Wildkatze

Wildkatze (tot) in Schönebeck-Stadtteil Elbenau nahe der Haberlandbrücke gefunden

Erster bestätigter Fund einer Wildkatze in Ostelbien. Fund liefert wertvolle Erkenntnisse für die Forschung

Von Andre Schneider
Saskia Jerosch sammelte den Kadaver-Fund in der Nähe der Haberlandbrücke ein. Eine Rarität in der hiesigen Region.
Saskia Jerosch sammelte den Kadaver-Fund in der Nähe der Haberlandbrücke ein. Eine Rarität in der hiesigen Region. Foto: Andre Schneider
Wildkatzen sind selten. Sie lebend zu entdecken - fast unmöglich!
Wildkatzen sind selten. Sie lebend zu entdecken - fast unmöglich!
Foto: Andre Schneider

Elbenau - Die gute Nachricht: Der Fund einer Wildkatze ganz in der Nähe der Haberlandbrücke liefert wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse und zeigt, dass die seltenen Tiere auch in der heimischen Natur vorkommen. Die schlechte Nachricht: Das Tier ist tot.

Sylvia Winkler fand den Kadaver am Rande der Landstraße kurz bevor der Haberlandbrücke zwischen Elbenau und Plötzky. Schon auf den ersten Blick fiel ihr auf, dass das Tier irgendwie anders ausgesehen hatte, als die heimischen Stubentiger. Sie sollte Recht behalten.

Brumbachwild Sangerhausen kümmert sich

Gemeinsam mit ihren Ehemann Thoralf kontaktierte sie Malte Götz vom Naturschutzbüro Brumbachwild in Sangerhausen, der für Sachsen-Anhalt das Wildkatzen-Monitoring durchführt. Gemeinsam mit ihm arbeitet Saskia Jerosch an der Erforschung der Wildkatzen. Am Montag kam sie nach Elbenau, um die Wildkatze für eine spätere Untersuchung zu bergen.

Bei der Bergung erklärte die Fachfrau den beiden Findern die typischen Merkmale der Wildkatze. „Typisch ist der Schwanz“, so Jerosch. Der Aalstrich auf dem Rücken der Tiere sei ebenfalls charakteristisch. Sie konnte dem toten Tier außerdem weitere Details entlocken. Bei dem Fund zwischen Elbenau und Plötzky handelt es sich um ein Weibchen. „Sie ist älter als drei Jahre“, analysierte die Expertin. Daher sei es nicht auszuschließen, dass irgendwo in den ostelbischen Wäldern und Wiesen nun Junge vergeblich auf ihre Mutter warten.

Selten in Elbenau - häufiger im Harz

Wildkatzen kommen in Sachsen-Anhalt vorwiegend im Harz vor. „Ihr bevorzugter Lebensraum ist der Wald“, sagt Jerosch. Allerdings leben die Tiere seit einigen Jahren auch in der Kreuzhorst nördlich von Magdeburg. Der Totfund in Elbenau ist dennoch eine kleine Sensation. Er bestätigt die Vermutung aus dem Jahr 2019. Damals sei, so berichtete die Volksstimme, eine Wildkatze in eine Dachsfalle eines Jägers geraten. Dokumente wie Fotos oder gar Genproben habe es seiner Zeit nicht gegeben. Für komplett abwegig hatten Naturschutzexperten die Entdeckung seiner Zeit allerdings nicht gehalten.

Nun besteht also Gewissheit: Die Wildkatze ist zurück in Ostelbien. Wenngleich noch kein lebendes Tier gesichtet wurde. Das dürfte ein schwieriges Unterfangen werden. Dem Betrachter dürfte es schwerfallen, eine Wild- von einer Hauskatze zu unterscheiden. Außerdem zeigen sich die Tiere nur selten. Wahrscheinlich ist ein Totfund.

Trauriger Glücksfall

Dieser ist zwar auf der einen Seite traurig, auf der anderen aber ein Glücksfall. „Die Katze liefert wertvolle Daten“, sagt die Forscherin. Zunächst wird der Kadaver eingefroren, um Spuren zu sichern. Der Mageninhalt wird untersucht. Daraus können Rückschlüsse auf das Alter und die Genetik gezogen werden.

Aktuell gibt es in Deutschland übrigens laut Deutscher Wildtierstiftung rund 6000 Tiere. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland geht von 5000 bis 7000 Tieren aus.

Wildkatzen: Merkmale

Wichtigstes Merkmal der Wildkatze ist der dicke, mit 2 bis 3 schwarzen Ringen und schwarzer Quaste, stumpf endende Schwanz.

Ein dunkler Aalstrich auf dem Rücken endet bei der Wildkatze an der Schwanzwurzel.

Die Schwarz-Zeichnungen der Flanken sind bei Wildkatzen nur schwach, im Gegensatz zur Hauskatze.

Die Grundfärbung ist bei Wildkatzen ocker-grau.

Wildkatzenjunge lassen sich kaum von jungen wildfarbenen Hauskatzen unterscheiden. Sie weisen sehr deutliche Schwarz-Zeichnungen und einen spitzen Schwanz auf.

Zweifelsfreie Abgrenzung von Wild- und Hauskatze kann nur mit genetischer Analysen oder morphologisch am toten Tier ermittelt werden. Mischungen zwischen Haus- und Wildkatze kommen vor und man erkennt sie nur mit Tests.

Quelle: Landesamt für Umweltschutz