tischlerstraße.“ Gerade bei den Waldbränden im vergangenen Jahr habe sich die Zusammenarbeit mit den Wehren aus dem Jerichower land bewährt. Bei einer gemeinsamen Übung im Sommer wurde etwa ein Pendelverkehr für Löschwasser eingerichtet.

Vorwerk wirbt zudem um Verständnis bei den anderen Wehren dafür, dass die Pretziener auch mit den beiden Wehren aus dem Jerichower Land zusammenarbeiten. „Wir kooperieren natürlich mit allen Wehren, die das möchten“, sagt er. Zudem schlägt der Ortswehrleiter vor, dass alle Schönebecker Wehren gemeinsame Übungen abhalten könnten, wobei er Pretzien selbstverständlich dazu zählt.

In den anderen Schönebecker Feuerwehren werden die Probleme mit der Alarmierungsordnung offenbar nicht als so akut empfunden, auch wenn das Thema jetzt gemeinsam angegangen wird. „Wir haben kein Problem damit, wenn wir nach Ostelbien gerufen werden und der Einsatz ist schon vorbei“, sagt Dirk Dietzmann, Wehrleiter von der Stadtteilwehr an der Tischlerstraße. So oft würde das auch nicht vorkommen. Uwe Tandler, Wehrleiter in Bad Salzelmen, meint: „Natürlich muss die Alarmierungsordnung immer wieder weiterentwickelt werden. Aber mit Augenmaß.“ Der kommissarische Stadtwehrleiter Daniel Schürmann, selbst Disponent in der Leitstelle, verweist beim Thema Alarmierungsordnung an die Stadtverwaltung. Im Rathaus sind allerdings auch keine Probleme bekannt.

Immerhin, inzwischen hat auch der Pretziener Wehrleiter Michael Vorwerk das Gefühl, dass es mit der Überarbeitung vorangeht. „Wir führen derzeit gut Gespräche mit den anderen Wehrleitern über die Alarmierungsordnung“, sagte er.